Vorschau auf die Stanley-Cup-Playoffs: Western Conference
In der NHL geht es in die heiße Phase! Am heutigen Montag ist der offizielle Start der Stanley-Cup-Playoffs. Alle Erstrunden-Paarungen in der Eastern- und Western Conference stehen fest, Sky-Redakteur Mathias Blaas hat alle 16 Postseason-Teilnehmer analysiert. Sowohl im Osten als auch im Westen kommt es in der ersten Runde zu brisanten Duellen.
In der Western Conference könnte das Duell der Colorado Avalanche gegen die Seattle Kraken viel Entertainment bieten. Einerseits sind die „Avs“ der amtierende Champion, müssen aber auf wichtige Leistungsträger verzichten. Andererseits stehen die Kraken erstmals in ihrer erst zweijährigen Franchise-Geschichte in der Postseason. Ob Marco Rossi im Kader der Minnesota Wild stehen wird, ist noch offen.

Vegas Golden Knights – Winnipeg Jets
Die Vegas Golden Knights konnten sich nach einer enttäuschenden Saison 2021/22 in diesem Jahr wieder für die Playoffs qualifizieren. Das Team von Head-Coach Bruce Cassidy sicherte sich den ersten Rang in der Pacific Division. Mit 111 Punkten war Vegas in der regulären Saison das beste Team in der Western Conference.
Jack Eichel war mit 66 Punkten der Topscorer des Teams vor Chandler Stephenson (65 Punkte) und Jonathan Marchessault (57 Punkte). Der Kader der Golden Knights ist das Paradebeispiel für Tiefe, denn zwölf Spieler haben mehr als zehn Tore erzielt. Die Mannschaft war im Grunddurchgang schwer auszurechnen und beeindruckte mit einer guten Balance zwischen Offensive und Defensive.
Eine Schwachstelle des Teams war das Unterzahlspiel. Das Penalty Kill von Vegas hatte nur eine Erfolgsquote von 77,4%, ein unterdurchschnittlicher Wert für ein Playoff-Team. Ein entscheidender Faktor könnte in der Postseason die Torwart-Position werden: Die Golden Knights haben sich vor der Trade Deadline mit dem erfahrenen Jonathan Quick verstärkt. Neben dem 37-Jährigen stehen noch Logan Thompson, Adin Hill und Laurent Brossoit zur Verfügung, die in der regulären Saison mehrmals eingesetzt wurden.

Weniger umstritten ist die Tormann-Position bei den Winnipeg Jets. Connor Hellebuyck ist wohl der Hauptverantwortliche, dass die Kanadier überhaupt bis zum Schluss nicht unter die Playoff-Linie gerückt sind.
Die Jets zogen als zweite Wildcard mit Ach und Krach in die Postseason ein. Das Team geriet vor allem im Saisonfinish stark unter Druck, auch die Stars der Mannschaft wurden kritisiert. Topscorer war Kyle Connor (80 Punkte) vor Josh Morrissey (76 Punkte) und Mark Scheifele (68 Punkte).
Die Offensivwerte von Winnipeg sind waren in der Regular Season mittelmäßig. Nur 246 Tore erzielte das Team von Head-Coach Rick Bowness. Das Power Play (19,3%) kam NHL-weit auf den zehntschlechtesten Wert. 82,4% im Penalty Kill und nur 224 Gegentore können sich allerdings sehen lassen, in beiden Kategorien zählten die Jets zu den zehn besten Mannschaften der Liga.
Um in den Playoffs eine Überraschung schaffen zu können, ist Winnipeg von einer Spitzenleistung von Goalie Hellebuyck abhängig. Der Kanadier führte die Jets im Grunddurchgang mit einer Fangquote von 92% und einem Gegentorschnitt von 2,49 zu 37 Siegen. Ergebnisse in der Regular Season: (Drei Siege Vegas, einer davon in Overtime)
Edmonton Oilers – Los Angeles Kings
Die Edmonton Oilers waren im Grunddurchgang das offensivstärkste Team der NHL. Die Mannschaft aus Kanada erzielte eindrucksvolle 325 Tore. Einen großen Beitrag dazu leistete Connor McDavid, der mit 64 Toren bester Torschütze der Saison war und als erster Spieler seit etwa 30 Jahren die 150-Punkte-Marke knackte (153).
Zusammen mit seinem kongenialen Partner Leon Draisaitl aus Deutschland war der 25-jährige McDavid auch dafür verantwortlich, dass die Oilers mit einer Erfolgsquote von 32,4% das beste Power Play der Liga stellten. Wenn Edmonton diese Quote in der Postseason aufrechthalten kann, wird der Weg ins Stanley-Cup-Finale im Westen wohl nur über die Oilers führen.
Schwachstelle der Mannschaft war die ganze Spielzeit lang die Defensive. Das Penalty Kill belegte mit einem Wert von 77% nur den 20. Platz und 256 Gegentreffer sind zu viele für ein Spitzenteam. Die Abwehr ist auch nach der Trade Deadline nicht überragend besetzt, obwohl Neuzugang Mattias Ekholm die Defensive etwas stabilisieren konnte.
Ein weiteres Fragezeichen vor den Playoffs ist die Tormannposition. Sowohl Jack Campbell als auch Stuart Skinner sind unerfahren. Letzterer ist sogar ein Rookie, dürfte in den ersten Partien der best-of-seven-Serie gegen Los Angeles sogar die Nase vorne haben.

