„Trainer-Gen früh erkennbar“: Rangnick spricht über Werdegang, Idole & Taktik
Fußball-Nationalcoach Ralf Rangnick hat nach eigenen Angaben bereits als kleiner Bub das Rüstzeug zum Trainer gehabt. „Schon mit fünf oder sechs war ich einer, der die Mannschaften eingeteilt hat, der gesagt hat, wer was machen soll, das Trainer-Gen war damals schon nicht zu verleugnen“, erzählte der Teamchef am Mittwoch in Innsbruck auf der Tagung der Sportjournalistenvereinigung SMA. Zudem sprach er über den richtigen Umgang mit Spielern und seine Vision für Österreich.
Der einstige Lehramtsstudent für Sport und Anglistik gilt als Verfechter des intensiven Pressingstils im Fußball. Schon früh habe er die Raum- der Manndeckung vorgezogen. Vorbilder in den Achtzigerjahren waren für ihn der damalige AC-Milan-Trainer Arrigo Sacchi oder Dynamo Kiew unter Walerij Lobanowskyj.
Rangnick: „Gegenpressing macht Sinn“
Er selbst, so Rangnick, habe früher als aktiver Kicker die Zerstörerrolle innegehabt. „Ich habe dem gegnerischen Spielmacher den Nachmittag verdorben und wurde dafür gelobt. Das erschien mir nicht plausibel. Da habe ich mir vorgenommen, wenn du selber einmal Trainer wirst, möchtest du einen anderen Ansatz wählen. Ich möchte unterhalten, ich möchte, dass jeder Spieler sich auch offensiv ausleben und kreativ spielen kann“, erklärte der 64-Jährige.
Studien hätten den Erfolg der Pressingstrategie untermauert. So sei in den ersten zehn Sekunden nach der Balleroberung die Chance, ein Tor zu schießen, am größten, so Rangnick. Die Gründe seien klar: „Je früher du den Ball eroberst, umso weniger Spieler hat der Gegner hinter dem Ball, umso unsortierter ist er und desto einfacher ist es, Torchancen zu kreieren.“ Auf der anderen Seite sei in den ersten acht Sekunden nach einem Ballverlust die Chance am größten, das Leder zurückzuerobern. „Das wiederum bedeutet, Gegenpressing macht absolut Sinn. Das sind die Dinge, die wir heute mit unserer Nationalmannschaft versuchen, auf den Platz zu bringen.“
https://www.skysportaustria.at/oefb-elf-laut-rangnick-auf-gutem-weg-koennen-jeden-schlagen/
Klopp ein Vorbild für Rangnick
Rangnick, ein Freund klarer Regeln und von Disziplin, liegt der Umgang mit den Spielern nach eigenen Angaben besonders am Herzen. „Die Kunst besteht darin, mit den Spielern in Kontakt zu bleiben, obwohl du sie nur alle drei, vier Monate siehst.“ Ein Vorbild für ihn sei in dieser Hinsicht Liverpool-Coach Jürgen Klopp, der einst meinte, es gebe Trainer, die Titel sammeln würden, er versuche aber Beziehungen zu sammeln. „Du musst die Spieler einbinden, sie müssen Gefühl haben, dass sie wertgeschätzt werden“, so Rangnick.
Geld sei in dieser Hinsicht keine Motivation. „Fragen Sie die absoluten Topspieler. Der eigentliche Motivator ist, Erfolg zu haben, besser zu werden und sich jeden Tag auf ein höheres Niveau zu begeben. Wenn die Spieler das Gefühl haben, der Chef macht mich besser, der bringt diese Mannschaft nach vorne, dann sind die Spieler hoch motiviert“, erklärte der Deutsche. „Wenn du dann noch ein bisschen Empathie hast und der Spieler sieht ‚Der interessiert sich für mich, der ruft zu meinem Geburtstag tatsächlich an und spricht mit mir eine Viertelstunde.‘ Dann sind sie auch bereit, für die Mannschaft und für das Land durchs Feuer zu gehen.“
(APA)
Bild: Imago
