Zwischen Triumph & Trauer: Klinsmann will Südkoreas ersehnten Asien-Cup-Titel holen
Jürgen Klinsmann soll den sehnsüchtigen Titelwunsch eines ganzen Landes erfüllen – doch dem Nationaltrainer Südkoreas fällt die Konzentration auf den Fußball derzeit ungemein schwer. Statt sich komplett auf den am Freitag in Katar beginnenden Asien-Cup zu fokussieren, ist der Weltmeister von 1990 in Gedanken bei seinem langjährigen Wegbegleiter Franz Beckenbauer.
„Lieber Franz, wir sind Dir für immer unendlich dankbar für alles, was Du für uns und den Fußball getan hast“, schrieb Klinsmann am Dienstag bei X zum Tod Beckenbauers: „Als Spieler, als Teamchef, als Präsident, als großes Vorbild mit deinem einzigartigen Charme, deiner Leichtigkeit und Lebensfreude. Wir vermissen Dich!“
Die Trauer um Beckenbauer macht die Aufgabe für Klinsmann nicht leichter. Für den zweimaligen Sieger Südkorea zählt nur der erste Titelgewinn bei der Asienmeisterschaft seit 1960. Alles andere wäre für die Mannschaft um Abwehrchef Min-Jae Kim von Bayern München und Top-Star Heung-Min Son von den Tottenham Hotspur – beides übrigens Ex-Klubs von Klinsmann – eine riesengroße Enttäuschung. Dessen ist sich der frühere Bundestrainer bewusst.
„Es ist an der Zeit. 64 Jahre – das ist sehr lange für Südkorea. Ich bin überzeugt, dass wir bereit sind für diese große Herausforderung“, sagte Klinsmann, der mit seinem Team ab Montag in der Gruppe E zunächst gegen Bahrain, Jordanien und Malaysia antreten muss: „Ich habe ein gutes Gefühl.“
Dieses gute Gefühl hatten die Fans und die Medien in Südkorea nicht unbedingt, als Klinsmann gemeinsam mit seinem Assistenztrainer Andreas Herzog im März des vergangenen Jahres als Nachfolger von Paulo Bento präsentiert wurde. Wie schon zu seinen Zeiten als Bundestrainer wurde dem Schwaben vorgeworfen, zu viel Zeit in seiner Wahlheimat Kalifornien anstatt in Südkorea zu verbringen.
Als dann auch noch die ersten fünf Partien unter Klinsmanns Regie ohne Sieg endeten, deutete einiges auf eine ähnlich kurze Amtszeit des früheren Torjägers wie bei seinem völlig missglückten Engagement bei Hertha BSC von November 2019 bis Februar 2020 hin.
Klinsmann: „Müssen das höchste Ziel anstreben“
Doch die Ergebnisse wurden besser. Die zurückliegenden sechs Partien haben die Koreaner, die bei der WM-Endrunde 2022 in Katar im Achtelfinale an Brasilien gescheitert waren (1:4), bei einer eindrucksvollen Tordifferenz von 20:0 allesamt gewonnen.
Obwohl Klinsmann von den Medien weiter mit Argusaugen beobachtet wird, gilt Südkorea deshalb als Titelanwärter. Der Kader, zu dem die weiteren Deutschland-Legionäre Jae-Sung Lee (FSV Mainz 05) und Woo-Yeong Jeong (VfB Stuttgart) gehören, wird als einer der stärksten des Teilnehmerfeldes gesehen.
Auch Klinsmann bezeichnete seine Mannschaft als „einen der Favoriten“ und zeigte sich selbstbewusst. „Wir müssen das höchste Ziel anstreben“, sagte der 59-Jährige: „Und wenn wir es nicht erreichen, dann ist es die Schuld des Trainers – kein Problem.“
Gedanken an ein Scheitern will Klinsmann aber in gewohnter US-Denkweise gar nicht erst zulassen. „Ich glaube an diese koreanische Mannschaft. Wir können es schaffen, weil wir so viel Qualität haben“, betonte der Coach: „Wir sind in der Lage, dieses Turnier zu gewinnen. Es erfordert viel Arbeit, es braucht viele besondere Momente, aber es ist absolut machbar.“
(SID/Red.).
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