Jesse Marsch: „Ich arbeite nicht für Geld“

via Sky Sport Austria
  • Jesse Marsch über Salzburg: „Der Verein war immer interessant für mich“
  • Jesse Marsch über Christoph Freund: „Das Arbeiten mit ihm macht viel Spaß. Es ist einfach für einen Trainer“
  • Jesse Marsch über Ralf Rangnick: „Wir sind unterschiedliche Typen“
  • Jesse Marsch über Einblicke in die Kabine: „Es ist nicht immer angenehm, aber die Leute schätzen das“
  • Jesse Marsch über David Beckham: „Er ist relativ schüchtern, aber wenn er über Fußball spricht, dann ist er am Leben“
  • Daniel Royer über Jesse Marsch: „Wir wären für ihn gestorben am Platz“

Der Free-to-Air Montag auf Sky: Zu Gast bei „Talk & Tore Exklusiv“ war Red-Bull-Salzburg-Erfolgstrainer Jesse Marsch.

Alle Stimmen zu „Talk & Tore Exklusiv“

(Trainer ):
…über seine Beweggründe nach Salzburg zu wechseln: „Der Verein war immer interessant für mich. Christoph (Freund, Anm.) ist ein sehr guter Typ, hat jedes Jahr sehr gute Arbeit geleistet. Wir hatten gute Gespräche zwischen New York und Salzburg – hatten immer Spieler hier oder da. Und ich habe sie immer in der Europa League und in der Liga verfolgt. Auch Liefering habe ich oft gesehen. Es war immer interessant und eine Möglichkeit hier Trainer zu sein. Aber es war nie sicher, wann eine gute Situation ist. Ich denke, wir hatten Glück uns in diesem Moment zu finden.“

…über Sportdirektor Christoph Freund und die Unterschiede in der Trainertätigkeit im Vergleich zu Amerika: „In Amerika ist die Idee von einem Sportdirektor ein neues Thema. Unsere Liga ist relativ jung und so ist in jeder Position – Trainer, Sportdirektor – die Expertise nicht so hoch. Das Arbeiten mit Christoph Freund macht viel Spaß. Es ist einfach für einen Trainer. Er hat immer eine gute Idee, was eine Mannschaft braucht und jedes Jahr haben sie neue junge Spieler. (…) Die Arbeit hier ist ein bisschen klarer und einfacher als in Amerika. Ich muss nur Trainer sein und habe keine andere Rolle. Es ist viel besser.“

…über seinen Drei-Jahres-Vertrag bei Salzburg und Geld: „Ein Vertrag ist nur ein Agreement. Aber es hat nichts zu tun mit der Arbeit für mich. In New York war ich so glücklich mit der Situation, dass ich mir gedacht habe: Ich mache diese Aufgabe kostenlos. Es ist ein großartiges Leben und macht so viel Spaß. Und ich denke das gleiche auch hier und es war auch das gleiche in Leipzig. Ich arbeite nicht für Geld. Es ist kein Hobby, es ist eine Leidenschaft. Aber Geld ist nicht wichtig. Das habe ich zu all meinen Bossen gesagt.“

…über Ralf Rangnick: „Es ist schwierig. Er hat so viel Intensität. Und wir sind unterschiedliche Typen. Aber es war das gleiche mit Bob Bradley und mir. Ich bin alt genug jetzt, damit ich verstehe, dass es nicht so wichtig ist, ob Ralf und ich best-buddies oder egal was sind. Es ist wichtig, dass die Mannschaft gut gespielt hat. Wir hatten eine gute Beziehung und eine gute Arbeit gemeinsam. Aber mein Kopf war immer mit der Mannschaft und nicht mit Ralf. Als junger Trainer hätte ich mir vielleicht immer überlegt, ob Ralf mit mir glücklich ist. Aber das war nicht wichtig.“

…über sein Verhältnis zu Dietrich Mateschitz: „Ich habe nicht viel Kontakt mit ihm. Er hat immer Unterstützung für uns. Ich habe ihn vielleicht viermal getroffen. Und er hat immer ein Lächeln auf den Lippen und ist sehr positiv. Meine Erfahrung mit ihm ist super. Er hat so viel Gutes für den Verein und für den Fußball in Österreich gemacht.“

…über das viral gegangene Video seiner Halbzeitansprache in Liverpool: „Wir haben diese Dokumentation. Und normalerweise wird es vielleicht vier Wochen später veröffentlicht und dann ist die Emotion für den Moment weg. Es ist, damit die Leute sehen, was in dem Moment passiert. Es war nicht so angenehm für uns alle. Aber es ist real. Das sind wir.“

…über die teilweise aufgekommene Kritik, dass man Einblicke in die Kabine gewährt: „Von Anfang an habe ich in Europa gehört und gesehen, dass die Kabine geschlossen ist und nur für die Mannschaft ist. Ja, das stimmt auch für mich. In Amerika haben wir überall Dokumentationen. In New York hatten wir sogar für zwei Jahre eine Wochen-Doku unserer Mannschaft. (…) Es ist nicht immer angenehm, aber ich denke, die Leute schätzen das. Realistische Situationen vom Leben und von den Leuten sind immer interessant. Und ich denke, in diesem Moment haben wir eine interessante Mannschaft mit vielen guten Spielern und einer guten Geschichte.“

