VIDEO: Talk & Tore mit G. Pangl, M. Kraetschmer, M. Fiala und A. Strecha

via Sky Sport Austria
  • Markus Kraetschmer: “Das Zeugnis gibt es immer am Ende einer Saison”
  • Georg Pangl: “Ein No-Go, dass der zweite Wiener Großklub nicht im Aufsichtsrat vertreten ist”
  • Alexander Strecha: “Irgendwie ist die Austria momentan nicht greifbar”
  • Michael Fiala: “Aus meiner Sicht sind in Österreich die großen Vereine zu oft hinten in der Liga”

Wien, 29.Oktober 2018. Zu Gast bei „Talk & Tore – Die Sky-Fußballdebatte” waren am Montag Vorstandsvorsitzender Austria Wien Markus Kraetschmer, Generalsekretär European Leagues Georg Pangl, Kurier-Journalist Alexander Strecha und 90minuten.at-Chefredakteur Michael Fiala. Hier einige Aussagen des von Thomas Trukesitz moderierten Live-Talks.

Markus Kraetschmer:

über einen möglichen dritten Europacup-Bewerb: “Es hat zwei Denkmodelle gegeben. Sehr schnell ist man darauf gekommen, die Champions-League in der jetzigen Form nicht verändern zu  wollen, natürlich auch aus monetären Überlegungen, aber die Europa-League entweder zu vergrößern oder eine zweite Europa-League einzuführen. Und jetzt geht es um die Geldthemen, die dahinterstehen. Was es letztendlich für Östereichs Klubs bedeutet, ob es mehr Startplätze gibt mit vielleicht weniger Startgeld, aber dafür mit mehr Perspektive, das werden die nächsten Monate zeigen. Wir sprechen über den Zyklus 2021 bis 2024. Wir sind als Österreich dort gut vertreten. Ganz pragmatisch betrachtet geht der Zug ganz klar in Richtung dieses dritten Bewerbes.”

über die Visionen von Autria Wien: “Es geht um die drei Bereiche Wirtschaft, Sport und Infrastruktur. Großartig, was Salzburg in den letzten Jahren geleistet hat, aber wir dürfen auch nicht vergessen, dass Red Bull 2005 eingestiegen ist und es auch lange gedauert hat bis sie dorthin gekommen sind wo sie heute sind. Sie haben von Beginn weg nicht nur ins neue EM-Stadion sondern auch ins Trainingszentrum, in die neue Akademie, in Liefering investiert. Da tragen sie jetzt die Früchte, wo die anderen auch aus finanziellen Gründen nicht mitkommen. Ich nehme für uns schon in Anspruch, dass wir eine klare, langfristige Strategie haben. Wir haben einfach nicht die Bank im Haus sondern müssen einen anderen Weg gehen. Wir haben im Sport vielleicht nicht diese langfristige Perspektive aufgebaut, wie sie in Salzburg kontinuierlich erarbeitet wurde.”

über die Arbeit von Trainer Thomas Letsch: “Wir haben Thomas Letsch im Frühjahr in einer schwierigen Situation geholt, wo er einen Kader übernommen hat, den er nicht beeinflussen konnte. Da haben wir mit ihm unter Berücksichtigung der Perspektive, was wir ihm Sommer tun wollen, das Gespräch geführt. Das Zeugnis gibt es immer am Ende einer Saison. Aber ich glaube schon, dass hier ein klarer Plan dahinter steht, der eben jetzt noch nicht dort ist, wo wir gehofft haben, dass er schon ist. Wenn wir ruhig und kontinuierlich weiterarbeiten, dann werden wir sehr gute Chancen haben, unsere Ziele zu erreichen.”

über den Zuschauerzuspruch in der neuen Generali-Arena: “Das Stadion sorgt nicht alleine dafür, dass es ausverkauft ist und sich der Erfolg einstellt. Wir haben einen klaren Stufenplan entwickelt, wo wir in einer ersten Phase über 10.000 Zuschauer kommen wollen, dann mit Europacup 11.000 bis 12.000 Zuschauer. Da sind wir mit einem aktuellen Schnitt von 10.700 voll auf Kurs. Es kommt noch das Derby und Salzburg.”

