Taktikanalyse: Austria gewinnt mit hoher Intensität und Offensivpressing in Graz
FK Austria Wien konnte in Graz einen Überraschungssieg feiern, besiegte den Tabellenzweiten SK Sturm Graz mit 2:0. Entscheidend dafür war das äußerst intensive und druckvolle Pressing von Thomas Letsch‘ Mannschaft.
Der neue Austria-Trainer überraschte zunächst Mal mit seiner Startaufstellung, brachte mit Alexandar Borkovic, Vesel Demaku und Dominik Fitz eine sehr junge Mannschaft, setzte dabei mit Felipe Pires nur auf einen einzigen Legionär. Die Formation war ein 4-2-3-1, in dem Raphael Holzhauser die Position rechts im Mittelfeld einnahm.
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Sturm-Trainer Heiko Vogel setzte wie schon vergangene Woche gegen St. Pölten auf ein 4-4-2, ersetzte nur Jakob Jantscher durch Philipp Huspek. Beim überlegenen 1:5-Sieg gegen das Tabellenschlusslicht zeigte Vogel eine interessante Umformung der 4-4-2-Grundformation. Fabian Koch rückte in das zentrale Mittelfeld, Thomas Schrammel hingegen blieb auf einer Höhe mit den Innenverteidigern. Dadurch entstand im Spielaufbau eine Dreierkette mit drei zentralen Mittelfeldspielern davor.
Durch zurückfallende Bewegungen von Deni Alar wurde im Mittelfeld sogar häufig eine Raute gebildet, mit der Sturm das Zentrum und so auch das Spiel dominieren konnte. Im Spiel gegen die Wiener Austria gab es diese interessante taktische Variante anfangs jedoch nicht zu sehen. Dafür gab es große Probleme im Ballbesitzspiel, weil Letsch seine Mannschaft äußerst hoch und druckvoll verteidigen ließ.
Das 4-2-3-1 der Austria wurde im Pressing zu einem 4-2-2-2, bei dem Dominik Fitz auf einer Höhe mit Stürmer Kevin Friesenbichler agierte. Gegen das 4-4-2 von Sturm konnte das Pressing dadurch gut ausgelöst werden und es gab klare Zugriffsmöglichkeiten. Fitz und Friesenbichler liefen die Innenverteidiger an, Holzhauser und Pires die Außenverteidiger. Immer wieder entstand so auch ein 4-3-3, wenn etwa Holzhauser rausrückte und Pires sich auf der anderen Seite dafür weiter zurückfallen ließ.

Die Intensität mit welcher die Gäste aus Wien pressten, war beeindruckend. Jörg Siebenhandl wurde konsequent in sehr hohem Tempo angelaufen und so zu langen Bällen gezwungen. Sturm Graz kam in der ersten Spielhälfte zu fast keiner kontrollierten Aufbauszene, der Druck dafür war stets zu hoch. Austria Wien löste das Pressing gut aus und war immer eng dran an den Gegenspielern.
Im Mittelfeld orientierten sich Vesel Demaku und Tarkan Serbest sehr stark an ihren direkten Gegenspielern, Peter Zulj und James Jeggo, rückten weit auf diese heraus, um ein Aufdrehen zu verhindern. Damit ergaben sich auch mehrmals Szenen, in den die Sechser der Austria noch höher verteidigten als Holzhauser und Pires. Auch Florian Klein und Thomas Salamon pressten weit nach vorne und ließen damit regelmäßig eine Dreierabwehr zurück.

Auch Sturm Graz spielte ein Offensivpressing, auf welches sich die Austria gar nicht einlassen wollte und stattdessen den schnellen Weg in die Spitze suchte. Dabei schaffte es die Austria besser als Sturm die zweiten Bälle für sich zu gewinnen und sich etwas mehr in der gegnerischen Hälfte festzusetzen.
Durch den Pressingfokus beider Teams und die vielen langen Bälle entstand ein sehr schneller Rhythmus in dem der Ballbesitz sehr häufig wechselte. Der Spielfluss wurde immer wieder durch Fouls gestört. Die Gäste aus Wien gingen sehr aggressiv zu werke, war durch die Mannorientierungen stets eng an den Gegenspielern dran, ohne dabei aber klar den Ball spielen zu können. Mit der Zeit wurde daraufhin auch Sturms Spielweise härter.
Das hohe Tempo aus den ersten 45 Minuten konnte die Austria in der zweiten Spielhälfte jedoch nicht aufrechterhalten. Das Pressing wurde tiefer und weniger druckvoll, wodurch Sturm mehr Zeit hatte und seine spielerische Klasse zeigen konnte. Das Ballbesitzspiel und die Konterabsicherung wurden zudem besser, da der für Schrammel eingewechselte Hierländer zusätzlich ins Zentrum rückte, so wie es Koch in der Runde davor gegen den SKN machte.

Sturm konnte in der zweiten Spielhälfte die Austria nach hinten drücken und dabei auch einige Chancen rausspielen, allerdings keine davon verwerten. Die Wiener kämpften und verteidigten ihren Vorsprung aus der guten ersten Hälfte, wo ein Holzhauser-Tor nach einer Balleroberung von Salamon im Gegenpressing und ein Holzhauser-Freistoß den entscheidenden Unterschied machten.
Text: Alexander Belinger