14 Ausfälle! Salzburg weiter souverän, aber mit vertieften Personalsorgen
Salzburg setzt in der neuen Saison der Fußball-Bundesliga nahtlos an der alten fort. Am Sonntag bezwang der Serienmeister die Austria Wien hochverdient mit 2:0 (Spielbericht + Video-Highlights) und ist nach drei Runden das einzige Team ohne Punkteverlust. „Wir sind jetzt an der Tabellenspitze, und da wollen wir auch bleiben“, betonte Trainer Gerhard Struber. Seine ohnehin umfangreiche Verletztenliste wurde allerdings noch länger.
Die Verteidiger Oumar Solet mit einer Knieblessur sowie Startelfdebütant Leandro Morgalla mit einer Knöchelverletzung mussten gegen die Austria früher als geplant vom Platz. Damit schwoll das Lazarett auf 14 Spieler an. Gerade in der Defensive herrscht akute Personalnot, fielen doch schon vor dem Spiel Bryan Okoh, Aleksa Terzic, Daouda Gouindo, Andreas Ulmer und Lukas Wallner aus. „Das ist für uns derzeit keine leichte Situation“, gestand Struber, der die Ersatzleute Samson Baidoo („Er ist unglaublich verlässlich“) und Kamil Piatkowski für ihre „sauberen Leistungen“ lobte. Einziger verbliebener nomineller Außenverteidiger ist nun Amar Dedic.
Dieser wollte sich in diesem Punkt aber keine Sorgen machen. „Es ist bitter und tut weh, aber der Kader ist gut und groß genug“, gab Dedic an. Ähnlich äußerte sich der gegen die Austria fast arbeitslose Tormann Alexander Schlager. „Jeder Verletzte ist einer zu viel, aber es ist die Chance für die, die hinten nachkommen. Ich bin zuversichtlich, dass sie ihre Chance nützen werden“, meinte der ÖFB-Teamspieler.
Baidoo: „Wir hätten das Spiel eigentlich höher gewinnen müssen“
Emotionaler Abschied von Salzburg-Sportdirektor Freund
Vor dem Spiel gab es noch den emotionalen Abschied von Sportdirektor Christoph Freund, der mit 1. September zu Bayern München wechselt. Der höchst erfolgreiche Freund, dem der Club in 17 Jahren, davon acht in seiner aktuellen Position, mehr als ans Herz gewachsen ist, stimmte dabei nicht nur „Soizburg is da geilste Club der Wöd“ an, sondern wurde auch von den Fans gebührend beklatscht. „Vor 17 Jahren einen Freund gefunden und für die Ewigkeit mit ihm verbunden“, stand auf einem Banner zu lesen.
Die Mannschaft beschenkte den 46-Jährigen mit einer standesgemäßen Vorstellung, in der der harmlosen Austria lediglich eine Statistenrolle zukam. „Wir haben extrem viel in das Spiel investiert und auch heute wieder unter Beweis gestellt, wie schwer wir zu brechen sind“, erklärte Struber. Dass die Austria bis zum späten 2:0 durch Karim Konate (98.) überhaupt so lange auf einen Lucky Punch hoffen durfte, lag neben Veilchen-Goalie Christian Früchtl an der Ineffizienz der Hausherren und Zentimeterentscheidungen bei zwei Abseitstoren. „Einziger Kritikpunkt ist der Umgang mit den Torchancen“, merkte denn auch Dedic an. „Wir hätten das Spiel früher entscheiden können oder müssen“, ließ Mads Bidstrup, Assistgeber zum 1:0 durch Amankwah Forson (55.), wissen.
Krankl über Konate: „Das kann wieder ein ganz Großer werden“
So oder so und trotz der defensiven Personalquerelen ist man noch ohne Gegentor und darf auf einen „super Saisonstart“ blicken, wie Schlager betonte. Für den Routinier ist es aber keine Überraschung. „Es ist die logische Folge daraus, wie wir arbeiten und der Intensität, die wir auf den Platz bringen. Jeder gibt für jeden alles. Das macht den kleinen Unterschied aus.“ Dass die Stimmung unter Struber, dem Nachfolger Matthias Jaissles, stimmt, unterstrich Dedic. „Es ist einfach extrem viel Energie in der Mannschaft, auch atmosphärisch hat sich einiges geändert. Das spiegelt sich auf dem Platz wider.“
Austria-Coach Wimmer nach 0:2-Niederlage: „Sicher nicht so prickelnd“
Der Austria blieb nach einer bemühten, aber völlig fruchtlosen Leistung nur, dem Sieger zu gratulieren. „Die Trauben in Salzburg hängen eben hoch. Sie waren heute klar besser, ein hochverdienter Sieger. Für uns heißt es abputzen und weitermachen“, stellte Trainer Michael Wimmer nach der zweiten Niederlage im dritten Spiel fest. Überbewertet wollte der Deutsche diesen Umstand aber nicht wissen. „Man muss relativieren, die Niederlagen sind gegen Sturm und Salzburg passiert“, erinnerte er. Luft nach oben sei in jedem Falle da. „Es war sicher nicht so prickelnd.“
Seine Mannschaft hatte nach den Auftritten in Cup, Europacup und Liga gerade bei den Salzburger Tempobolzern mit körperlichen Verschleißerscheinungen zu kämpfen. „Es war das siebente Spiel in drei Wochen, das wussten wir aber auch, und das wollten wir“, erklärte Wimmer. „Nach den vielen Spielen in den letzten Wochen hat man nach 20, 25 Minuten die Müdigkeit gemerkt. Es soll keine Ausrede sein, aber der Körper regeneriert einfach nicht so schnell“, bestätigte Andreas Gruber.
Wimmer: „Hatten Glück mit dem VAR, sonst geht es noch höher aus“
Violett muss die wenige Zeit bis zum Donnerstag nun gut nützen. Dann steht das Rückspiel in der dritten Qualirunde der Conference League gegen Legia Warschau am Programm, die Aussichten sind dank des 2:1-Siegs aus dem Hinspiel heiter. „Wir wollen den Rhythmus jetzt so beibehalten, gut regenerieren und am Donnerstag unsere Pole Position mit unseren fantastischen Fans im Rücken verteidigen“, sagte Wimmer.
(APA) / Bild: GEPA
