Tuchels Angriff auf die Stars – Matthäus: „Kann gefährlich für ihn werden“
Bayern Münchens Trainer Thomas Tuchel steht nach dem missglückten Saisonstart und seinem Angriff auf die Stars bereits im Fokus.
Zu Beginn seiner Amtszeit war Thomas Tuchel in seine Mannschaft noch „schockverliebt“ gewesen. Und jetzt, keine vier Monate später? Ist der Trainer des FC Bayern „konsterniert, fassungslos, ratlos“. Dabei hat die Saison gerade erst begonnen. Und doch startete Tuchel nach der deutlichen Pleite im Supercup gegen RB Leipzig (0:3) bereits einen Frontalangriff auf seine Stars.
Der 49-Jährige steht dadurch im Fokus und schon gibt es erste Kritik an seinem kompromisslosen Kurs. „Ich bin sicher, dass das für Unverständnis und Kopfschütteln bei den Profis sorgt“, sagte Sky-Experte Lothar Matthäus. Wenn Tuchel nicht aufpasse, „wird er die Kabine nicht so hinter sich bringen, wie es nötig wäre. Das kann schnell gefährlich für ihn werden.“
„Seine Bilanz in München ist desaströs“
Auch Dietmar Hamann zeigte sich verwundert. „Seine Bilanz in München ist desaströs. Du kannst nicht von 13 Spielen fünf verlieren. Warum es nicht läuft, kann zwei Gründe haben. Die Mannschaft ist innerhalb zerstritten. Oder die Mannschaft hat ein Problem mit dem Trainer. Dass Tuchel sie an den Pranger gestellt hat, kam dort bestimmt nicht gut an“, meinte Sky-Experte Hamann bei Bild-TV.
Es ist ein schmaler Grat, auf dem sich Tuchel aktuell bewegt. Profis derart brutal bloßzustellen, ist riskant und kann schnell zu Unruhe führen. Zuletzt schon hatte der Coach seine „Sechser“ um Joshua Kimmich öffentlich vorgeführt.
„Ich halte es für unklug, weil er als Trainer mehrere Baustellen aufmacht“, sagte der frühere DFL-Geschäftsführer Andreas Rettig bei Sport1. Tuchel sei ohne Frage „ein guter Trainer. Aber man kann sich da nicht so hinstellen. Man bringt die Mannschaft gegen sich auf“, so Rettig weiter: „Und sich dann auch noch bei Harry Kane entschuldigen, dass die Mannschaft vier Wochen nichts gelernt hat: Er isoliert damit auch Kane und bringt die Mannschaft gegen ihn auf.“
Tuchel kritisiert eigenes Team
Rekordtransfer Kane hatte gegen RB sein Debüt für die Bayern gefeiert. „Der denkt wahrscheinlich, dass wir vier Wochen gar nicht trainiert haben. Für ihn tut es mir am meisten leid“, sagte Tuchel. Doch damit nicht genug der harschen Kritik am eigenen Team. „So dauerhaft hatte ich das bisher bei keiner Mannschaft.“ Die Diskrepanz zwischen Vorbereitung und Spiel sei „erschreckend“. Er erkenne „nichts wieder“. Rumms!
Ende März hatte Tuchel das Amt von Julian Nagelsmann übernommen, konnte einer ohnehin verkorksten Saison aber auch keine entscheidende Wende mehr geben. Vielmehr musste er das Aus im DFB-Pokal und in der Champions League verantworten. Was blieb, war ein glücklicher Meistertitel – und eine schwere Hypothek für diese Spielzeit.
Doch die Schonfrist für Tuchel, der 2021 mit dem FC Chelsea die Champions League gewann, ist vorbei. Der frühere Mainzer und Dortmunder Coach muss liefern, wenn es am Freitag (20.30 Uhr) bei Werder Bremen mit der Bundesliga losgeht.
Noch, betonte Vorstandschef Jan-Christian Dreesen, gebe es „keinen Grund, an der Mannschaft zu zweifeln“. Man wolle die Probleme „schnell abschütteln“, sagte auch Kapitän Kimmich. In der letzten Saison hätte er sich „sehr, sehr viele Sorgen gemacht. Es ist aber nicht so, dass wir an dieser Niederlage komplett zerbrechen werden.“
Dennoch bleiben beim FC Bayern früh in der Saison viele Fragen – nicht nur über den harten Kurs des Trainers.
(SID) / Bild: Imago
