„Überqualifiziert für einen Bundestrainer“: Stankovic über Klopp-Euphorie
Große Euphorie samt hoher Erwartungshaltung in Deutschland: Unter Neo-DFB-Teamchef Jürgen Klopp soll das deutsche Nationalteam wieder an vergangene Erfolge anknüpfen. Auch in der neuesten Podcastfolge von Ex-DFB-Teamspieler Didi Hamann und Sky-Experte Marko Stankovic, Hamann & Stankovic – Der Fußball Podcast, waren die kommenden DFB-Länderspiele ein großes Thema.
„Die Leute haben Riesenrespekt vor ihm. Zum Teil auch Angst. (…) Es ist eine Rieseneuphorie und ich will diese nicht bremsen. Das ist zehn Jahre her, dass sich die Leute in Deutschland auf ein Länderspiel gefreut haben“, erklärt Hamann die aktuelle Stimmungslage bei Deutschlands Fußballfans. Gleichzeitig gelte es aber die ersten Auftritte abzuwarten und richtig einzuschätzen: „Man muss nur vorsichtig sein zu denken: ‚Der Klopp ist jetzt da, jetzt wird alles gut.‘ Unsere Mannschaft ist sehr viel besser als das, was sie gezeigt hat. Aber die Erwartungen können ein Rucksack sein und einen bremsen. Deswegen will ich zur Vorsicht mahnen und sagen: ‚Lasst uns erst einmal die Spiele anschauen.‘“
Hamann: „Erwartungen können ein Rucksack sein“
Sowohl der riesige 44-Spieler-Kader sowie der Status der Nations League könnten dabei Druck vom neu formierten DFB-Team nehmen: „Es sind Nations-League-Spiele. Für mich ist das nicht der wichtigste Wettbewerb, weil es Freundschaftsspiele unter Wettbewerbsbedingungen sind. Aber natürlich willst du dich da gut verkaufen.“ Vor allem für die Debütanten birgen die Länderspiele eine große Chance: „Es sind viele dabei, die noch nicht einmal so viele Bundesligaspiele gemacht haben. Die haben alle Potenzial. Da wird einer auftauchen, wo du sagst: ‚Auf einmal ist der dabei und spielt eine Rolle.‘ Aber es werden auch viele dabei sein, die vielleicht nicht gut genug sind. Deswegen hat er alle eingeladen, damit er sieht, wie sie sich geben im Training, wie sie persönlich sind. Da gibt es gute Gründe dafür, das zu tun.“
Klopp bringt Powerfußball: „Kann er schnell implementieren“
Einem konkret benannten Neuling traut Hamann einen baldigen internationalen Durchbruch zu: „Ein Spieler, der mir schon letztes Jahr aufgefallen ist, ist der Conte von Hoffenheim. Er war letztes Jahr nach Elversberg ausgeliehen. Offensiver Mittelfeldspieler, eine Position, wo große Konkurrenz ist mit Wirtz, Musiala, Gnabry. Wahrscheinlich nicht die einfachste Position, um in die Mannschaft zu kommen. Er hat großen Anteil gehabt, dass Elversberg aufgestiegen ist und hat in den ersten Spielen bei Hoffenheim gezeigt, dass er ein hervorragender Spieler ist.“
Beeindruckt von dem neuen Input des einstigen Liverpool-Trainers ist auch Ex-ÖFB-Teamspieler Stankovic: „Die haben noch nicht einmal gespielt und ich erkenne eine Euphorie bis nach Österreich. Aus meiner Sicht ist Jürgen Klopp überqualifiziert für einen Bundestrainer. (…) Ich bin extrem begeistert über sein Auftreten, wie er das ganze darstellt. Nagelsmann hätten sie zerrissen da vorne. Beim Klopp gibt es sowas überhaupt nicht. Er hat das extrem intelligent gemacht, 44 Spieler einzuberufen, 16 Neue, weil sollten die Ergebnisse nicht passen, hast du immer die Ausrede: ‚Das ist ein Casting.‘“
Hamann: „Deswegen gehen die Spieler für ihn durchs Feuer“
Im ungewöhnlich großen Kader sieht der Ex-Profi eine Strategie inklusive Wertschätzung der Profis: „Ich glaube, dass das einen Spieler richtig beflügelt. Wenn Jürgen Klopp nominiert, dann bin ich mit meinen 1,77 Meter auf einmal 1,85 Meter. Das ist das Ziel von jedem Kicker, dass man vom Bundestrainer angerufen wird.“