Die LA Kings erreichten in der Saison 2022/23 zum zweiten Mal in Serie die Playoffs. Ohne große Superstars, aber mit einem guten Mix aus Alt und Jung, spielte das Team aus Kalifornien eine solide Regular Season.
274 Tore erzielten die Kings, das ist der zehntbeste Wert der NHL. Mit 254 Gegentoren landete die Mannschaft auf Rang 16. Mit 74 Punkten war der slowenische Routinier Anze Kopitar einmal mehr der Topscorer, dahinter kamen der Schweizer Kevin Fiala und Adrian Kempe auf 72 und 67 Scorerpunkte. Insgesamt elf Spieler erzielten mehr als zehn Tore.
In der Verteidigung war Drew Doughty im Grunddurchgang noch immer der große Leistungsträger. Ähnlich wie Kopitar in der Offensive war der 33-Jährige an der blauen Linie unverzichtbar für Los Angeles. Nach dem Trade, bei dem Franchise-Ikone Jonathan Quick bei den Vegas Golden Knights landete, hüteten Joonas Korpisalo und Phoenix Copley das Tor der Kings. Ersterer wird in den Playoffs wohl der Vorzug erhalten.
Wie bereits im vergangenen Jahr kommt es für die LA Kings in der ersten Playoff-Runde zum Duell mit den Edmonton Oilers. Im letzten Jahr setzten sich die Kanadier in sieben Spielen durch. Ergebnisse in der Regular Season: (Zwei Siege Edmonton – Zwei Siege Los Angeles)
Colorado Avalanche – Seattle Kraken
Titelverteidiger Colorado Avalanche haben die Central Division in der NHL im letzten Moment gewonnen und peilen nun einen weiteren Stanley-Cup-Erfolg an.
Eine Hiobsbotschaft gab es für Colorado bereits vor Playoff-Start: Kapitän Gabriel Landeskog, der bereits im Grunddurchgang fehlte, kann auch in der Postseason verletzungsbedingt nicht eingesetzt werden. Zumindest in der Regular Season hat die Offensive der Avalanche um Nathan MacKinnon (111 Punkte) und Mikko Rantanen (105 Punkte) den Ausfall des Leistungsträgers gut kompensieren können.
Im Punkto Kadertiefe war Colorado in diesem Jahr allerdings nicht so gut aufgestellt wie beim Titelgewinn im Vorjahr. Hinter MacKinnon und Rantanen fehlten Head-Coach Jared Bednar in der regulären Saison oft die Alternativen, ein Spieler wie Nazem Kadri wurde vermisst.
Um die Defensive muss sich Colorado wohl keine Sorgen machen. Superstar Cale Makar ist fit für die Playoffs, neben ihm gibt es mit Devon Toews, Bowen Byram und Samuel Girard mehr als genug gute Verteidiger. Im Tor absolvierte Neuzugang Alexandar Georgiev eine solide Saison und führte die „Avs“ zu 40 Siegen. Georgiev hat allerdings wenig Playoff-Erfahrung und muss zeigen, dass er ein Team als Starter zum Erfolg führen kann. Backup Pavel Francouz bewies im letzten Jahr, dass er in der Postseason verlässlich sein kann.

