Überglücklicher Thiem: „Einer der schönsten Momente“
(APA) – Ein überglücklicher Dominic Thiem hat den emotionalsten Titel seiner Karriere gefeiert. Ein Heimsieg vor vier Mal ausverkauftem Stadion bei einem Turnier, das er seit früher Kindheit besucht, beobachtet und gespielt hat. Da zählen Punkte und Preisgeld weit weniger als die geschichtliche Verbindung plus dem Heimatgefühl. „In Österreich ist es doch am schönsten“, meinte Thiem noch zum Publikum.
Im Pressegespräch ging Thiem, mit der großen „Goldenen Gams“ neben sich und einem Sack neuer Erinnerungen im Gepäck, dann noch etwas mehr ins Detail:
Frage: Die Goldene Gams steht vor Ihnen. Welche Emotionen gehen Ihnen nach dem ersehnten Heim-Titel durch den Kopf?
Dominic Thiem: „Ich bin überglücklich. Es ist sicher einer der schönsten Momente gewesen in meinem bisherigen Tennis-Leben wie der letzte Schlag von ihm ins Out gegangen ist. Ich habe seit ewigen Zeiten davon geträumt. Wir sind das ganze Jahr über unterwegs, spielen Turniere auf allen Kontinenten, in allen Ländern und es ist etwas ganz Spezielles, dann zu Hause zu spielen und da auch so ein Turnier zu gewinnen, wirklich einfach nur schön.“
Frage: War es vielleicht sogar Ihr emotionalster Titel?
Thiem: „Auf viele Arten und Weisen definitiv, weil es sind schon sehr spezielle Umstände. Es waren vier ausverkaufte Matches, viermal war das Publikum komplett hinter mir, außer wie ich gegen den Ofi (Sebastian Ofner) gespielt habe, und der Druck, den ich mir selbst gemacht habe, war schon sehr groß. Ich wollte diesen Heimsieg unbedingt haben. Kitzbühel hat so viele spezielle Erinnerungen für mich: Ich war als kleines Kind da, als Jugendlicher zuschauen, dann erstes Challenger, erstes ATP, erstes Finale alles hier passiert. Da dann als Turniersieger zu stehen, ist ein Wahnsinn. In der Hinsicht auf jeden Fall der schönste und auch emotionalste Titel.“
Frage: Ihr Coach Nicolas Massu hatte Tränen in den Augen. Da hat sich in der kurzen Zeit doch auch eine sehr enge Beziehung entwickelt, oder?
Thiem: „Natürlich, es war bis jetzt eine kurze Zeit, aber es ist doch schon einiges passiert mit Indian Wells und French-Open-Finale auch. Es ist auch deshalb speziell, weil er das Turnier vor 15 Jahren gewonnen hat. Jetzt stehen wir dann beide da drauf (blickt lächelnd auf den Pokal, Anm.).“
Frage: Was war in dieser Woche der Unterschied zu den vorangegangenen Jahren in Kitzbühel?
Thiem: „Ich denke, gar nicht so viel. Sicher ist das alles Spekulation, aber vielleicht, wenn ich den (Martin) Klizan letztes Jahr geschlagen hätte, hätte ich letztes Jahr das Turnier gewonnen. Das kann man nie sagen. 2014 ist lang her, ich war dieses Jahr wirklich bereit. Ich habe zwar in Hamburg das Viertelfinale verloren, aber alles andere als schlecht gespielt. Ich war vom ersten Punkt an voll motiviert. Ein 250er-Turnier, wo der als Nummer zwei gesetzte auf Nummer 26 steht, aber man sieht wie tough es ist. Ich habe vorher gesagt, wenn ich eine sehr gute Leistung abrufe, wie ich es gemacht habe, ist eine Chance da, das Turnier zu gewinnen.“
Frage: Kann es sein, dass Sie nie wieder mit so einer Anspannung nach Kitz kommen werden, weil das eben nun geschafft ist? Sie können nun ja viel relaxter zumindest an Kitz herangehen.
Thiem: „Vielleicht, ich weiß es nicht. Das ist halt Aas arge und auch Interessante am Tennis, dass man nie mit irgendwas zufrieden ist. Nächstes Jahr, wenn ich hierherkomme, will ich den Titel verteidigen. Und die Anspannung wird um keinen Deut geringer sein, aber trotzdem bin ich heilfroh, dass ich es zumindest einmal geschafft habe.“
Frage: Erlauben Sie sich vor dem Abflug nach Montreal morgen ein bisschen Party?
Thiem: „Wir werden jetzt sicher nicht ins Hotel schlafen gehen, das ist klar. Wir werden einen netten Abend verbringen, aber so, dass ich am Mittwoch wieder halbwegs fit bin. Es ist natürlich ziemlich kurz die Zeit, es ist ein kompletter Belagswechsel, es ist ein Masters. Ihr kennt meine ersten zwei (möglichen) Gegner, die sind richtig stark. Aber ich bin natürlich jetzt voll mit Selbstvertrauen, was den ganzen Jet lag und die Umstellung auch kaschieren kann. Ich bin gespannt.“
(aufgezeichnet und befragt von Gerald Widhalm/APA in Kitzbühel)
Artikelbild: GEPA