VILLACH,AUSTRIA,18.OCT.16 - ICE HOCKEY - EBEL, Erste Bank Eishockey Liga, VSV Villach vs EC Red Bull Salzburg. Image shows Gerhard Unterluggauer (VSV). Photo: GEPA pictures/ Daniel Goetzhaber

Unterluggauer fordert nach “Tabula rasa” VSV-Tugenden

via Sky Sport Austria

Villach (APA) – Erstmals seit Kurt Harand bei den Black Wings Linz 2005/06 geht ein österreichischer Club der Erste Bank Eishockey Liga (EBEL) wieder mit einem österreichischen Cheftrainer in die Saison. VSV-Urgestein und ÖEHV-Rekordteamspieler Gerhard Unterluggauer soll beim Villacher SV den Umbruch zum Erfolg und die Adler wieder ins Play-off führen.

Im Gespräch mit der APA – Austria Presse Agentur begründete Unterluggauer, warum er ‘Tabula rasa’ gemacht hat, wie er das Spiel seiner Mannschaft anlegen und wie er die jungen Villacher fördern will.

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Sie haben in Villach sicher zuerst eine Analyse der Situation gemacht – wie war der Zustand?

“Der Zustand war so, dass ich einfach alle rausgeschmissen habe. Es waren intern Probleme, die ich erfahren habe. Da sind Sachen aufgekommen, das geht nicht in der Kabine, das ist ein schlechtes Klima. Deshalb habe wir Änderungen machen müssen. Deshalb war es wichtig und bin ich glücklich, dass ich die Spieler bekommen habe, die ich jetzt habe. Die Truppe braucht Zeit, aber die Jungs, die wir haben, wissen, was wir machen müssen, um Spiele zu gewinnen. Das Wichtigste ist, dass der Charakter im Team stimmt. Ich war in Mannschaften, die sehr talentiert waren, aber trotzdem nichts gewonnen haben, weil drei, vier Gruppen in der Kabine waren. Und mit Mannschaften, die vielleicht nicht die talentiertesten waren, habe ich gewonnen, weil wir ein Team waren. Das funktioniert bisher sehr gut.”

Wie ist das in Villach angekommen?

“Die Fans haben schon gesehen, welchen Weg wir gehen wollen. Wir wollen natürlich die Villacher Härte zeigen und einen guten Mix finden. Wir haben die Mentalität von Speed und natürlich wollen wir in Maßen die Härte reinbringen. Ich bin Fan von Speed, will weg von dem, was zuletzt gespielt wurde, das Passive. Wir wollen aktiv sein.”

Wie sieht Ihr Plan mit den Talenten aus?

“Die spielen in den Top-Linien, sie haben Powerplay-Zeit und Unterzahl-Zeit. Die musst du hineinschmeißen, die musst du spielen lassen. Die brauchen Eiszeit und Spiele in den Beinen, damit sie sich entwickeln können, dass sie den nächsten Schritt machen. Das ist das Ziel des Coaching-Staff, dass wir so viel wie möglich junge Spieler reinholen. Ich will, vier, fünf, sechs Junge in Spielen reinhauen. Lanzinger, Kromp, Wolf, Lahoda sind fixe Stützen bei mir. Man könnte sagen, wir spielen mit mehr Legionären, ich hole 14 Stück, aber das ist nicht die Idee, die wir in Villach haben.”

Wie sind Sie mit der Vorbereitung zufrieden?

“Es war nicht alles schlecht, es waren sehr gute Phasen dabei, wo wir das gespielt haben, was ich mir von der Mannschaft erwarte. Läuferisch sind wir auf einem sehr guten Niveau. Der Abschluss war noch nicht so rosig, da haben wir vielleicht ein bisschen zu kompliziert gespielt. Jeder wollte zu nett sein und dem neuen Spieler auflegen, statt selber den Abschluss zu suchen. Für mich ist sehr wichtig, dass ich Ausländer habe, die gewillt sind, mit jungen Spielern zu arbeiten. Junge Spieler wie Lanzinger und Kromp spielen mit zwei Ausländern. Es braucht Zeit und Geduld, aber der erste Schritt geht in die richtige Richtung.”

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Wie muss die Saison ausschauen, dass sie für Sie erfolgreich ist?

“Verletzungsfrei ist das Wichtigste. Dann stellt sich die Frage, wie schnell sich die Mannschaft entwickelt und zusammen findet, damit sie umsetzen kann, woran wir arbeiten. Wir haben viele neue Spieler, ein paar kommen aus passiven Systemen, einige aus sehr aggressiven Systemen, es dauert, bis jeder weiß, was der Trainer will. Auf die D-Zone (Verteidigung) legen wir sehr viel Wert.”

Was erwarten Sie als ehemaliger Verteidiger von Ihren Verteidigern?

“Mir ist wichtig, dass sich die Verteidiger hinten bewegen können. Unsere Idee vom Spiel ist Speed. Wir haben viele Spieler, die wirklich laufen können, da brauchen wir Verteidiger, die die Scheibe bewegen und nicht die Scheibe halten. Zwei Schritte und die Scheibe gehört gespielt.”

Sie haben den Trainer-Kurs des ÖEHV absolviert und sind dann nach Deutschland gegangen. Wie sehen Sie ihre Entwicklung?

“Deutschland war am Anfang reiner Zufall. In Heilbronn habe ich die Chance bekommen, sie haben gesagt, sie geben einmal einem kompletten Rookie das Kommando. Ich glaube, ich habe sie nicht enttäuscht. Ich bin ein junger Coach, sehe Sachen ein bisschen anders wie ein älterer Coach. Ich verstehe vielleicht noch ein bisschen mehr, wie Spieler ticken, weil ich noch vor ein paar Jahren selbst drin gesessen bin. Ich versuche die Jungs so zu coachen, wie ich gerne gecoacht worden wäre. Man lernt täglich und macht viele Fehler – die Frage ist, wie schnell lernt man. Ich hoffe, dass in Zukunft bei einer Pressekonferenz mehr Deutschsprachige da sind.”

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Sie sind der erste österreichische Cheftrainer zu Saisonbeginn seit 13 Jahren – Sehen Sie sich als Türöffner und Wegbereiter?

“Hoffentlich. Ich muss gute Arbeit machen, dass man sieht, dass auch Österreicher in der Lage sind, das zu machen.”

Sie haben selbst lange gespielt, gibt es für Sie ein Trainer-Vorbild?

“Darüber habe ich schon öfter nachgedacht, es ist schwierig zu beantworten. In der Karriere hatte ich vielleicht zwei, drei Trainer, wo ich wirklich sage, das waren Coaches, die mir getaugt haben. Aber einen Coach als Vorbild nehmen ist schwierig, weil du musst selbst authentisch sein. Die Spieler wissen nach zwei, drei Ansprachen, ob du Schauspieler bist oder ob das wirklich du bist.”

Wer waren die zwei, drei Coaches?

“Für mich war Ron Kennedy einer der Top-Leute. Und für mich als Villacher fällt es fast schwer, aber von (Ex-KAC-Trainer) Lars Bergström war ich sehr überrascht, als ich ihn im Nationalteam hatte, hat er mir auch sehr geholfen. Auch ein Rob Daum war einer, der sehr kompetent war. Bei diesen Trainern war das Rundum-Paket sehr gut.”

(Das Gespräch führte Stefan Grüneis/APA)

Artikelbild: GEPA