Vor Duell mit Sociedad: Sturm-Tief in Graz

Christian Ilzer und Mathias Berthold sind als Grazer Krisenmanager gefordert. Der Cheftrainer und der Mentalcoach sahen am Sonntag ein Heim-0:3 gegen den WAC und eine Sturm-Mannschaft, die nach einem fast eineinhalbjährigen Höhenflug endgültig in ihrer ersten Ergebniskrise angekommen ist. Das Selbstverständnis und die Überzeugung an den eigenen Power-Fußball der ersten Runden sind vor dem Europacup-Abenteuer gegen einen „Überriesen“ verschwunden.

Vor dem Gastspiel beim spanischen Topclub Real Sociedad am Donnerstag (ab 18:00 Uhr live und exklusiv auf Sky Sport Austria 1 – Streame alle Europacup-Spiele mit dem SkyX-Traumpass) hat Sturm sechs der jüngsten sieben Spiele verloren. Ein „Spiegelbild der jetzigen Situation“, sah Ilzer am Sonntag, „in der uns nichts leicht von der Hand geht“. Es komme derzeit vieles zusammen. „Es ist eine Spirale nach unten, die wir durchbrechen müssen. Eine Sache, die sich viel im Kopf abspielt. Wenn ich meinen Spielern ins Gesicht schaue, dann sehe ich keine Entschlossenheit, sondern Zögerlichkeit.“

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Symbolträger dafür gibt es in Graz derzeit zuhauf. Als erster drängt sich – allein schon wegen seines Eigentors zum 0:2 – der seit Wochen seiner Form nachlaufende Verteidiger Dante auf. Oder Torjäger Kelvin Yeboah, der seit mittlerweile sieben Pflichtspielen ohne Tor fast nur noch mit dem Kopf durch dichte Abwehrmauern will. Oder Anderson Niangbo, der als Stürmer-Ersatz verpflichtet plötzlich Spielmacher Otar Kiteishvili vertreten soll. Oder Goalie Jörg Siebenhandl, der nach Monaten als Konstante zuletzt ein paar Mal patzte und damit den ganzen Abwehrverbund verunsicherte.

Die Highlights von Sturm Graz – Wolfsberger AC

Am Donnerstag wartet im Baskenland ein Club, der in Spanien erst einmal verlor und Tabellenführer ist. Am Sonntag verspielten die Blau-Weißen im Derby gegen Athletic Bilbao zwar mit einem Mann mehr eine Führung und erreichten nur ein 1:1-Remis, dennoch steht die Mannschaft von Trainer Imanol Alguacil mit einem Punkt Vorsprung auf Real Madrid an der Spitze von LaLiga.

Ilzer hofft auf eine Art Trotzreaktion seiner Spieler – und formulierte das Mantra gleich vor: „Ich lehne mich gegen diesen Überriesen auf und zeige, dass etwas ganz anderes in mir drinnen steckt.“ Man wolle mit Zuversicht das Flugzeug besteigen, sagte der Sturm-Trainer. „Ich erwarte mir keine Perfektion. Aber ich möchte sehen, wie wir in schwierigen Phasen reagieren. Da kann ich sehr genau sehen, wer ein absoluter Winnertyp ist und bereit für große Spiele ist.“ Den nun notwendigen (Zweck-)Optimismus versuchte Ilzer am Sonntagabend gleich vorzuleben. „Wir kommen da raus. Hart zu sich selbst sein steht in unserem Leitbild.“

Sein Team spielte gegen den WAC nicht wirklich schlecht, war in den meisten Phasen sogar überaus dominant. 19:2 Torschüsse, 10:1 Corner, aber 0:3 in Toren schilderte die Statistik aus. „Es kommt letztendlich drauf an, wie man hinschießt“, hielt Siebenhandl korrigierend fest. Der Grazer Goalie diagnostizierte auf Sky eine sich selbst „hemmende“ Mannschaft. Als Tabellenzweiter stehe man nach wie vor gut da. „Es liegt nur an uns, dass wir jetzt nach vorne marschieren, gierig sind und dem Gegner keine Chancen lassen.“ Gregory Wüthrich betonte: „Wir brauchen einfach ein Erfolgserlebnis, dass auch wieder das Selbstvertrauen zurückkommt.“

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Fast keine Chancen brauchte am Sonntag der heraneilende WAC. „Ich weiß, dass die Statistik in allen Bereichen für Graz spricht, aber wir waren eben sehr effektiv. Geholfen hat auch unser Zusammenhalt und unser Selbstvertrauen“, sagte Robin Dutt. Das 3:0 war schon der fünfte Pflichtspielsieg in Folge für die nur noch zwei Punkte hinter Sturm liegenden Kärntner. Darauf sagte Michael Liendl, der Torschützen zum sehenswerten 1:0: „Wir greifen nach den Sternen, ganz klar.“

Nach Anlaufschwierigkeiten wird Dutts Handschrift – eine im Vergleich zu Vorjahren kontrolliertere Spielanlage – immer klarer. „Ich habe stets versucht, Ruhe auszustrahlen und eine klare Spielidee zu entwickeln. Das wird in jedem Training betont.“ Der erfahrene Deutsche hat sich in Kärnten eingelebt. „Die Lebensqualität in Wolfsberg ist bombig, das habe ich ansatzweise so nur in Freiburg erlebt.

https://www.skysportaustria.at/naechstes-liendl-traumtor-wac-entfuehrt-drei-punkte-aus-graz/

(APA) / Bild: GEPA