…über die Aussage von Jürgen Klopp, dass er den Verein verlassen hätte, wenn so ein Video veröffentlicht worden wäre: „Klopp ist in einer ganz anderen Situation als Red Bull Salzburg. Der Trainer ist ein Mitarbeiter. Und so muss ich diesen Verein repräsentieren und in diesem Moment ist es eine neue Geschichte für Red Bull Salzburg. Und ich bin hier, um in diesem Moment zu helfen. Aber ich bin nicht der Eigentümer, ich bin nicht der Sportdirektor, ich bin nicht der Geschäftsführer. Ich bin der Trainer. Meine Aufgabe ist es, dem Verein zu helfen. Und ich denke, diese Doku ist ein wichtiger Moment für unseren Verein.“

…darüber wie er zum Fußball gekommen ist: „Mein Vater und meine Mutter hatten noch nichts von Fußball gehört in ihrem Leben. Als ich fünf Jahre alt war hatte ich einen Cousin in Chicago und wir haben im Garten zusammen Fußball gespielt. Und nach diesem Sonntagnachmittag bin ich nach Hause gefahren und habe gesagt: ,Ja, ich möchte Fußball spielen.‘ Und mein Vater und meine Mutter haben gedacht: ,Was ist jetzt los?‘ Fußball war damals nicht groß.“

…auf die Frage, mit welchem Spieler aus der aktuellen Salzburg-Mannschaft er sich als Spieler vergleichen würde: „Vielleicht ein bisschen mit Zlatko Junuzovic. Zlatko hat aber mehr Auge für die letzte Aktion und das Angriffsspiel. Ich war vielleicht gut mit Pässen und Intelligenz am Platz, aber nicht so schnell. Ich denke, mein Vorteil war, dass ich ein guter Redner und ein guter Leader war.“

…über ein hitziges Aufeinandertreffen mit David Beckham in der MLS: „Wir waren glücklich, dass er mit uns in der MLS war. Aber auf dem Platz mussten wir gewinnen. Er hat mich dreimal vor dieser Situation getroffen und ich hatte ein Gespräch mit dem Schiedsrichter: ,Machst du etwas oder nicht?‘ Und er hat gesagt: ,Was?‘ Und ich: ,Okay, kein Problem.‘ Das nächste Mal bekam er einen Schlag und mein Kopf war richtig böse. Aber ganz ehrlich: Nach dieser Situation hatte ich ein gutes Gespräch mit David Beckham. Und danach hatten wir auch noch viele gute Gespräche über Fußball und das Leben bei Manchester United, AC Milan, Real Madrid und all diesen großartigen Vereinen. Er ist relativ schüchtern, aber wenn er über Fußball spricht, dann ist er am Leben.“

…über die Tatsache, dass seine Spieler „Jesse“ und nicht etwa „Coach“ zu ihm sagen: „Ich bin ein Teil von der Mannschaft. Es ist wichtig, dass wir das Gefühl haben, wir können alles füreinander geben. Ich denke, dass eine Mannschaft – besonders eine junge Mannschaft – besser arbeitet, wenn sie ein warmes Gefühl vom Leben und Beziehung hat.“

…auf die Frage, ob man Chancen habe in der Champions League den Aufstieg zu schaffen: „Ja, ich denke schon. Die Gruppe ist stark, aber wir wissen, dass wir gut genug sind. Und das nächste Spiel gegen Napoli ist ganz wichtig und wir müssen für einen guten Fight bereit sein.“

…über seinen Ex-Spieler Daniel Royer: „Danny ist ein super Typ. Ich denke, er ist so glücklich in New York. Er ist nun ein anderer Mann als am Anfang in New York. Er hat so viel gelernt – vielleicht nicht für den Fußball, aber vielleicht für das Leben. Danny und ich hatten viele schwierige Gespräche über Fußball, das Leben und seine Rolle in der Mannschaft. Aber am Ende hatten wir eine ganz starke Beziehung.“

(Spieler New York Red Bulls und Ex-Spieler von Jesse Marsch) in einem Videobeitrag:
…über Jesse Marsch: „Er ist der beste. Er ist so ehrlich und so emotional. Er ist wirklich sehr verbunden mit allen Spielern, er mag den Teamspirit und das Familiäre. Er ist verrückt, aber auf die bestmöglich positive Art und Weise. Er ist von Kopf bis Fuß ein unglaublich guter Mensch und ein Top-Trainer. Er will, dass die Spieler glücklich sind – am Feld, aber auch neben dem Feld – und kümmert sich einfach darum. Und genau aus dem Grund hat ihn eigentlich jeder gerne gehabt. Wir wären für ihn gestorben am Platz. Wir wollten jedes Spiel gewinnen für den Verein, für die Mannschaft. Aber im Endeffekt willst du für den Menschen da draußen, der an der Outlinie steht, nämlich Jesse, das Spiel gewinnen.“

…direkt an Marsch gerichtet: „Hey Coach, wir sind alle extrem dankbar, was du alles für uns gemacht hast in New York. Wir haben so viel von dir gelernt – menschlich, aber auch sportlich. Und deswegen bedeutet es uns einfach auch extrem viel, wie viel du gerade für Salzburg leistest und welche Erfolge du gerade feierst. Und ich möchte, dass du weißt, dass wir alle, der ganze Verein, das mit Begeisterung verfolgen und extrem stolz auf dich sind. Außerdem habe ich gehört, dass dein Deutsch schon ziemlich gut ist. Also ich würde sagen: Lass uns im Winter mal treffen, dann gehen wir auf ein Schnitzel und ein Bier und dann lerne ich dir einen richtig gescheiten Dialekt.“