Weißhaidinger: „Wir haben in der Ideenkiste gekramt“
Trainer Gregor Högler würde ihn vor der Qualifikation bei den Olympischen Spielen am Montag am liebsten irgendwo einsperren und Sprechverbot erteilen, erzählte Lukas Weißhaidinger bei einem Medientermin in Paris. Als er noch reden durfte. „Emotionen und Adrenalin hat man nicht unendlich, sondern nur in einem gewissen Maß. Das macht also durchaus Sinn“, sagte der EM-Zweite im Diskuswurf, der sich bei einem Finaleinzug am Mittwoch die zweite Olympiamedaille erkämpfen will.
Immer wieder bleiben Favoriten in der Qualifikation hängen, das weiß auch Weißhaidinger, der lieber Mal vom „worst case“ ausgeht, also dass er alle drei Versuche für den Aufstieg brauchen wird. „Der Plan ist, es mit dem ersten Versuch zu schaffen. Aber wer mich kennt, weiß, ich brauche einen zweiten und dritten.“ Gelost wurde er in die erste Gruppe um 10.10 Uhr mit Startnummer neun.
Wenn er drei Würfe brauche, werde ihn das auch nicht aus der Ruhe bringen. „Ich will nicht glorreich durchkommen, sondern einfach durchkommen. Im Unterbewusstsein ist das eine Quali, da kann man nichts gewinnen.“ Wünschen würde er sich „nicht als Erster, nicht als Zwölfter“ in das Finale einzuziehen. Mit 66 m ist man direkt qualifiziert, das schaffen in der morgendlichen Session für gewöhnlich die wenigsten, das Feld wird für das Finale auf zwölf aufgefüllt.
Der Weltrekordler und EM-Dritte Mykolas Alekna aus Litauen, Europameister Kristjan Čeh aus Slowenien, Tokio-Olympiasieger und Budapest-Weltmeister Daniel Ståhl aus Schweden sowie der Australier Matthew Denny sind die größten Konkurrenten von Weißhaidinger um Edelmetall. „Ich bin der Überzeugung, dass ich mich in der Form meines Lebens befinde“, berichtete der Oberösterreicher.
Dafür sei in den vergangenen Wochen noch ausreichend „Fine-Tuning auf höchstem Niveau“ betrieben worden. „Das nimmt sehr viel Zeit in Anspruch. Wir haben in der Ideenkiste gekramt und geschaut, was es braucht, dass der Diskus noch besser in der Luft liegt.“
Beim Hengelo-Wettkampf (Dritter) Anfang Juli habe man die Technik nochmals überprüft, es sei sehr gut gelaufen und ein „positiver Unterschied zur EM“ zu bemerken. „Ich habe geschaut, dass ich körperlich in der Lage bin, über 69 zu werfen. Das wird man im Finale brauchen.“ Außerdem wurde ein mögliches Regenszenario simuliert und die Regenschuhe getestet. Sowie die Situation durchgespielt, wenn es in der Qualifikation auf Versuche drei ankommt und wie man regiert, wenn man im Finale kontert und danach gekontert wird.
Auf das ausverkaufte Stade de France, das er vom Balkon im Olympischen Dorf aus sehen kann, freut sich Weißhaidinger. Betreten wird er es bewusst erst für die Qualifikation. „Das Stadion ist bummvoll, am Morgen und am Abend. Ich will das für den Tag X aufsparen. Ich kann mich nicht ablenken lassen, muss das Adrenalin, die Anspannung hochhalten. Es sind Olympische Spiele, das ist das wichtigste Ereignis der Welt.“
Die Unterstützung von daheim wird groß sein, Weißhaidinger hat Weihnachtsgeschenke in Form von Tickets verschenkt. „Es wird cool, wenn du ins Stadion kommst und dir österreichische Fans zuwinken. Aber wenn der Wettkampf beginnt, muss es ähnlich sein wie in Tokio. Sprich den Tunnelblick aufsetzen und sich auf das Wesentliche konzentrieren. Und erst nach dem Wettkampf wieder nach oben in die Ränge schauen“, sagte der Olympiadritte von vor drei Jahren.
(APA) / Artikelbild: GEPA
