„Schreiben gerade ein Märchen“: FC Südtirol träumt von der Serie A

Nahe an der österreichischen Grenze bahnt sich ein Fußball-Wunder an: Der FC Südtirol träumt vom Durchmarsch in die Serie A.

Gut möglich, dass die Südtiroler Fans demnächst die Fußball-Riesen AC Milan, Juventus oder Inter in der Landeshauptstadt Bozen erwarten dürfen. Als Tabellendritter der Serie B träumt der Aufsteiger vom Durchmarsch in die Serie A. „Wir sind gerade dabei, ein Märchen zu schreiben“, sagt Trainer Pierpaolo Bisoli, der den Klub nach drei Spieltagen am Tabellenende der Serie B übernommen hatte: „Also dann, lasst uns träumen.“

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Kaum zu glauben, dass der FC Südtirol erst 28 Jahre alt ist und 1995 in der Landesliga anfing. Seither folgten fünf Aufstiege. „Jetzt ist man der Serie A näher, als man im Fußball-Dritte-Welt-Land Südtirol jemals zu träumen gewagt hatte“, schrieb die deutschsprachige Tageszeitung Dolomiten: „Es fehlen schlichtweg die Worte, um zu beschreiben, was die Weiß-Roten leisten.“

Jene Leistung geht weit über den Fußball hinaus. Denn der „FCS“ versteht sich als Repräsentant von ganz Südtirol, das erst seit 1919 zu Italien gehört und in Ladinisch noch ein dritte Sprache beherbergt. Die Mehrheit der Bevölkerung in der autonomen Provinz – 62 Prozent – hat Deutsch als Muttersprache. Der Klub sieht sich daher als „Integrationsmodell“, die Vereinsfarben Weiß und Rot sind nicht zufällig auch die Landesfarben von Südtirol.

Trainer Bisoli: „Wenn wir die Playoffs erreichen, werden wir feiern“

Ein ethnisches Spannungsfeld ist dennoch vorhanden. Wie empfindlich die Gemüter sind, musste der Klub erfahren, als er das italienische Alto Adige (Südtirol) in seinem Wappen durch „Bolzano – Bozen“ ersetzte. Bis heute wehren sich einige Fans. „Der Name Südtirol steht nicht für uns“, schrieben die Ultras der „Gradinata Nord Bolzano“ zu Saisonbeginn. Am Zaun hängt bei jedem Spiel eine Fahne mit der Aufschrift „Avanti Alto“.

Während es in den Fangruppierungen sehr wohl Unstimmigkeiten gibt, läuft es auf dem Rasen: In den elf Spielen des Kalenderjahres 2023 ist der Klub unbesiegt. Zu den beiden direkten Aufstiegsplätzen fehlen zwar fünf Punkte, doch die Teilnahme an den Playoffs hat Südtirol schon fast sicher. „Wenn wir die Playoffs erreichen, werden wir feiern“, sagt Trainer Bisoli: „Alles was danach kommt, ist Zugabe.“

(SID/Red.)

Bild: Imago