BELFAST,NORTHERN IRELAND,10.OCT.20 - SOCCER - UEFA Nations League, OEFB international match, Northern Ireland vs Austria, preview, training team AUT. Image shows president Leo Windtner (OEFB). Photo: GEPA pictures/ Philipp Brem

Windtner: “Man muss sich um den ÖFB keine Sorgen machen”

via Sky Sport Austria

ÖFB-Präsident Leo Windtner hat sich das Jahr 2020 anders vorgestellt. Anstatt dem Nationalteam bei der EM die Daumen zu drücken, war der 70-Jährige vor allem damit beschäftigt, den heimischen Fußball gut durch die Pandemie zu navigieren. Im Gespräch mit der APA machte sich der Oberösterreicher nicht nur über die Corona-Auswirkungen Gedanken, sondern berichtete auch über die mögliche Gefahr einer EM-Absage, die Entwicklung der ÖFB-Auswahl und eine eventuell weitere Amtszeit.

APA: Sie sind seit 2009 ÖFB-Präsident. Ist das Jahr 2020 das bisher aufreibendste in Ihrer Amtszeit?

Windtner: “Das darf man mit Fug und Recht feststellen. Die Herausforderungen waren noch nie so mannigfaltig und umfassend für den Fußball, von der untersten Amateur-Ebene bis zum Nachwuchs, Frauen-Fußball, Bundesliga und den Nationalteams. Wir haben alles versucht, um den Betrieb aufrecht zu erhalten. Es ist beeindruckend, wie der Fußball mit dem Thema Corona mehr als sorgsam umgegangen ist. Es hat immer gegenseitige Rücksichtnahme und konsequente Handhabung aller notwendigen Maßnahmen gegeben, davon konnte ich mich bei den Nationalteams selbst überzeugen. Das hat auch dazu geführt, dass wir bei den Nationalteams und über weite Strecken in der Bundesliga bei Corona eine mustergültige Rolle eingenommen haben.”

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APA: Wie froh sind Sie, dass der Profi-Fußball nicht vom aktuellen Lockdown betroffen ist?

Windtner: “Sehr froh, wir haben aber auch mit unserem konsequenten Weg die politischen Verantwortlichen überzeugt und mit ihnen eine gute Kooperation. Sie wissen, dass der Fußball so etwas wie das tägliche Brot unserer Gesellschaft ist, daher bringt es nichts, ihn vollständig abzudrehen. Die Ursache für die derzeitige Situation ist nicht im Fußball zu suchen.”

APA: Nicht fortgesetzt werden konnte der Amateur-Fußball. Besteht die Sorge, dass in diesem Bereich viele Clubs wegbrechen?

Windtner: “Wir hatten in der ersten Corona-Welle nur minimale Ausfälle von Vereinen. Ich kann nur dankend den Hut ziehen vor allen Ehrenamtlichen in Österreich, die es zustande gebracht haben, dass die Amateur-Clubs über diese schwierige Zeit hinweggekommen sind. Ich bin auch überzeugt, dass wir die zweite Welle schaffen werden. Außerdem rufe ich alle Vereine auf, vom Hilfsfonds der Regierung Gebrauch zu machen.”

APA: Besteht auch die Gefahr, dass Bundesliga-Vereine wegen Corona zusperren müssen?

Windtner: “Natürlich ist es für viele eng, aber man hat in der Vergangenheit bewiesen, dass man drüberkommen kann. Mit der berechtigten Inanspruchnahme des Regierungsfonds sollte sich das ausgehen. Ein Ausfall eines Liga-Clubs würde wirklich wehtun und hätte eine fatale Signalwirkung.”

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APA: Wie schwer wiegen die finanziellen Probleme beim ÖFB?

Windtner: “Man muss sich um den ÖFB keine Sorgen machen. Natürlich gibt es Ausfälle bei Ticketing oder Hospitality. Das konnten wir aber bisher mit einer Delle und nicht mit einem Riesenloch überwinden. Wir sind nicht vermögend, doch finanziell und strukturell gut aufgestellt.”

APA: Wichtige Einnahmen würde es für den ÖFB durch die EM-Teilnahme 2021 geben. Haben Sie Angst, dass die Endrunde doch noch ausfallen könnte?

Windtner: “Angst wäre der schlechteste Ratgeber. Es ist derzeit alles offen und in Bewegung, wir wissen zum Beispiel nicht, ob wirklich in zwölf Städten gespielt wird. Aber man muss nur die ökonomische Situation der UEFA betrachten – ein EM-Ausfall würde in ihre Bilanz ein riesiges Loch reißen. Daher hat die UEFA höchstes Interesse, dass die EM stattfindet, und darauf kann man auch vertrauen.”

APA: Ist die österreichische Nationalmannschaft in der Lage, bei der EM zu reüssieren?

Windtner: “Wir hatten insofern eine gute Entwicklung, weil wir im Kader von der Qualität her breiter aufgestellt sind, das haben die letzten Länderspiele gezeigt. Wir hatten schmerzhafte Ausfälle von Führungsspielern und konnten das immer wieder gut kompensieren. Die echte Nagelprobe wird die EM sein, auch die davor im März beginnende WM-Qualifikation wird in dieselbe Reihe zu setzen sein. Dabei gilt unser Dogma, dass wir bei Großereignissen dabei sein wollen. Nicht dabei zu sein, sollte die Ausnahme sein.”

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APA: Für Juni 2021, wenn die EM stattfindet, ist die Ordentliche Bundeshauptversammlung des ÖFB angesetzt, in deren Rahmen der Präsident gewählt wird. Kann dieser Termin gehalten werden und werden Sie wieder kandidieren?

Windtner: “Hier wird es wahrscheinlich eine Verschiebung auf einen Zeitpunkt nach der EM geben. Ob ich kandidieren werde, ist noch offen, es ist noch viel Zeit bis dahin, wir müssen noch die Coronakrise durchstehen und es sind auch viele Länderspiele dazwischen. Ausschließen würde ich eine weitere Amtszeit nicht.”

APA: Hängt eine weitere Amtszeit auch von den Resultaten in den ersten WM-Quali-Spielen und bei der EM ab?

Windtner: “Es nur von Ergebnissen abhängig zu machen, wäre die falsche Herangehensweise. Es geht darum, dass die Gremien des ÖFB gut aufgestellt sind und in dieselbe Richtung marschieren.”

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(APA)

Bild: GEPA