„Schön, dass noch nichts entschieden ist“: Sturm hält Meisterrennen offen

Hitzige Szenen nach Spielende erlebt Meister Salzburg in der Bundesliga nicht alle Tage. Meist fahren die „Bullen“ einen entspannten Heimsieg ein, doch am Samstag lag es an Sturm Graz und einer kniffligen Strafraumszene, die den Tabellenführer nach dem 0:0 auf die Palme brachte.

Christian Ilzer war hingegen stolz, mit dem Punktgewinn die Meisterschaft offen zu halten. Matthias Jaissle bereitet das Kadermanagement im intensiven Herbst immer größere Sorgen.

Salzburg und Sturm marschieren nach der 13. Runde weiter durch zwei Punkte getrennt an der Spitze. „Schön, dass fast Anfang November die Meisterschaft noch nicht entschieden ist“, stellte Ilzer, der Trainer der Grazer, die Ausnahmesituation fest. „Das tut allen gut, das gibt uns Selbstvertrauen, aber der Weg ist noch sehr, sehr weit.“

Nach dem 2:1-Sieg in Graz schrieb der Europa-League-Vertreter gegen den Titelfavoriten in der Fremde erneut an. Die Ausbeute von sieben Punkten in den jüngsten drei Duellen mit dem Ligakrösus kann sich sehen lassen. Nur mit dem absoluten Zutrauen in die eigene Spielidee könne man Salzburg Paroli bieten, meinte Ilzer. „Das muss man mit einer enormen Überzeugung und nicht nur so dahergeplappert machen. Das gelingt uns sehr, sehr gut und wir merken, dass wir Salzburg richtig ärgern können.“

Pavlovic-Ausschluss sorgt für Diskussionen

Ärger war am Samstagabend in Salzburger Gesichtern tatsächlich lesbar. Weniger über den Punkteverlust gegen den hartnäckigsten Verfolger, als über eine Strafraumaktion, in der sie sich vom Schiedsrichterteam um Stefan Ebner und Video Assistent Referee Manuel Schüttengruber benachteiligt fühlten. In der Nachspielzeit kam der Salzburger Strahinja Pavlovic nach einem Zweikampf mit Mohammed Fuseini zu Fall – und sah Gelb-Rot. Begründung: Schwalbe.

„Ich war mir sicher, dass es ein Elfmeter ist“, sagte der Ausgeschlossene. „Ich fühlte einen Kontakt, aber es ist okay, es war ein toughes Spiel.“

Jaissle kommentierte die Szene mit einem süffisanten Grinsen. Ihn störte vor allem die Tatsachen-Entscheidung, die Pavlovic gegen Hartberg gesperrt auf der Tribüne sitzen lässt. Ilzer sagte dazu: „Die richtige Lösung wäre gewesen, kein Elfmeter und keine Gelb-Rote Karte.“

Ebner bezeichnete Gelb-Rot im Anschluss als „zu hart“, seine Wahrnehmung sei aber relativ ident mit den Fernsehbildern. „So ein Strafstoß darf das Spiel nicht entscheiden.“ Er verwies auf das berühmte „Fingerspitzengefühl.“ Er habe den Kontakt wahrgenommen, „aber das war mir dann einfach zu theatralisch“.

Dass der Serienchampion mittlerweile ein Lazarett von einer halben Mannschaft mit Startelf-Potenzial unterhält, schwang in Jaissles allgemeinem Ärger wohl mit. Nicht alle planen ihr Comeback so rasch wie Andreas Ulmer. Der Kapitän zeigte sich zuversichtlich, für den möglicherweise vorentscheidenden Champions-League-Schlager am Dienstag gegen Chelsea (18.45 Uhr) das Adduktorenzwicken los zu werden. Gegen Sturm fehlten zudem Fernando, Nicolas Capaldo, Dijon Kameri, Sekou Koita und Luka Sucic, der mit Adduktorenproblemen Minuten vor dem Anpfiff w.o. gab. Oumar Solet blieb zur Pause in der Kabine – eine Vorsichtsmaßnahme, wie es hieß.

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Die Verletzten würden, so Jaissle, „natürlich rund um die Uhr behandelt und dann hoffen wir, dass der eine oder andere für Dienstag noch ein Thema wird“. In Hochfrequenz-Wochen bietet sich dem Coach immer seltener die Möglichkeit für Rotation. „Mittlerweile gehen wir schon ein bisschen am Stock. Wir müssen echt gucken, dass wir jetzt durch die übrigen Wochen kommen – aber es wird heiß.“

Video-Highlights: Salzburg – Sturm 0:0

Sturm will 0:6 gegen Feyenoord vergessen machen

Auch Sturm „brennt es schon unter der Brust“ (Ilzer), allerdings aus ganz anderen Gründen. Mit voller Kapelle wollen die Grazer gegen Feyenoord Revanche nehmen für das debakulöse 0:6 in Rotterdam.

„Ich denke, wir können es im Nachhinein als Vorwärtsscheitern betrachten. So schlecht war die Antwort auf diese Klatsche nicht. Nun gibt es die direkte Chance, es viel besser zu machen“, betonte Ilzer und scherzte: „Jetzt haben wir vier Tage Pause zwischen den Spielen, das ist ja reiner Luxus.“ Die starke zweite Hälfte von Salzburg, in der Sturm die klareren Torchancen vorfand, wird als zusätzliche Moralinjektion wirken.

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(APA)/Bild: GEPA