UEFA bestätigt: Stehplätze im Europacup wieder erlaubt

Die UEFA bricht nach Jahrzehnten mit einem Tabu: In der kommenden Saison sind im Europapokal in einigen Ländern wieder Stehplätze erlaubt. In Österreich wird es allerdings keine Änderungen zum Sitzplatz-Konzept der letzten Jahre geben: Die Stehplatz-Regelung kommt aktuell nur für drei Länder.

Die Europäische Fußball-Union (UEFA) bricht nach Jahrzehnten mit einem Tabu: Das Sitzplatzgebot wird aufgeweicht, die Stehplätze kehren zurück. Dies beschloss das UEFA-Exekutivkomitee am Mittwoch. Deutschland ist gemeinsam mit England und Frankreich Teil des von vielen Fußballromantikern herbeigesehnten Pilotprojekts. Auch in der Champions League, Europa League und Conference League dürfen die Fans wieder stehen, allerdings sind die Endspiele in allen drei Wettbewerben nicht Bestandteil dieser Regelung. Allein beim deutschen Spitzenklub Borussia Dortmund erhöht sich dadurch die Stadionkapazität von rund 66.000 auf über 80.000, 25.000 Leute werden auf der größten Stehplatztribüne Europas Platz finden.

Grundsätzlich sind Stehplätze für Heimfans vorgesehen. Ob auch Gästefans stehen dürfen, entscheidet der jeweilige Gastgeber. Das Sitzplatzgebot war in den 90ern unter anderem eine Reaktion auf die Hillsborough-Katastrophe im Jahr 1989 mit 97 Toten. Bei Länderspielen gilt das seitdem praktizierte Sitzplatzgebot weiterhin. Bei erfolgreichem Verlauf des „Beobachtungsprogramms“ sei sowohl eine regionale als auch zeitliche Ausweitung der Regelung möglich, schrieb die UEFA. Auch für Länderspiele könnte die Aufweichung also früher oder später kommen.

„Das ist eine großartige Nachricht. Die Stehplätze sind ein wichtiger Teil unserer Fußballkultur“, sagte beispielsweise Hans-Joachim Watzke, Vorsitzender der Geschäftsführung von Borussia Dortmund. Der BVB habe sich in den vergangenen Jahren hinter den Kulissen intensiv für eine Erlaubnis von Stehplatztribünen in internationalen Wettbewerben eingesetzt.

Spanische und italienische Klubs hätten schon jetzt an der Testphase teilnehmen dürfen, die qualifizierten Teams verfügen aber nicht über Stadien mit entsprechenden Plätzen. Zuletzt hatte mit England das Mutterland des Fußballs nach halbjähriger Testphase bei ausgewählten Klubs alle Profi-Stadien wieder für „sicheres Stehen“ geöffnet.

„Dies ist nicht mehr die alte Tribüne, dies ist eine ganz andere Welt, und die Sicherheit steht im Mittelpunkt“, sagte Nigel Huddleston, englischer Staatssekretär für Sport. Viele Fans bejubelten dies als Rückkehr zu den Wurzeln. Dank verbesserter Videoüberwachung werde man künftig auch bei Stehplätzen „genau wissen, wer sich auf jedem einzelnen Platz und in jedem einzelnen Bereich aufhält“, betonte Huddleston.

Auch die UEFA erkannte nun die Vorzüge von Stehplätzen – jetzt liegt alles an der Umsetzung der Anhänger.

(SID) / Bild: Imago