‘Was nun, Franco Foda?’ – ein Kommentar von Martin Konrad

von Martin Konrad

Wird Foda zum Löw?

Der schlechteste Start in eine Endrunden-Qualifikation seit fast 30 Jahren hat für ein Stimmungstief beim österreichischen Nationalteam gesorgt. Viele Szenarien wurden vor dem Auftakt zur Qualifikation für die EURO 2020 besprochen –  in keinem waren aber Niederlagen gegen Polen und in Israel enthalten. Die Enttäuschung ist riesig:

0 Punkte nach 2 Spielen, 4 Punkte hinter Platz 2…und trotzdem kann sich das ÖFB-Team weiterhin aus eigener Kraft qualifizieren und sogar schon nach dem nächsten Doppeltermin in der Gruppe G im Juni auf einem Quali-Platz sein – Siege gegen Slowenien und Nord-Mazedonien sind dafür Pflicht!

Aber kann das mit Spielern gelingen, denen „Mentalität und Leidenschaft“ fehlen, wie es ein sichtlich gezeichneter Teamchef Franco Foda nach dem 2:4 in Haifa bemängelt hat?

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Was nun, Franco Foda?

Konsequenzen beim Spielerpersonal fordert ÖFB-Präsident Leo Windtner und schlüpft damit in die Rolle des Teamchefs. Dass Foda nahezu allergisch auf Zurufe von Funktionären und Sportdirektoren reagiert, können viele Sturm Graz-Präsidenten und Geschäftsführer aus ihrer eigenen Erfahrung mit dem Sturm-Trainer Foda erzählen. Ein Mosaikstein für Fodas Erfolge beim SK Sturm war sehr oft seine teilweise nibelungenhafte Treue zu „seinen“ Spielern! Trotz Kritik im Umfeld hat Foda während einer Saison gerne auf Kontinuität und Vertrauen gesetzt.

2019 ist für Foda aber eine neue Situation: Foda weiß, dass er im Juni „liefern“ muss; er aber im Unterschied zu einem Klubtrainer seine Spieler erst wieder in 10 Wochen Anfang Juni sehen wird; er daher „Mentalitäts-Spieler“ benötigt, die auch nach einer langen Saison im Juni bereit sind, 100% für das Nationalteam zu geben!

Es ist daher nicht unwahrscheinlich, dass Foda ebenso wie sein ehemaliger Trainer beim VfB Stuttgart unpopuläre Entscheidungen trifft: Joachim Löw hat als DFB-Teamchef vor wenigen Wochen einige erfahrene und verdiente Spieler aus dem Teamkader eliminiert und auf „frisches Blut“ gesetzt! Ein Risiko gewiss, andererseits haben die beiden Spiele des ÖFB-Teams gezeigt, dass auf allen Positionen nachjustiert werden könnte.

Kader-Auffrischung ist möglich

Auswahl hat der Teamchef genug: In seinem aktuellen Kader waren etwa Laimer zweimal und Lainer einmal nur Ersatz. Die beiden sowie die „LASK-Aufsteiger“ Goiginger und Trauner könnten mit ihrem „Leidenschafts-Gen“ die vorhandenen Mentalitäts-Lücken schließen.

Und zudem stehen die aktuell verletzten Spieler Burgstaller, Gregoritsch, Lienhart und Wolf im Juni auch wieder zur Verfügung.

Nur auf einen Hoffnungsträger muss Franco Foda auch bei den nächsten Spielen verzichten: Ashley Barnes. Der Wille und Einsatz, die Robustheit und Schnelligkeit des Briten mit österreichischen Wurzeln hätten der rot-weiß-roten Nationalmannschaft enorm geholfen!

Mit seiner Einbürgerung hätte der ÖFB-Präsident seinen Teamchef wesentlich mehr unterstützt als mit seinen Aussagen nach dem missglückten EM-Qualifikations-Auftakt. Nicht nur die ÖFB-Spieler haben ein Mentalitäts-Problem!

(Martin Konrad)

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