Ski-Austria-Spordirektor Stecher mit hohen Erwartungen und schärferen Tönen Richtung IOC
Ski-Austria-Sportdirektor Mario Stecher geht mit hohen Erwartungen an die heimischen Ski- und Snowboardsportler in den WM-Winter. „Es muss der Anspruch sein vom ÖSV, dass man um Medaillen nicht nur mitkämpft, sondern die letztlich auch gewinnt“, sagte der 49-Jährige im Gespräch mit der Nachrichtenagentur „APA“ mit Blick auf die Weltmeisterschaften in den alpinen und nordischen Sparten sowie im Snowboard. Im Ringen um die Zukunft der Nordischen Kombination schlug Stecher schärfere Töne in Richtung IOC an.
Als Kombinierer hatte der Steirer bei Winterspielen zwei Team-Goldmedaillen gewonnen. Nach dem Olympia-Aus schaut es nun für die nordische Kernsportart düster aus. „Da sieht man jetzt tatsächlich, dass es in dieser Sportart Spitze auf Knopf steht. Mein persönlicher Vorschlag wäre wirklich, zum IOC zu sagen: ‚Entweder ist das gesamte FIS-Paket dabei oder gar nichts!‘ Das wäre ein Ansatzpunkt. Das muss man sich natürlich auch trauen“, erklärte Stecher.
Vorbild Fußball
Der ÖSV-Sportdirektor brachte ein anderes sportpolitisches Beispiel. „Der Fußball hat es vorgezeigt, dass man sich das da traut“, sprach Stecher die Gegenwehr der Kontinentalverbände wie UEFA und CONCACAF gegenüber dem Weltverband FIFA an. Stecher meinte aber auch, dass viel Arbeit warte, um die Kombination zukunftsfit zu machen. Es gebe Überlegungen seitens der FIS für kompaktere Bewerbe. „Da sind wir am Entwickeln.“
Aber man könne nicht in kurzer Zeit eine Sportart komplett umkrempeln. „Letztlich muss man es mit Lobbying schaffen, dieses Produkt wieder zurückzuholen. Und das relativ rasch. Ansonsten schaut es, glaube ich, traurig aus für die Zukunft der Kombination“, meinte Stecher.
Heimischer Ski- und Snowboardsport gut aufgestellt
Deutlich positiver bewertet er das Niveau der heimischen Wintersport-Asse und deren Aussichten für diesen Winter. „Ski alpin, Ski nordisch mit Skispringen und auch Kombination – da sind wir seit Jahrzehnten bei den Besten dabei, oder wir sind die Besten. Das wollen wir natürlich beibehalten. Da funktionieren sehr, sehr viele Dinge gut. Da sind wir einfach Trendsetter, was Technik anbelangt, was Aerodynamik anbelangt. Und das muss man sich bewahren und auch wieder den nächsten Schritt machen.“
Ähnliches gelte auch für die Snowboardsparte im ÖSV, wo ebenso Arrivierte und junge Talente vorhanden seien. „Also ich glaube, man ist überall sehr gut aufgestellt. Natürlich gehört auch ein bisschen Glück dazu, dass man dann vom Podium herunterlacht.“ Auch beim Nachwuchs sei er optimistisch, meinte Stecher. Er lobte die Arbeit in den Bundesleistungszentren, Landesskiverbänden, Vereinen und der Eltern und warnte vor schlechter Nachrede. „Einfach von oben zu sagen: ‚Ihr macht eine scheiß Arbeit, kann eh keiner mehr Ski fahren‘, das ist fatal.“
Problemzone Biathlon
Probleme gestand Stecher im Biathlon ein, wo mit Lisa Hauser und Simon Eder zwei Aushängeschilder ihre Karriere beendet haben. „Da gilt es natürlich jetzt, die Jungen dahin zu bekommen, dass sie den nächsten Schritt machen.“ Wenn man es in den kommenden Jahren schaffe, „eine Person bei den Herren wieder unter die Top 10 hinein zu bekommen, wäre das ein Erfolg.“ Momentan fehle ein schlagkräftiges Team. Bei den Frauen sei man einen Schritt weiter. „Da kann man ganz vorne mitmischen an guten Tagen“, verwies Stecher vor allem auf Anna Gandler und Anna Andexer.
Obwohl nicht mehr Aktiver, verspürt Stecher dennoch vor dem Saisonstart „das Kribbeln“. „Eine unglaubliche Vorfreude auf die ersten Wettkämpfe. Definitiv. Du scharrst in den Startlöchern.“ Der Winter sei gespickt mit zahlreichen Highlights in Österreich. „Das erste Mal Vierschanzentournee mit den Damen zusammen. Dann hast du Flachau Slalom und Riesentorlauf bei den Damen, was am Abend stattfindet. Kitzbühel und Schladming – ich glaube, da muss man gar nicht drüber reden. Und dann hast du am Ende des Jahres im Montafon eine Heimweltmeisterschaft (Snowboard, Freestyle, Freeski, Anm.), wo jeder Athlet und jede Athletin eine mordsmäßige Gaudi haben wird.“

