Vor Verhandlungsstart: Investoren-Deal in Deutschland sorgt für Gesprächsstoff

Drei Geldgeber haben das Portemonnaie gezückt, die heiße Phase des Milliardenspiels soll im Jänner beginnen – doch die Fragezeichen hinter der Investoren-Entscheidung des deutschen Profifußballs werden kurz vor dem Start der entscheidenden Verhandlungen nicht kleiner. Die Kritiker sind kaum zu überhören, eine juristische Auseinandersetzung scheint möglich, die Anhänger laufen innerhalb wie außerhalb der Stadien Sturm.

Am deutlichsten positioniert sich das Fanbündnis Unsere Kurve. Die Gruppierung hält die Abstimmung vom 11. Dezember für ungültig und fordert ein neues Votum. „Das Zustandekommen des Beschlusses erschüttert den deutschen Fußball in seinen Grundfesten, der 50+1-Regel“, so die Vereinigung: „Allem Anschein nach kamen die benötigten Stimmen nur zusammen, weil Martin Kind entgegen der verbindlichen Weisung des Muttervereins dafür gestimmt hat.“ Es gebe deshalb nur „eine korrekte“ Option: „Eine Wiederholung der Abstimmung, und zwar nicht mehr geheim.“

Investoren-Einstieg mit 24 von 36 Stimmen genehmigt

Der Investoren-Einstieg in Deutschland war bei der Versammlung der 36 Erst- und Zweitligisten exakt mit der notwendigen Zweidrittel-Mehrheit von 24 Stimmen durchgewunken worden. Zwar hat Kind eine Offenlegung seines Abstimmungsverhaltens bisher verweigert, der Geschäftsführer der Niedersachsen hat aber mutmaßlich entgegen der Anweisung seines Vereins zugestimmt. Ohne diese Stimme wäre das Ergebnis gekippt. Nach Ansicht von Unsere Kurve werde die 50+1-Regel damit offenkundig „verhöhnt“.

Wie die Fan-Gruppierung haben auch der Bonner Jura-Professor Alexander Scheuch sowie dessen Wissenschaftliche Mitarbeiter Svenia Hesse und Benedikt Fischer Bedenken hinsichtlich der Rechtmäßigkeit der Abstimmung. Vor allem die Haltung der Deutschen Fußball Liga (DFL), die sich mit dem Verweis auf eine reine Auseinandersetzung im Binnenverhältnis von Hannover 96 aus der Affäre ziehen will, wird von den Juristen hinterfragt.

DFB-Beschluss womöglich nichtig

Schließlich hat der Ligaverband den Streit zwischen Kind und dem Mutterverein gekannt. „Soll man sich unter solchen Umständen darauf berufen können, man habe einen möglichen Weisungsverstoß Kinds unter der Augenbinde der geheimen Wahl nicht beobachten können? Einiges spricht dafür, die selbstgewählte Unwissenheit der Kenntnis gleichzusetzen“, schrieben die drei Wissenschaftler in einem Gastbeitrag für die FAZ.

Die Juristen stellen eine ungültige Abstimmung in den Raum, weil die 50+1-Regel verletzt worden sei: „Der Gedanke liegt deshalb nicht fern, dass Stimmen, die nur infolge eines Verstoßes gegen diese Satzungsregel abgegeben werden konnten, nicht mitgezählt werden dürfen.“ Deshalb bestehe „allemal ein reales Risiko, dass der im Ligaverband gefasste Beschluss nichtig“ ist. Die „unterlegenen Klubs könnten versuchen, dies per Klage feststellen zu lassen.“

Die juristischen Fragezeichen, die Ablehnung der Fans und die Kritik von Gegnern wie Präsident Dirk Zingler von Union Berlin („Wir haben gegen diese Art des Investoren-Deals gestimmt, weil wir ihn nicht gut für die Liga finden“), könnte die bevorstehenden Verhandlungen belasten.

Drei Finanzinvestoren wollen Tochtergesellschaft der DFL kaufen

Angeblich sind die drei Finanzinvestoren EQT, Blackstone und CVC noch im Rennen. Sie wollen Anteile einer DFL-Tochtergesellschaft, in welche die kompletten Medienrechte ausgelagert werden, für 20 Jahre kaufen. Laut Handelsblatt wollen sowohl Blackstone als auch CVC acht Prozent der Anteile erwerben, EQT biete für 7,9 Prozent. Blackstone wolle 950 Millionen Euro zahlen, EQT und CVC jeweils eine Milliarde.

Der Deal soll bis Ende März in trockenen Tüchern sein – vielleicht beschäftigt er dann aber auch die Gerichte.

(SID/Red.)

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