BERLIN, GERMANY - NOVEMBER 30:  Lucien Favre, Head Coach of Borussia Dortmund looks on prior to the Bundesliga match between Hertha BSC and Borussia Dortmund at Olympiastadion on November 30, 2019 in Berlin, Germany. (Photo by Boris Streubel/Bongarts/Getty Images)

Trotz Sieg in Berlin: Darum läuft es beim BVB nicht rund

via Sky Sport Austria

Vor 365 Tagen stand Borussia Dortmund mit sieben Punkten Vorsprung an der Tabellenspitze der Bundesliga. Ein Jahr später sieht die Welt im Ruhrgebiet nicht mehr so rosig aus. Sky Sport zeigt die Baustellen der Dortmunder.

Grund 1: Neuzugänge schlagen nicht ein

In der Sommerpause verstärkten sich die Dortmunder mit einigen namhaften Neuzugängen und wurden medial bereits als Transfer-Könige gefeiert. Der damalige Bayern-Präsident Uli Hoeneß bremste die Euphorie und sagte: “Der BVB hat viele Spieler gekauft. Ob er sich verstärkt hat, sehen wir im Laufe der Saison.” Nach 13 Spieltagen der aktuellen Saison ist tatsächlich festzuhalten, dass noch nicht alle Neuen voll angekommen sind beim BVB.

Nico Schulz wechselte beispielsweise für 25 Millionen Euro von der TSG Hoffenheim nach Dortmund. Seine Qualitäten konnte der Linksverteidiger bislang jedoch nicht wirklich unter Beweis stellen. Möglicherweise liegt das am System. Während Schulz in Hoffenheim im 3-5-2-System immer noch einen Innenverteidiger als Absicherung hinter sich wusste, ist er beim 4-2-3-1 in Dortmund oftmals allein auf weiter Flur. Der Nationalspieler ist aktuell ganz klar ein Unsicherheitsfaktor in der BVB-Defensive.

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Julian Brandt bekommt ein etwas besseres Zeugnis. Allerdings fehlt dem 23-Jährigen die Konstanz. In einem Spiel drückt er dem Spiel seinen Stempel auf und eine Woche später taucht er wieder komplett ab – wie Licht und Schatten. Ebenfalls für die Offensive wurde Thorgan Hazard verpflichtet. Der Ex-Gladbacher sammelt zwar fleißig Scorerpunkte – in zwölf Ligaspielen kommt der Belgier auf zwei Tore und sechs Vorlagen – den Unterschied macht er allerdings selten aus.

Mats Hummels ist der letzte namhafte Neuzugang. Der BVB-Rückkehrer wurde als Führungsspieler geholt, fungierte umgehend als Abwehrchef und startete gut in die Saison. Zuletzt ließen die Leistungen von Hummels jedoch zu Wünschen übrig. Im CL-Duell gegen den FC Barcelona trug Hummels an zwei Gegentoren eine Mitschuld und im Spiel gegen Hertha BSC flog der ehemalige Nationalspieler in der ersten Hälfte vom Feld und erwies seinem Team einen Bärendienst. Mit dem Tief ist er nicht allein.

Grund 2: BVB-Achse funktioniert nicht

Ein Grund für die Ergebnis-Misere des BVB ist die nichtfunktionierende Achse. Dazu zählen neben Hummels auch Kapitän Marco Reus und Mittelfeld-Stabilisator Axel Witsel, die als Führungsspieler normalerweise mit guten Leistungen vorangehen müssten. Davon ist aktuell nicht viel zu sehen. Witsel beherrschte und koordinierte das Mittelfeld in der vergangenen Saison. In der aktuellen Spielzeit macht der Belgier vermehrt Fehler und funktioniert nicht mehr als Chef im Mittelfeld.

Reus kam gut rein in die Saison, kann das Team in letzter Zeit jedoch nicht mehr mitreißen. Wenn sich die wichtige Achse Hummels/Witsel/Reus wieder fängt, geht es möglicherweise auch wieder für den BVB aufwärts.

Grund 3: Zweiter Stürmer fehlt

Beim Aufwind dürfte auch ein neuer Stürmer helfen. Neben dem oftmals angeschlagenen Paco Alcacer verfügen die Dortmunder über keinen weiteren gelernten Mittelstürmer im Kader. BVB-Boss Hans-Joachim Watzke gab auch zu, auf dieser Position in der Personalplanung einen Fehler gemacht zu haben. “Wir haben die Transferpolitik analysiert: Auch wenn noch nicht jeder sein volles Potenzial abruft, haben wir einen Fehler gemacht: Wir hätten eine zweite Nummer neun verpflichten sollen. Das haben wir falsch analysiert – aber mehr als das einzugestehen können wir nicht machen”, sagte Watzke bei der Mitgliederversammlung.

Die Dortmunder benötigen dringend eine Alternative im Sturmzentrum. Im Winter könnte die Borussia auf dem Transfermarkt zuschlagen. Kandidaten gibt es in jedem Fall. Neben der Stürmersuche gibt es eine weitere Baustelle.

Grund 4: Unruhe innerhalb des Vereins

Ein großes Thema in Dortmund ist aktuell die Personalie Jadon Sancho. In der vergangenen Spielzeit noch mit grandiosen Leistungen vorangegangen, sorgt der Flügelspieler derzeit eher abseits des Platzes für Furore. Disziplinlosigkeiten, Verfehlungen und Suspendierung sind die Schlagwörter, die momentan mit Sancho in Verbindung gebracht werden. Im Raum steht sogar ein Winter-Abgang des Ausnahmespielers. Potenzielle Abnehmer gäbe es vor allem in der Premier League in Hülle und Fülle. Solche Unruhen tun einer Mannschaft natürlich nicht gut. Ebenso wie die andauernde Trainer-Thematik.

Lucien Favre wurde bereits öffentlich angezählt, zog seinen Kopf mit dem Sieg gegen Hertha BSC aber gerade noch so aus der Schlinge. Der Trainerstuhl des Schweizers wackelt jedoch gehörig. Bei jeder weiteren Niederlage muss sich Favre wieder Sorgen um seinen Job machen. Alles Faktoren, die einer kriselnden Mannschaft nicht helfen.

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Dortmund muss die Wende einleiten

Platz fünf in der Bundesliga kann nicht der Anspruch sein und auch in der Champions League zittern die Dortmunder noch ums Weiterkommen. Vor dem entscheidenden Gruppenspiel gegen Slavia Prag ist der BVB plötzlich nur noch Dritter und auf Schützenhilfe des bereits qualifizierten FC Barcelona gegen Inter angewiesen.

In der Bundesliga warten Fortuna Düsseldorf, Mainz 05, RB Leipzig und TSG Hoffenheim. Ein Selbstläufer klingt anders – vor allem bei der derzeitigen Situation. Gerade gegen die Leipziger müssen die Schwarz-Gelben ihre Baustellen geschlossen haben.

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Bild: Getty Images