Vincent Kriechmayr: „So bin ich noch nie gefahren“

Vincent Kriechmayr hat seine Favoritenrolle bestätigt und am Donnerstag in Cortina d’Ampezzo WM-Gold im Super-G erobert. Der 29-jährige Oberösterreicher siegte in 1:19,41 Minuten sieben Hundertstelsekunden vor dem nun für Deutschland startenden Tiroler Romed Baumann. Bronze ging an den Franzosen Alexis Pinturault (+0,38 Sek.). 

Vincent Kriechmayr (AUT/Gold): „Ich habe mir die Startnummern 1, 2, 3 angeschaut, alle raus. Das war keine einfache Situation. Ich wusste, es ist eine schwierige Passage. Ich habe beim Sprung schon angestellt. Das waren hundert Meter Drift, ich bin noch nie so im Leben gefahren, das hat heute ganz gut funktioniert. Das macht den Sport aus, dass man im Super-G hin und wieder improvisieren muss. Ich war heilfroh, dass ich es so gut überstanden habe. Es ist unten ziemlich eng geworden mit Romed.“

Werbung

Romed Baumann (GER/Silber): „Am Ende der Topgruppe wusste ich, das war ein cooler Lauf. Es war zum Teil taktisch zu fahren, man hat nicht sinnlos riskieren dürfen. Im unteren Teil wusste ich, ich habe Stärken im Flachen und wenn es so ein welliges Gelände ist. Es ist eine unglaubliche Geschichte. Es ist alles leicht von der Hand gegangen und hat Spaß gemacht.“

Alexis Pinturault (FRA/Bronze): „Das war heute sehr schwer, sehr kompliziert, da musste man ein bisschen intelligent fahren. Ich habe mich nicht so gut gefühlt. Ich bin sehr zufrieden, dass ich auf dem Podest bin.“

Matthias Mayer (AUT/6.): „Ich habe auf jeden Fall zu viel rausgenommen, bin über den Sprung schon mit Vorsicht drübergefahren. Da habe ich die Zeit verloren. Wenn jeder so gefahren wäre, wie es nach der Besichtigung aussah, wären wir alle draußen gestanden wie die ersten drei. Man musste komplett ändern, musste mehr von der Geschwindigkeit reduzieren. Vinc hat es super erwischt. Das hat er sich richtig verdient.“

Werbung

Christian Walder (AUT/ausgeschieden): „Ich würde nicht sagen, dass der Kurs ein Scheiß ist. Man hätte da mit ein bisserl mehr Hirn fahren müssen, wie das Vinc gemacht hat. Das habe ich mit der Eins nicht gewusst. Das zipft mich an. Ich habe mir viel vorgenommen, ich habe mich gut gefühlt, es ist leider scheiße gelaufen.“

Max Franz (AUT/ausgeschieden): „Der Fehler war vier Tore oberhalb, ich habe mich über den Hang nicht mehr erfangen. Schade, es hat mir heute richtig gut gefallen. Ich bin oben gut weggefahren. Man hat bei der Besichtigung gesehen, dass es eine schwierige Passage wird. Dass der Sprung so weit geht und Tempo so hoch ist, da haben wir uns alle ein bissl getäuscht. Man muss es fahren können, ich habe zu viel riskiert. Vinc ist es sauber gefahren.“

Andreas Puelacher (ÖSV-Cheftrainer Herren): „Das war ein schwieriges Rennen, diesen Sprung hat jeder unterschätzt. Wir haben schon gesehen, dass es relativ schwer gesetzt ist. Aber dass es natürlich mit dem Tempo (…) so schwierig wird, mit dem haben wir nicht gerechnet. Das haben auch wir Trainer unterschätzt. Natürlich sind dann die Funkgeräte heiß gelaufen. Das musste man taktisch fahren heute, denn alle, die probiert haben, das voll zu fahren wie Walder am Anfang, die haben keine Chance gehabt. Nach den Ausfällen haben wir sehr gut reagiert und Vincent die Anweisungen sehr gut umgesetzt. Er ist gereift über die Jahre. Auch Vinc selbst hat ja gewusst, dass er der Topfavorit ist (…). Und dass er das so runtergebracht hat, Hut ab. Er hat die Anweisungen der Trainer, die da oben gestanden sind, super umgesetzt und darum auch Gold geholt.“

Romed Baumann (WM-Zweiter, der 2019 im ÖSV nicht mehr erwünscht war und nun für Deutschland startet): „Ich war ganz unten, sportlich gesehen. Jetzt bin ich fast ganz oben.“

(APA) / Bild: GEPA