Tuchel lobt “sehr besonderes” Dortmund

via Sky Sport News HD

Dortmund (SID) Nachdem er in den ersten Minuten im Dortmunder Fußball-Tempel schon die komplette Bandbreite schwarz-gelber Emotionalität erlebt hatte, kümmerte sich Thomas Tuchel erst einmal um die Verteidigung seines einzigen Sorgenkindes.

Die Pfiffe gegen Ilkay Gündogan bei der Teamvorstellung seien zwar “vielleicht ein Stück weit verständlich”, sagte der neue Trainer von Borussia Dortmund – aber nur, weil in der Öffentlichkeit ein falsches Bild gezeichnet worden sei.

“Ich bin froh, dass er hier ist. Es war mein Wunsch, dass er bleibt”, sagte der seinerseits mit fast schon euphorischem Applaus begrüßte Tuchel über den eigentlich wechselwilligen Nationalspieler. Und richtete sogleich den Appell an die Fans, Gündogan wieder vorbehaltlos in die BVB-Familie aufzunehmen: “Ich denke, mit diesem kleinen Denkzettel ist es genug.” Gündogan hatte bereits seinen Abschied angekündigt, in der Vorwoche aber seinen Vertrag bis 2017 verlängert, weil sich alle gewünschten Wechsel-Optionen zerschlagen hatten.

Stadionsprecher Norbert Dickel hatte gegen den spürbaren Missmut über den 24-Jährigen angekämpft und ihn besonders überschwänglich begrüßt – vergeblich. Doch nachhaltig trüben konnte das Tuchels Begeisterung über die Dortmunder Fanwucht nicht. “Es war schön, ein bisschen Atmosphäre zu schnuppern. Alles ist schwarz-gelb. Da kann man sich vorstellen, wie es hier mal abgeht”, sagte er beeindruckt und versprach sogleich: “Wir wollen aus diesem Stadion eine Festung machen – die Gegner sollen Bauchschmerzen bekommen.”

Es sei “beeindruckend, dass sich bei den hochsommerlichen Temperaturen, bei denen man auch gerne im Freibad liegt, so viele Menschen aufmachen”, meinte der frühere Mainzer, nachdem bei fast 40 Grad 80.000 Fans zum Familienfest kamen und 41.200 Zuschauer das 17:0 gegen das aus Olympiasiegern und anderen Spitzensportlern bestehende “Team Gold” im Stadion verfolgten: “Das empfinden wir im Trainerteam als sehr besonders. Aber genau deswegen sind wir hergekommen.” Bisher, versicherte der 41-Jährige, fühle er sich “sehr wohl”. Und merkte schmunzelnd an, dass man nach dem 5:0 beim Landesligisten VfL Rhede – wobei ausgerechnet Gündogan das erste Dortmunder Tor dieser Saison schoss – “immer noch ohne Gegentor” ist.

Am Sonntag flog Tuchel mit seinem neuen Verein direkt nach Asien, wo der BVB sich auf Sponsoren-Tour durch Japan, Singapur und Malaysia begibt. Nach dem Verkauf von Milos Jojic an den 1. FC Köln sind bis zum Bundesliga-Start aber noch weitere personelle Baustellen zu schließen. Ob der von den Fans mit lautstarkem Applaus empfangene Nationaltorhüter Roman Weidenfeller den Kampf gegen Neuzugang Roman Bürki aufnimmt oder zu Eintracht Frankfurt flüchtet, ist offen.

Er habe aktuell jedenfalls “keine Not” über die Rangfolge im Tor zu entschieden, so Tuchel. Ob der abwanderungswillige Ciro Immobile bleibe, sei ebenfalls offen: “Es kommt auch auf ihn an.” Entschieden ist dagegen wohl, dass Mats Hummels Kapitän bleibt. “Es spricht im Moment nichts dagegen”, betonte Tuchel.