Sturm will Derbyschwung gegen Marseille mitnehmen
Mit dem Schwung aus dem furiosen 6:1-Derbysieg gegen den GAK und angetrieben vom eigenen Publikum will Fußball-Vizemeister Sturm Graz den ersten Sieg in der Europa-League-Ligaphase einfahren. Der Gegner am Donnerstag (18.45 Uhr) ist mit Olympique Marseille zwar ein namhafter, doch die Franzosen sind mit zwei Niederlagen alles andere als optimal in ihre Europacupsaison gestartet. Die Rollen sind vor dem Aufeinandertreffen in Graz-Liebenau dennoch klar verteilt.
„Marseille ist wieder über uns zu stellen, aber in dem Stadion muss man uns erst einmal schlagen. Wir hoffen, dass wir den Rückenwind mitnehmen“, sagte Sturm-Trainer Fabio Ingolitsch. „In dieser Stadt, mit der Energie und dem Erfolgserlebnis im Rücken wollen wir eine sehr mutige Leistung abrufen, alles auf eine Karte setzen und auch gegen einen größeren Gegner auf Sieg spielen.“ Man könne sehr viel aus dem Derby mitnehmen, betonte Simon Seidl, der mit drei Vorlagen gegen die „Rotjacken“ überzeugte: „Wenn wir wieder mit derselben Energie auftreten, können wir das Spiel auch gewinnen.“
Chudjakow mental in „ausgezeichneter Verfassung“
Die Steirer werden weiter nicht in Bestbesetzung antreten, am Sonntag wurde die Verletztenliste mit dem Unterschenkelbruch von Tormann Daniil Chudjakow wieder länger. „Er wird uns sportlich immens abgehen. Unsere Gedanken sind bei Kudi, viele haben ihn schon besucht, es geht ihm den Umständen entsprechend“, erzählte Ingolitsch. „Wir sind emotional dadurch alle näher zusammengerückt.“ Der 22-jährige Russe sei mental in einer „ausgezeichneten Verfassung“ und extrem positiv eingestellt. Aber: „Wir dürfen den Kopf nicht zu weit unten haben, mit Marseille wartet ein Top-Top-Gegner.“
Auf Ersatztormann Ammar Helac könnte ein intensiver Europacup-Abend warten, der Sturm-Coach macht sich aber keine Sorgen. „Ammar ist im genau richtigen Fußballeralter. Er ist extrem seriös und arbeitet total professionell“, sagte Ingolitsch über den 28-Jährigen, der zumindest bis zum Winter das Sturm-Tor hüten wird. Man könne sich auf ihn verlassen. „Er hat unsere Rückendeckung und bekommt das maximale Vertrauen ausgesprochen.“
Marseille mit Fehlstart in Europa League
Einen Monat nach der Nullnummer beim Ligaphasen-Auftakt zuhause gegen Stade Rennes, in der Ligue 1 als Tabellensechster derzeit drei Ränge vor Marseille, ist erneut ein französischer Topclub in der Steiermark zu Gast. Olympique erlebte bei Besiktas (1:4) und gegen Olympiakos (0:1) einen Fehlstart in den Europacup-Herbst, die Ansprüche des neunfachen französischen Meisters sind freilich andere.
In der Liga erfing sich die Truppe des spanischen Trainers Imanol Alguacil zumindest wieder, nachdem vier Niederlagen in den ersten fünf Spielen einen Negativrekord bedeutet hatten. Zuletzt feierte „OM“ zwei Auswärtssiege gegen Troyes (2:0) und Angers (5:2). „Sie haben sehr viele gute Individualisten in ihren Reihen“, wusste Ingolitsch mit Blick auf US-Rechtsverteidiger Timothy Weah, den brasilianischen Flügelspieler Igor Paixao und den algerischen Stürmer Amine Gouiri. Ein Einsatz des zuletzt am Oberschenkel verletzten Dänen Pierre-Emile Höjbjerg ist unwahrscheinlich.
Ingolitsch erwartet „Hexenkessel“
Die Grazer hoffen so wie beim letzten Aufeinandertreffen gegen Olympique Marseille in der Champions League im Oktober 1999 (3:2) auf ein Erfolgserlebnis, um nach dem 0:3 in Bournemouth wieder anzuschreiben. „Wir sehen uns in der Lage, dass wir zuhause jeden ärgern und Punkte abknöpfen können. Wenn wir in der Europa League weiterkommen wollen, dann müssen wir speziell in den Heimspielen voll punkten“, betonte Ingolitsch. Bis Mittwochnachmittag waren etwa 14.000 Tickets verkauft, die Franzosen werden von mehr als 1.000 Auswärtsfans begleitet. „Sie haben mit die berühmtesten Fans in Frankreich. Uns erwartet ein Hexenkessel im positiven Sinne“, prognostizierte Ingolitsch.
