Tsunoda möchte bei Feuertaufe in Trickkiste greifen
Der Job neben Max Verstappen ist der momentan wohl komplizierteste in der Formel 1, Yuki Tsunoda tritt ihn ausgerechnet bei seinem Heim-Grand-Prix an – ist sich allerdings ziemlich sicher, dass die Sache ein Erfolg wird.
Vielleicht kennt Yuki Tsunoda ja eine Abkürzung, das würde die Sache deutlich einfacher machen. „Ich bin in Suzuka schon mehr als 10.000 Runden gefahren“, sagte der Japaner einmal über die legendäre Formel-1-Strecke in seiner Heimat, „also habe ich einige Tricks auf Lager.“ Den ein oder anderen könnte er tatsächlich gut gebrauchen am kommenden Wochenende, denn Tsunoda tritt eine in vielfacher Hinsicht riesenhafte Aufgabe an.
Ganz plötzlich ist er zu Red Bull Racing aufgestiegen und damit nun Kollege von Max Verstappen. Vom Weltmeister also, an dem bislang jeder interne Rivale scheiterte, neben dem einige ambitionierte Piloten wie Fahranfänger aussahen – und der nebenbei wenig begeistert ist vom Wechsel innerhalb seines Teams. Tsunoda steuert ab sofort zudem ein Auto, an dem schon einige Vorgänger verzweifelten. Und seine erste Ausfahrt für das Top-Team unternimmt er ausgerechnet an dem Ort, an dem sein Gesicht ohnehin in Übergröße endlos viele Plakate ziert.
Suzuka ist seit den Achtzigerjahren ein vibrierender Ort, wenn die Formel 1 ihren Großen Preis von Japan (Sonntag, 7.00 Uhr MESZ/live bei Sky Sport F1 – streame mit Sky X!) abhält. Sitzt ein Einheimischer in einem der Cockpits, dann potenziert sich die Begeisterung, ganz egal, wie groß dessen Chancen sind. Tsunoda weiß das. „Ich möchte die Erwartungen nicht zu sehr steigern“, sagte er unter der Woche im Rahmen einer Sponsorenveranstaltung – um dann genau das zu tun: „Ich will dort schon auf dem Podium landen.“
Es waren lässige Worte, die eine Einordnung vertragen können: Selbst Verstappen kämpft derzeit mit dem RB21, ein Podestplatz ist auch für ihn keineswegs selbstverständlich. Zu stark wirkt McLaren mit Lando Norris und Oscar Piastri, zu eng geht es gegen Mercedes und Ferrari zu. Tsunoda sieht sich selbst also wohl auf Augenhöhe mit dem Weltmeister – aber vielleicht ist das ja genau das Rüstzeug, das man braucht als zweiter Mann bei Red Bull Racing.
Liam Lawson zumindest wirkte nicht sonderlich selbstsicher, der Neuseeländer hatte allerdings auch kaum Zeit anzukommen. Nach zwei Qualifyings auf dem letzten Platz und zwei Saisonrennen ohne WM-Punkt verlor Red Bull bereits die Geduld, Lawson wurde vor wenigen Tagen zurück zum Schwesterteam Racing Bulls geschickt. Von dort kommt nun also Tsunoda zu seiner Chance, und geht es nach dem 24-Jährigen, dann war das längst überfällig.
„Yuki hat in den vergangenen Jahren immer wieder betont, dass er der richtige Mann wäre“, sagte Red Bulls Motorsportberater Helmut Marko bei Formel1.de. Das kompliziert zu steuernde Auto, über das Lawson und all die anderen Vorgänger klagten, bereitet Tsunoda auch keine Sorgen. „Ich denke nicht, dass es besonders herausfordernd zu fahren ist“, sagte er. Nach zwei Tagen im Simulator habe er keine großen Tücken festgestellt.
Dem Podium beim Heim-Grand-Prix, so klingt es, steht also nicht viel im Wege. Es hätte ganz nebenbei übrigens historische Ausmaße: Einen Rennsieger in der Formel 1 hat Japan noch nie hervorgebracht. Größte Erfolge waren bislang die dritten Plätze von Aguri Suzuki (1990), Takuma Sato (2004) und Kamui Kobayashi (2012).
(SID) / Artikelbild: Imago