Die Seattle Kraken haben in der zweiten Saison ihrer Franchise-Geschichte erstmals den Einzug in die Playoffs geschafft. Das Team von Head-Coach Dave Hakstol steigerte sich im Gegensatz zum Vorjahr um 40 Punkte und brachte es auf 100 Zähler sowie den ersten Wildcard-Rang im Westen.
Im Kader von Seattle gibt es keine Superstars. Die Mannschaft lebte in der regulären Saison von der Kaderbreite, denn 13 Akteure erzielten mehr als zehn Tore. Bester Scorer war Jared McCann mit 70 Punkten und 40 Toren, ihm trauern viele Fans in Pittsburgh, wohl zurecht, nach. Zu überzeugen wusste auch Rookie Matty Beniers (57 Punkte), der nun der große Favorit auf die Calder Trophy ist.
Generell war die Offensive der Kraken im Grunddurchgang stark. 289 Tore waren der viertbeste Wert in der NHL. Weniger gut sahen die Special-Teams-Statistiken aus. 19,8% im Power Play und 76,7% im Penalty Kill waren deutlich zu wenig, um mit den Topteams mithalten zu können.
Auf der Torwartposition setzte Seattle im Grunddurchgang auf den Deutschen Philipp Grubauer und Martin Jones. Der 31-jährige Grubauer brachte es auf 17 Siege und eine Fangquote von 89,5%, sein Kollege gewann 27 Spiele und erreichte eine Fangquote von 88,7%. Ob Grubauer gegen seinen Ex-Klub in der ersten Runde zwischen den Stangen stehen wird, ist noch nicht klar.
Unter dem Strich haben die Colorado Avalanche die stärkere Mannschaft. In der Postseason müssen die „Avs“ aber eine Schippe drauflegen, um erneut den Stanley Cup zu gewinnen. Ergebnisse in der Regular Season: (Ein Sieg Colorado im Shootout – Zwei Siege Seattle, einer davon in Overtime)
Dallas Stars – Minnesota Wild
Die Dallas Stars waren über weite Strecken der Saison das dominanteste Team der Central Division, im Endspurt musste das Franchise aus Texas ersten Platz noch abgeben.
Mit 281 erzielten Treffern zählte Dallas zu den stärksten Offensivteams der NHL. Während die Stars in dieser Kategorie den achten Rang belegten, waren sie mit 215 Gegentoren sogar die drittbeste Defensiv-Mannschaft der Liga. Sowohl das Power Play als auch das Penalty Kill überzeugte im Grunddurchgang ebenso, in beiden Statistiken war Dallas ein Top-fünf-Team.
Der neue Superstar der Texaner heißt Jason Robertson. 109 Punkte erreichte der 23-Jährige, zusammen mit Veteran Joe Pavelski und Roope Hintz bildete er die erste Angriffsreihe. Positiv in Erscheinung trat auch Kapitän Jamie Benn, der mit 78 Punkten zweitbester Scorer der Stars war.
Im Grunddurchgang verfügte Dallas stets über eine zuverlässige Defensive. Miro Heiskanen ist der Star in der Abwehr, der Finne kam auf 73 Scorerpunkte. Alle sechs Verteidiger der Stars haben in der regulären Saison aber dazu beigetragen, dass so wenige Gegentore kassiert wurden.
Der Starter-Goalie Jake Oettinger war in dieser Spielzeit ebenso sehr zuverlässig. Der 24-Jährige kam in 62 Matches zum Einsatz und gewann 37 davon. Der Gegentorschnitt von 2,37 sowie die Fangquote von 91,9% können sich ebenfalls sehen lassen.

Die Minnesota Wild sind seit ihrer Gründung im Jahr 2000 nicht dafür bekannt, ein erfolgreiches Playoff-Team zu sein. Minnesota spielte allerdings eine zufriedenstellende Regular Season und fordert in der Postseason die Dallas Stars in der ersten Runde zum Tanz auf.
In der Offensive waren die Wild auch in dieser Saison abhängig von Kirill Kaprizov. Der Russe kämpfte in der aktuellen Spielzeit mit Verletzungen und kam nur 67-mal zum Einsatz, dabei gelangen ihm 75 Punkte. Mats Zuccarello (67 Punkte) und Matt Boldy (63 Punkte) waren die nächstbesten Scorer.
Minnesota war mit 239 erzielten Toren nur auf Rang 23 in der NHL. Ohne die gute Defensive, die nur 219 Gegentreffer zuließ, hätte es das Franchise des Österreichers Marco Rossi niemals in die Playoffs geschafft. Die Hintermannschaft um Kapitän Jared Spurgeon und Matt Dumba waren im Penalty Kill mit 82% sehr erfolgreich.
Dahinter zeigten die Tormänner Marc-Andre Fleury und Filip Gustavsson starke Leistungen. Routinier Fleury konnte eine Fangquote von 90,8% vorweisen, Gustavsson sogar 93,1%. In der Postseason dürfte der erfahrene Fleury allerdings die Nase vorne haben.
Für den Vorarlberger Rossi wird es schwierig werden, in den Playoffs einen Platz im Line-Up von Head-Coach Dean Evason zu finden. Der 21-jährige Center brachte es in der regulären Spielzeit auf 19 Einsätze und einen Assist. Ergebnisse in der Regular Season: (Zwei Siege Dallas – Zwei Siege Minnesota, beide im Shootout)
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Beitragsbild: Imago
