ST GALLEN, SWITZERLAND - JULY 30: Head coach Peter Zeidler of FC St. Gallen looks on prior to the pre-season friendly match between FC St. Gallen and Borussia Dortmund at Kybunpark on July 30, 2019 in St Gallen, Switzerland. (Photo by TF-Images/Getty Images)

St. Gallen-Trainer Zeidler: “Das große Thema ist die Unsicherheit”

via Sky Sport Austria

Wien – Während in Österreich diese Woche die kommenden zwei Runden aus Schutz vor dem Corona-Virus verschoben worden sind, steht in der Schweiz bereits seit über zwei Wochen die Liga still.

Peter Zeidler, ehemaliger Red-Bull-Salzburg-Trainer und derzeit mit dem FC St. Gallen überraschend Tabellenführer in der Schweizer Super League, spricht im Interview mit Sky Sport Austria über die Folgen des Versammlungsverbots und die Unsicherheit im Nachbarland.

Das letzte Spiel  fand am 23. Februar statt. Wie geht man mit der Zwangspause um?

„Das große Thema ist die Unsicherheit. Wegen dem Virus. Unser Tormanntrainer ist Italiener, seine Eltern leben in Italien, er telefoniert jeden Abend ein, zwei Stunden mit Ihnen. Es kann natürlich für jeden Einzelnen weiterhin eine einschneidende Sache sein. Dazu kommen die Angst und die Sorge, dass die Saison abgesagt wird. Und du hast plötzlich kein Ziel mehr.“

Wie meinen Sie das?

„Gerade gestern habe ich mir gedacht: Hey, was ist los mit mir? Die totale Euphorie, die Begeisterung geht ein wenig verloren, wenn du nicht weißt, wie und ob es weitergeht. Ursprünglich wäre geplant gewesen, dass wir Mitte März wieder spielen. Aber ich glaube eher, dass es erst am 4. April so weit sein wird. Die Tendenz geht dahin, dass unter Ausschluss der Öffentlichkeit gespielt wird.“

Welche Auswirkungen hätten Geisterspiele?

„Das mit der Stimmung ist natürlich eine emotionale Sache. Für zwei, drei Vereine wäre das aber in erster Linie wirtschaftlich ein schwerer Schlag, es könnte für den ein oder anderen das Ende sein. Alle sind gegen Geisterspiele.“

Angenommen, es kann gar nicht mehr gespielt werden und die Meisterschaft würde abgebrochen werden.

„Dann wären Fragen zu klären: Gibt es einen Meister, einen Absteiger? Ich wohne mitten in der Stadt und vor kurzem hat mich ein älterer Herr sehr besorgt gefragt: ‚Wenn nicht mehr gespielt wird, sind wir aber schon Meister, oder?‘ Alle wären richtig traurig, wenn es nicht mehr weitergehen würde. Vor allem weil es bei uns gerade wie im Märchen läuft.“

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Wie hat man sportlich die Zeit in den vergangenen Wochen genutzt?

„Vom Training her absolvieren wir genau das gleiche Programm mit einem ähnlichen Rhythmus wie wenn wir spielen würden. Du hast die Chance, dass du ohne Stress an den Dingen arbeiten kannst oder Einzel-Videositzungen mit den Spielern machst. Wir haben Testspiele gegen Zweitligisten unter Ausschluss der Öffentlichkeit eingeschoben. Das Positive daran ist, dass wir so simulieren können, was uns eventuell blüht.“

Wie gehen die Spieler mit der Situation um?

„Es ist eine sehr junge Mannschaft, da gibt es keine Motivationsprobleme. Wenn es einmal zwei freie Tage gibt, fragen mich unsere zwei Spanier und Franzosen, ob sie nach Paris oder Barcelona fliegen können. Sie machen sich Sorgen. Das Problem ist, wenn ein Spieler erkrankt, muss die ganze Mannschaft in Quarantäne.“

Was ist ihr Ratschlag?

„Einfach locker bleiben. Leider werden Menschen an dem Virus sterben, junge Menschen eher nicht. Ich hoffe es geht irgendwann vorbei.“

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Beitragsbild: Getty Images