Zwischen Freud und Leid: Frankreichs Auf und Ab seit 1998

via Sky Sport Austria

20 Jahre sind seit Frankreichs Triumph bei der Heim-Weltmeisterschaft vergangen. Zwei Jahre später holt Frankreich den EM-Titel. Danach folgten Enttäuschungen und Skandale mit einem denkwürdigen Zwischenhoch in Deutschland. Ab 2012 folgte unter 1998er-Kapitän Didier Deschamps der Neuaufbau.

Eine Chronologie des Turnier-Abschneidens des französischen Nationalteams in den letzten 20 Jahren:

WM 1998: Wenige Wochen vor dem Anpfiff im eigenen Land votiert das Fußball-Volk noch für die Entlassung von Trainer Aime Jacquet. Dann kommt alles anders. Drei Siege und 9:1 Tore, keiner kann Frankreich stoppen. Auch Kroatien nicht. Die Männer vom Balkan gehen mit 1:0 im Halbfinale in Führung, Lilian Thuram dreht mit einem Doppelpack aber das Spiel. Am 12. Juli im Stade de France krönt sich die “Equipe Tricolore” mit einem 3:0 gegen Brasilien – zwei Tore erzielt Zinedine Zidane – zum Weltmeister. Didier Deschamps darf den Pokal als Kapitän in Empfang nehmen.

EM 2000: Fußball-Frankreich kommt aus dem Jubeln nicht raus. Die Mannschaft um Superstar Zidane gewinnt nun unter Roger Lemerre als Trainer auch den Europameistertitel. Im Finale in Rotterdam setzt sich das Team durch ein Golden Goal von David Trezeguet mit 2:1 gegen Italien durch. Deschamps ist wieder mit dabei und beendet danach seine Teamkarriere.

WM 2002: Der Titelverteidiger erlebt in Japan und Südkorea ein Desaster. Zidane und seine Mitspieler gewinnen kein Spiel, schießen nicht mal ein Tor und scheiden mit nur einem Punkt nach der Gruppenphase aus. Lemerre muss gehen.

EM 2004: Es wird nicht wirklich besser. Der Titelverteidiger scheitert im Viertelfinale gegen den späteren Turniergewinner Griechenland. Lemerre-Nachfolger Jacques Santini muss nach zwei Jahren seinen Platz räumen.

WM 2006: Unter Raymond Domenech zieht Frankreich zum zweiten Mal in ein WM-Finale ein, verliert aber gegen Italien. Was mehr als sein Führungstreffer per Foulelfmeter in Erinnerung bleibt, ist der unrühmliche Abgang einer Legende: Nach seinem Kopfstoß gegen Italiens Marco Materazzi in der Verlängerung sieht Zidane die Rote Karte. Frankreich verliert ohne Zidane das Elfmeterschießen, Zidanes 103. Länderspiel ist auch sein letztes.

EM 2008: Beim Turnier in Österreich und der Schweiz scheitert Frankreich schon nach der Gruppenphase als Vierter mit nur einem Zähler hinter den Niederlanden, Italien und Rumänien. Domenech darf bleiben, die nächste Tiefphase ist aber eingeleitet.

WM 2010: Meuterei, Revolte, Streik, Beleidigungen – kurzum: Die Komplett-Blamage. Sportlich verheerend, ausgeschieden nach drei Spielen, hinterlassen Mannschaft und Domenech alles, nur kein Bild von Einheit und Brüderlichkeit. Der Trainer muss wenig überraschend gehen.

EM 2012: Bei dieser EM soll es Laurent Blanc, Weltmeister von 1998 und Europameister von 2000, richten. Auch er schafft es nur bis zum Viertelfinale, Frankreich scheidet gegen den späteren Europameister Spanien aus. Deschamps übernimmt.

WM 2014: Mehr als das Viertelfinale ist auch mit dem Kapitän der 98er-Weltmeistermannschaft in Brasilien erstmal nicht drin. Aus gegen den späteren Weltmeister Deutschland.

EM 2016: Die Equipe will zu Hause wieder an alte Erfolge anknüpfen. Es klappt bis zum Finale. Dort verliert die Mannschaft überraschend 0:1 nach Verlängerung gegen Portugal.

WM 2018: Die Mannschaft brilliert zuerst nicht, kommt aber problemlos in die K.o.-Runde. Frankreich schlägt dort Argentinien 4:3, Uruguay 2:0 und stoppt auch das starke Belgien. Nicht zuletzt dank taktischer Finesse, die eher zweckdienlich pragmatisch als künstlerisch wertvoll ist, gewinnen die Blauen 1:0 und ziehen zum dritten Mal in 20 Jahren in ein WM-Finale ein. Gegner dort ist wie im Halbfinale 1998 Kroatien.

Beitragsbild: Getty Images

(APA)