Ski-Männer hoffen im Slalom auf letzte Medaillenchance

Angeführt von Kitzbühel-Sieger Manuel Feller hoffen die rot-weiß-roten Slalom-Asse auf einen versöhnlichen Abschluss bei den Olympischen Winterspielen in Bormio. Auf der Stelvio befinden sich Feller, Fabio Gstrein, Michael Matt und Marco Schwarz am Montag (10.00/13.30 Uhr) aber in der Außenseiterrolle. „Manu ist unser Medaillenkandidat. Er ist locker, hat schon eine Medaille gewonnen. Er wird sicher g’scheit Gas geben“, prophezeite ÖSV-Männer-Cheftrainer Marko Pfeifer.

Feller kann mit dem Selbstvertrauen der Silbermedaille aus der Team-Kombination mit Vincent Kriechmayr an den Start gehen. Das gebe ihm vielleicht ein bisschen Ruhe, sagte der Tiroler, auch weil das Material gut funktioniert habe. „Aber das liegt in der Vergangenheit, davon kann ich mir nichts mehr kaufen. Es ist ein neues Rennen.“ Für den Spezialslalom auf dem flachen Hügel gebe es nur ein Motto: „Von oben bis unten volle Attacke“, betonte der 33-Jährige.

Nach dem Olympia-Traumstart mit der zweitbesten Slalomzeit am vergangenen Montag fuhr Feller so wie Gstrein und Matt zurück in die Heimat, um sich in Ruhe auf seinen Saisonhöhepunkt vorzubereiten. Es sei eine intensive Woche mit produktiven Trainings gewesen, erzählte Feller, der seit längerer Zeit wegen Leistenproblemen sehr sparsam mit Schneetagen umgeht. „Ich bin topfit und habe das sehr gut genutzt.“ Am Freitag ging es zurück nach Bormio. Dort wird Feller auch von seiner Frau und den beiden Kindern unterstützt, seine Eltern werden ebenfalls dabei sein. Einen größeren Trupp neben der Piste zu haben, gebe noch einmal einen „Extra-Aufschwung“, betonte er.

Gstrein will „vorne mitfahren“

„Bei allen anderen“, sagte Cheftrainer Pfeifer, „wäre eine Medaille schon eine Überraschung.“ Gstrein sammelte mit einem fünften Platz bei der Olympia-Generalprobe in Schladming zwar reichlich Selbstvertrauen. Die eisigen Bedingungen auf der steilen Planai sind aber genau das Gegenteil, was die Athleten auf dem sehr flachen Kurs mit eher weicherem Schnee in Bormio erwartet. „Dass wir vorne mitfahren könnten, wissen wir alle“, betonte der Tiroler. Auf der Stelvio müsse man dafür von oben bis unten andrücken.

Matt meldete sich bei den Winterspielen mit der drittbesten Laufzeit im Kombi-Slalom – eine Hundertstel hinter Feller – zurück. „Ich bin froh, dass ich wieder schneller bin als im Jänner. Das gibt mir ein bissl Ruhe und Selbstvertrauen“, sagte der Tiroler, der in Pyeongchang 2018 Olympia-Bronze im Slalom geholt hatte. Der Spezialslalom werde aber im Vergleich mit mehr Radius gesteckt sein, gab der 32-Jährige Einblicke. „Vom Schnee sollte es ähnlich sein.“

Schwarz bräuchte „brutales Wunder“

Schwarz hatte sich am Samstag hingegen „irrsinnig“ über seinen neunten Platz im Riesentorlauf geärgert und mit wenig Zuversicht auf seine aktuelle Problemdisziplin geblickt. „Der Slalom hat mich heuer so viel Energie gekostet, da bin ich nicht in den Schwung gekommen. Ich habe mich wieder und wieder hineingesteigert und mich da selber fertiggemacht. Das ist nicht gut, aber in dem Strudel war ich jetzt drin“, erzählte der Kärntner, der es einzig im Slalom in Val d’Isere (8.) in die Top Ten geschafft hatte. Er werde natürlich alles versuchen, aber für eine Medaille müsste schon „ein brutales Wunder“ passieren.

Der Favoritenkreis ist groß, in der laufenden Saison gab es in neun Weltcup-Slaloms sieben verschiedene Sieger. Einzig der norwegische Slalom-Weltcup-Leader Atle Lie McGrath und Paco Rassat aus Frankreich feierten zwei Erfolge. Goldchancen rechnen sich auch der französische Peking-Olympiasieger Clement Noel, Riesentorlauf-Olympiasieger Lucas Pinheiro Braathen aus Brasilien, die Norweger Henrik Kristoffersen und Timon Haugan sowie Slalom-Weltmeister Loic Meillard aus. Der Schweizer schrieb in Italien mit Silber in der Team-Kombination und Bronze im Riesentorlauf bereits doppelt an.

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(APA) / Artikelbild: GEPA