Taktikanalyse: So kombinierte sich Rapid durch Mattersburgs Defensive
Rapid konnte beim 4:2-Sieg in Mattersburg (VIDEO-Highlights) eine starke Leistung zeigen und überzeugte vor allem mit gutem Spielaufbau in der ersten Halbzeit. Speziell Richard Strebinger, Thomas Murg und Louis Schaub zerspielten das Pressing von Mattersburg.
Die Ausgangslage vor dem Spiel war klar: Mattersburg wird auf aggressives Pressing, lange Bälle sowie den Kampf um zweite Bälle setzen, Rapid dagegen spielerische Lösungen suchen. Dies war auch von der ersten Minute an zu sehen. Es zeigte sich aber auch sehr schnell, dass das Mattersburg Pressing gegen Rapids Spielaufbau wenig Erfolg bringt.
Mattersburg presste mehrheitlich im 4-4-2, teilweise auch im 4-2-3-1 mit Michael Perlak hinter Smail Prevlak. Gerald Baumgartner ließ sein Team bereits sehr hoch Verteidigen, Perlak und Prveljak liefen dabei auch immer wieder Rapids Tormann an. Doch mit der Nutzung von Richard Strebinger konnte das Pressing auch immer wieder leicht überspielt werden.
Rapid baute konsequent flach auf und führte die Abstöße flach aus, obwohl die ersten Mattersburger bereits vor dem Strafraum warteten. Durch Rückpässe zu Strebinger konnte Rapid Überzahl erzeugen. Der Aufbau war leicht rechtslastig und es ging zunächst mehr über Maximilian Hoffmann. Dann wurde auf links Galvao oder hinter der ersten Pressinglinie Dejan Ljubicic freigespielt. Das Mattersburger Anlaufen des Torwarts erwies sich hierbei als kontraproduktiv, da Strebinger stets die Ruhe behielt und das Pressing mit flachen Pässen umspielen konnte.

Rapid kam so regelmäßig hinter die erste Pressinglinie von Mattersburg. Für die restlichen Spieler stellte sich dadurch früh die Entscheidung, ob sie zurückfallen oder nachrücken und im Pressing drinnen bleiben sollen. Diese Entscheidung bereitete den Mattersburgern große Schwierigkeiten. Entschieden sich die Spieler zum Nachrücken, so waren sie sehr häufig zu spät dran und konnte nicht kollektiv genug Druck ausüben, wodurch Rapid dies leicht überspielen konnte. Entschieden sich die Spieler zum Zurückfallen, dann konnten die Hütteldorfer Tempo aufnehmen und so ihre individuelle Klasse ausspielen.

Die Offensivreihe von Goran Djuricins Mannschaft kam immer wieder mit Tempo auf die Defensive der Burgenländer zu. Vor allem Louis Schaub und Thomas Murg konnten so ihre individuelle Klasse und Überlegenheit ausspielen und machten eine hervorragende Partie, allerdings auch Veton Berisha konnte sich vereinzelt gut in Szene setzen. Rapid hatte eine Vielzahl an erfolgreichen Dribblings und konnte die Dynamik auch öfter Mal mit Doppelpässen der überragenden Schaub und Murg nutzen, wie etwa beim ersten Treffer.
Probleme hatte Mattersburg vor allem mit der rechten Seite von Rapid. Hier nutzte Rapid eine interessante taktische Variante. Murg ließ sich häufig sehr weit zurückfallen und besetzte quasi die Position von Stefan Auer als rechter Außenverteidiger. Auer agierte als Balancespieler und passte sich an Murg an. Auer agierte dadurch oft als simpler Breitengeber am Flügel und sollte gar nicht häufig angespielt werden, wichtiger war es stattdessen Murg an den Ball zu bringen. Als Rechtsverteidiger war er leicht anzuspielen, konnte das Spiel von dort antreiben und diagonal nach vorne bringen. Murg rückte nach dem Zurückfallen immer wieder dynamisch auf, war für die Mattersburger Defensive dadurch schwer unter Kontrolle zu bringen. Mit dem rechtslastig agierenden Schaub konnte er gut kombinieren. Zum Erfolg beigetragen hat auch das Gegenpressing, welches zwei der vier Treffer einleitete.

Nach 45 Minuten, in denen Rapid stark kombinierte und auch Mal die Chancenverwertung passte, ging es mit dem Zwischenstand von 4:1 für Rapid in die Pause. Mit der zweiten Spielhälfte war Rapid-Trainer Djuiricin allerdings nicht zufrieden, überheblich nannte er die Vorstellung seiner Mannschaft. Dennoch kontrollierte Rapid weiter die Partie, ließ nur wenige Chancen zu und konnte so einen ungefährdeten 4:2-Sieg einfahren.
Taktikanalyse von Alexander Bellinger
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