Georg Pangl:

über die Schere zwischen den Superreichen und den restlichen Klubs in Europa: “Wir reden über 3,3 Milliarden euro pro Jahr, die von der UEFA verteilt werden. Und wenn man weiß, dass die größten 15 Klubs aus den Erlösen von Medienrechten und neuen Medien mehr als dreimal soviel als die restlichen 700 Profiklubs in europa verdient haben, dann ist das einmal der Ausgangspunkt. Die UEFA teilt davon 2 Milliarden auf die 32 Klubs der Champions-League auf. Im Schnitt bekommen hier die zehn Top-Klubs wieder 100 Millionen Euro. Da wird diese Schere noch befeuert. Da wollen wir ein Gegenmodell anbieten. Das haben wir vor einer Woche in Frankfurt beschlossen. Wir sind nicht gegen den dritten Bewerb, wenn man Begleitmaßnahmen setzt und die heißen Solidaritätszahlungen.”

über Ideen zur Solidarisierung: “Die Top-5-Ligen verzichten künftig auf Solidaritätszahlungen aus dem Marketpool. Das Geld wird somit für die Entwicklung in den kleineren Ligen verwendet.”

über den neugewählten Aufsichtsrat der Bundesliga: “Ich würde mir als Bundesliga wünschen, dass Markus Kraetschmer trotzdem nach wie vor die eine oder andere Sitzung im Aufsichtsrat dabei ist. Genauso ist es für mich ein No-Go, dass der zweite Wiener Großklub nicht im Aufsichtsrat vertreten ist. Das ist meine distanzierte Perspektive.”

Alexander Strecha:

über mögliche weitere Gelder bei einer umgestalteten Klub-WM für die größten Klubs: “Unmoralisch. In Wahrheit geht es im Fußball nur ums Geld. Es ist eine Gratwanderung und dieser Grat wird immer dünner. Wenn man auf den Fan schaut stellt sich die Frage, ob man ihn nicht überfordert. Natürlich ist es big Business und jeder schaut auf sein Konto, aber ich weiß nicht ob es Sinn und Zweck ist, dass man beim Fan damit irgendwann einmal eine Sättigung erreicht.”

über die bisherigen Leistungen der Austria: “Mit dem Anspruch, mit dem sie in die Saison gegangen sind, ist es nicht zufriedenstellend. Es ist nicht desaströs, aber ich glaube schon, dass die Austria erwartet hat, besser positioniert zu sein. Irgendwie ist sie momentan nicht greifbar, wenn man es kulinarisch ausdrückt, nicht Fisch und nicht Fleisch. Es geht einen Schritt nach vor, dann wieder einen Schritt zurück. Ich bin überzeugt, dass die Trainer eine Idee haben, wie sie spielen lassen wollen. An der Umsetzung in der Mannschaft hapert es.”

Michael Fiala:

über die aktuelle Situation in der Bundesliga: “Aus meiner Sicht sind in Österreich die großen Vereine zu oft hinten in der Liga. Es gibt ein paar andere Vereine, die sehr gut arbeiten und das auch ausnützen. Die große Vereine scheitern daran, langfristig mit einer profunden Strategie, so wie es Salzburg vorzeigt, zu arbeiten.

über die Probleme in der Offensivabteilung der Austria: “Ich hoffe, dass die Austria nicht in die gleiche Richtung tendiert, wie es Rapid in den letzten Woche gemacht hat, wo sehr viel Druck auf die Spieler aufgebaut wurde. Das mag mit dem Sieg gegen die Admira vielleicht einen kurzfristigen Effekt gehabt haben, nur warne ich davor. Ich hoffe in diesem Sinne, dass er die Peitsche auch bei sich selbst anwendet. Das große Problem bei der Austria ist aus meiner Sicht, dass sie im letzten Drittel zu wenige Chancen kreieren. Und da ist neben den Spielern auch der Trainer gefordert, sich zu überlegen, wie man dieses Problem löst.”