SKN im Aufschwung: Trainer Tanrivermis über die Ziele und prominente Weggefährten
Tugberk Tanrivermis ist seit 9. Oktober 2024 Trainer beim SKN St. Pölten. Zu diesem Zeitpunkt lag der Klub aus der niederösterreichischen Landeshauptstadt mit nur zwei Siegen und neun Punkten aus den ersten neun Spielen auf dem 12. Tabellenplatz in der 2. Liga. Ein knappes halbes Jahr später liest sich die Tabelle schon freundlicher für die Wölfe: Tabellenplatz fünf und nur zwei Punkte Rückstand auf den Dritten Bregenz. Im Sky-Interview spricht der 35-Jährige über seine ersten Monate in St. Pölten und über seine seine bisherige Trainerlaufbahn, in der sich seine Wege schon mit Fußballgrößen wie Jose Mourinho, Thierry Henry, Fatih Terim und Mikel Arteta kreuzten.
„Wir waren im Oktober in einer sehr schweren Situation. Wir waren nur drei Punkte vor den Abstiegsplätzen“, erinnert sich Tanrivermis an seine erste Woche in St. Pölten. Aus den ersten elf Spielen konnte der 35-jährige Türke mit dem SKN starke 24 Punkte holen und musste nur eine Niederlage hinnehmen. In den ersten drei Spielen holten die Niederösterreicher vier Punkte, ehe sie sich mit einer Serie von vier Siegen bis zur Winterpause schnell von den hinteren Tabellenregionen absetzen konnten. „Wir wollten zuerst einmal von dort wegkommen. Das haben wir dann relativ schnell geschafft und jetzt ist das Ziel die Saison auf den bestmöglichen Tabellenplatz zu beenden.“ Die bisherige Bilanz: 11 Spiele, 7 Siege, 3 Unentschieden und 1 Niederlage. Nur die beiden Topmannschaften Admira und Ried konnten im Vergleichszeitraum mehr Punkte holen als die „Wölfe“.
„Möchte in der Bundesliga Trainer sein“ – am Besten mit dem SKN
Auch nach der Winterpause gab es in den ersten vier Spielen noch keine Niederlage. Damit konnte man sich vorerst im oberen Tabellendrittel festsetzen. Für den ambitionierten Trainer aber noch lange kein Grund durch zu schnaufen: „Für uns gibt es keinen lockeren Tag, wo wir dann nur Fußballtennis oder Rondo spielen. Wenn man mal ein kurzes Training macht, 40 Minuten, ist das okay, aber die Konzentration soll immer hoch sein. Wir versuchen keine Zeit zu verlieren. Wir haben es geschafft, eine Atmosphäre mit hoher Konzentration in die ganze Mannschaft zu bringen. Deshalb sind wir aktuell so stabil.“
Die letzten zehn Spiele in dieser Saison sieht der 35-Jährige bereits als Grundstein für die nächste Saison, wo er mit dem SKN St. Pölten große Ziele hat: „Der SKN St. Pölten soll und muss nächste Saison um den Aufstieg spielen. Aber im Fußball soll man immer nur von Tag zu Tag denken. Das nächste Spiel ist immer das wichtigste. Wir müssen immer das nächste Spiel gut bestreiten, damit wir diese Basis aufbauen können. Und das beginnt schon heute um gut in die nächste Saison zu starten.“
Der Vertrag von Tanrivermis beim SKN St.Pölten ist aktuell bis zum Saisonende befristet. „Wenn ich hier bleiben kann, dann möchte ich in der nächsten Saison mit dem SKN um den Aufstieg spielen. Mein Ziel ist es in der Bundesliga Trainer zu sein. Ich hoffe aber, dass ich das gemeinsam mit St. Pölten schaffen kann“, so Tanrivermis, der seine Trainerlaufbahn 2011 als Jugendtrainer bei seinem Herzensklub Galatasray Istanbul startete.
Fatih Terim als Mentor: „Er ist ein Gewinner“
Dort hat er sich innerhalb weniger Jahre bis hin zum Co-Trainer der ersten Mannschaft hochgearbeitet. Die Arbeit steht für ihn ohnehin im Vordergrund: „Das Wichtigste im Fußball und in der Arbeit ist die Seriosität. Wir versuchen jeden Tag jedes Training mit der nötigen Ernsthaftigkeit zu machen, immer totale Konzentration“, und von Trainergröße Fatih Terim lernen konnte „Es ist ein Privileg mit Terim zusammenzuarbeiten. Er ist ein Gewinner, er akzeptiert nichts außer zu gewinnen, es zählen nur Siege. Er ist ein sehr disziplinierter und positiv-orientierter Fußballtrainer. Für mich als Gala-Fan war es eine Ehre von ihm gelernt zu haben“, lobt er den 71-Jährigen, der mit Gala insgesamt 16 Titel holen konnte, darunter auch den UEFA Cup im Jahr 2000 und zudem acht Mal türkischer Meister wurde.
Mit Gala konnte Tanrivermis einmal die Meisterschaft, den türkischen Pokal, sowie Supercup gewinnen. Ein paar Monate war er zudem Co-Trainer von Igor Tudor, bei den Gelb-Roten. Tudor hat am Montag erst als Cheftrainer bei Juventus Turin übernommen.
In der Klasse mit Henry und Arteta
Gelernt hat er aber nicht nur von Terim, sondern auch von anderen Fußballgrößen. Seine Fußballlehrer-Ausbildung absolvierte er in England: „Ich war in der Klasse mit Mikel Arteta, Thierry Henry, auch mit Pepijn Linders, der jetzt in Salzburg war. Es war eine richtig klasse Klasse. Ich habe viel von ihren Erfahrungen gelernt. Sie sind alle Winnertypen und haben sehr viel Fußball-KnowHow von ihren Stationen als Spieler und Trainer. Wir haben auch noch immer wieder Kontakt.“
Vor seiner ersten Station in Österreich war er beim italienischen Traditionsklub AS Roma. Dort trainierte er zuletzt zwei Jahre lang die U18, mit der auch italienischer Meister wurde und als „Trainer des Jahres“ ausgezeichnet wurde. „Dort habe ich im Schatten von Jose Mourinho arbeiten dürfen. Er war auch ein sehr, sehr besonderer Trainer. Er ist top im Verteidigen, er hat eine tolle defensive Abwehrorganisation, aber auch sehr charismatisch. Er weiß, wie ein Trainer von seinen Spielern, mehr als 100 Prozent herausbekommen kann“, schwärmt er vom portugiesischen Starcoach. „Alle diese Kollegen, von denen ich gelernt habe, sind wichtig für mich, aber ich versuche meinen eigenen Weg zu gehen, habe meine eigenen Ziele“, bekräftigt er.
Angesprochen auf seine weiteren Ziele und Träume antwortete der akribische Arbeiter auf seine Weise und das obwohl er fünf Sprachen spricht: „Man sollte immer realistisch sein und Schritt für Schritt machen. Das wäre mein erstes Ziel. Natürlich habe ich große Träume, aber ich denke viel Reden hilft nicht. Die Fakten und die Ergebnisse sollen sprechen. Also wenn wir diese zwei Ziele schaffen, dann können auch weitere größere Ziele langsam kommen.“
(Thomas Polzer)
Bild: GEPA
