16. Weltcup-Erfolg für Kriechmayr: „Jeder Sieg ein Privileg“
Am Ende der alpinen Abfahrtssaison durfte Vincent Kriechmayr noch einmal jubeln. Der 31-jährige Oberösterreicher stand beim Weltcupfinale am Mittwoch in Soldeu (Andorra) auf dem Treppchen ganz oben – zum vierten Mal in diesem Winter. „Vier Siege sind sehr schön, jeder einzelne Sieg ist ein Privileg, das ist nicht selbstverständlich“, erklärte der ÖSV-Star. Dass es dennoch nicht zum Gewinn der kleinen Kristallkugel reichte, lag an der Klasse von Aleksander Aamodt Kilde.
Der Norweger hatte die restlichen sechs Weltcup-Abfahrten gewonnen. „Er ist der verdiente Kugelsieger“, erklärte Kriechmayr, der die Konstanz von Kilde in dieser Saison lobte. „Ich habe zwar vier Siege, war aber auch sechs Mal nicht am Podest.“ Im Gegensatz zum Norweger, der in der Abfahrt insgesamt sieben Mal auf dem Podium stand.
Dass er und Kilde sich die Abfahrtsrennen im Weltcup heuer aufgeteilt haben, wollte Kriechmayr nicht überbewerten. „Man darf nicht vergessen, ein (Marco , Anm.) Odermatt war in Kitzbühel außer Gefecht. Da war er im Training sehr stark. Der Odi ist in der Abfahrt auch fünf Mal am Podest gewesen, er ist Weltmeister. Nächstes Jahr wird das nicht nur bei mir und beim Aleks bleiben. Es wird sicher nicht einfacher werden, den Odi zu biegen“, war sich der Mühlviertler bewusst.
Kriechmayr nicht voll zufrieden
Trotz der Erfolge in Gröden, Bormio, Kitzbühel und nun Soldeu ist das ÖSV-Ass mit seiner Saison nicht gänzlich glücklich. „Eine Kugel zu holen, das war mein Ziel. Das habe ich nicht geschafft, aber trotzdem bin ich mit der Abfahrtssaison sehr zufrieden.“ Wo hat er den Disziplinensieg liegen gelassen? „Grundsätzlich in den ersten zwei Rennen, Lake Louise und Beaver Creek. Nordamerika war ein schlechter Saisonstart. In der zweite Gröden-Abfahrt habe ich ausgelassen. Konstanter vorne mitzufahren, das ist das Ziel für nächstes Jahr“, sagte Kriechmayr.
Hart in die Kritik ging der Gramastettner mit seinen Leistungen im Super-G mit nur einem Podestplatz mit Rang zwei Ende Dezember in Bormio. „Mit dem kann ich nicht zufrieden sein. Das war immer meine Parade-Disziplin. Natürlich hoffe ich, dass ich es morgen noch mal ein bisschen besser mache“, so der Super-G-Weltmeister von 2021 mit Blick auf sein letztes Saisonrennen am Donnerstag (11.30 Uhr). „Nächstes Jahr heißt es, die Lücke zu schließen auf den Odi und den Aleks und hart arbeiten.“
Kriechmayr sieht sich nicht als Leader
Dass er nun bei 16. Weltcupsiegen hält, reißt Kriechmayr nicht aus seiner Bodenständigkeit. „Man darf es nicht als selbstverständlich sehen. Dass ich da bin, ist auch mit einem gewissen Glück verbunden. Ich habe keine Verletzungen gehabt in meiner Jugend. Es hat sehr viele große Talente gegeben, die aufgrund von Verletzungen nicht so weit gekommen sind. Ich freue mich über jeden einzelnen Sieg, weil ich weiß, dass das nicht von ungefähr kommt.“
Die Rolle des Leaders in der Speed-Mannschaft der ÖSV-Männer lehnt der 31-Jährige zwar ab. Dass er ein Vorbild für seine Teamkollegen ist, steht aber außer Frage. „Ich sehe ihn jeden Tag, wie er hackelt, wie er alles reinhaut, damit er schneller wird, damit er gewinnt. Ich kann mir da sehr viel abschauen“, meinte Daniel Hemetsberger.
Mayer beim Finale zu Besuch
Den aktuellen Erfolg fuhr Kriechmayr vor den Augen seines während der Saison zurückgetretenen Teamkollegen Matthias Mayer ein, der Kärntner ist auf Besuch beim Weltcup-Finale in den Pyrenäen: „Ich freue mich irrsinnig, dass der ‚Mothl‘ da ist. Er ist uns gescheit abgegangen. Ich habe von kaum einem anderen Athleten so profitiert wie von ihm. Wir werden sicher noch anstoßen, wir zwei.“
Der Gast aus Kärnten ließ sich in Sachen mögliches Comeback nichts entlocken. „Das steht für mich derzeit nicht so im Vordergrund“, sagte der 32-Jährige. Seinen Besuch in Soldeu wollte er nicht überbewertet wissen. „Ich wollte einfach noch einmal die letzten Tage in der Weltcup-Saison genießen und mit dem Team zusammensitzen und tratschen. Und bei dem Wetter und wenn der ‚Vinc‘ gewinnt, was gibt es Schöneres.“
(APA) / Bild: GEPA
