Schottland: Eine Nation feiert die WM mit freiem Tag

Marko Arnautovic blickt vermutlich neidisch nach Schottland. Extra für die Fußball-WM wurde ein freier Tag erlassen, damit die Bevölkerung feiern kann. Das Skurrile: Das erste Spiel gegen Haiti findet am Sonntag um zwei Uhr nachts schottischer Zeit statt. Der folgende Montag ist frei. Die Begeisterung für die erste WM-Teilnahme seit 28 Jahren ist groß. Lokale bleiben für Schottland-Spiele länger offen, und Spielmacher Scott McTominay fand seinen Weg auf eine Banknote.

„Es ist – wie für jedes kleine Land – etwas Besonderes, bei einer Weltmeisterschaft teilnehmen zu können. Ganz besonders vor dem Hintergrund, dass Schottland knapp drei Jahrzehnte warten musste“, sagte der Politikwissenschaftler und Schottland-Experte Klaus Stolz von der TU Chemnitz im APA-Gespräch. Dem freien Tag, genehmigt von König Charles III., würde Stolz nicht zu viel Bedeutung schenken. Dennoch zeigt sich, dass die WM-Faszination größer ist als in anderen Nationen. Sie entwickelte sich geschichtlich.

„Es gibt zwei Gründe für die Begeisterung. Historisch gehört Schottland zu den ersten Fußball-Nationen überhaupt. Zudem war Fußball in Schottland immer schon eigenständig organisiert, obwohl das Land politisch Teil des Vereinigten Königreichs ist“, sagte Stolz. Er verwies auf die eigene Nationalmannschaft Schottlands und ein eigenes Ligensystem. „Für viele Schotten ist Fußball Ausdruck ihrer spezifischen nationalen Identität, die sich auch als Teil Großbritanniens erhalten hat“, ergänzte er. Die Tartan Army sei heutzutage eine Möglichkeit der Schotten, sich von England sowohl äußerlich als auch im Verhalten abzugrenzen.

Erfolgsfaktor Clarke

Für Schottland ist es nach der EM 2021 und 2024 das dritte Großereignis unter Trainer Steve Clarke. Das gelang bisher noch keinem schottischen Coach. Die Qualifikation für die WM war aber alles andere als sicher. Am letzten Spieltag kam es zur entscheidenden Begegnung mit Dänemark. Tore von Kieran Tierney und Kenny McLean in der Nachspielzeit brachten die Erlösung und die fixe WM-Teilnahme.

Für die Briten ist es bereits die neunte WM-Endrunde. Über die Gruppenphase schafften sie es aber nie hinaus. Zuletzt scheiterte Schottland 1998 an Norwegen, Brasilien und Marokko. 2026 kommt es zu einem Deja-vu, denn auch bei der WM 2026 heißen die Gegner in Gruppe C: Brasilien und Marokko.

Gruppe C wird zur Prüfung

Sowohl gegen Rekordweltmeister Brasilien als auch gegen Marokko – Halbfinalist der WM 2022 – ist Schottland der Außenseiter. Das einzige Aufeinandertreffen mit den Afrikanern – bei der WM 1998 – verloren die Schotten mit 0:3. Und auch gegen Brasilien reüssierten sie in den bisherigen zehn Begegnungen noch nicht – zweimal spielten sie unentschieden. Trotzdem blickt Clarke positiv Richtung WM. „Ich denke, dass wir die Gruppe überstehen können. Warum wären wir sonst hier?“, sagte der Nationaltrainer in einem Sky-Interview.

Gegen Brasilien und Marokko wird es schwierig zu punkten. Somit muss im Eröffnungsspiel gegen Haiti ein Pflichtsieg her, wollen sie die K.o.-Runde erreichen. Clarke sieht die Partie aber nicht als Selbstläufer. „Haiti hat seine WM-Quali-Gruppe gewonnen. Sie werden als Winzling gesehen, aber es wird auch hart gegen sie zu spielen“, sagte der 62-Jährige. Dabei hat Clarke Spieler, auf die er vertrauen kann. McTominay spielt bei SSC Napoli, Kapitän Andy Robertson lief jahrelang für Liverpool auf. Beide zählen zu den Schlüsselspielern der Mannschaft, McTominay wurde 2025 in der Serie A Spieler des Jahres. Seine Qualitäten zeigte er unter anderem, als er im Showdown gegen Dänemark per Fallrückzieher traf. Die Akrobatik-Einlage wurde auf einer limitierten 20-Pfund-Banknote festgehalten.

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(APA)/Beitragsbild: Imago