20 Jahre Nationalteam: Blazek geht in neuntes Großturnier
Eine gewisse Routine kann Petra Blazek nicht abgesprochen werden. Wenn am Donnerstag die Heim-EM der Handballerinnen startet, geht die Torfrau in ihre schon neunte Endrunde mit Österreichs Frauen-Team. Als Kapitänin darf die Niederösterreicherin in den Diensten von Hypo Niederösterreich mit der Erfahrung von 237 Länderspielen als Ruhepol gelten. Dem Handballsport bescheinigt sie einen gewissen Aufschwung, die Lage in Österreich sieht Blazek aber als ausbaufähig an.
„Mit der Heim-EM geht sicher ein Traum in Erfüllung“, sagte die Torfrau vor dem Start ins Turnier. In Innsbruck geht es zum Auftakt gegen die Slowakei (18.00 Uhr), alles andere als ein Sieg der Österreicherinnen wäre eine Enttäuschung. „Wir sind natürlich Favorit. Wir müssen gegen sie punkten und wollen das auch“, stellte Blazek klar. Danach warten in Tirols Landeshauptstadt noch Partien gegen Titelverteidiger Norwegen und das wahrscheinlich entscheidende Aufeinandertreffen mit Slowenien.
Die Top Zwei dürfen in der Hauptrunde weiterspielen, die ÖHB-Auswahl würde dann nach Wien übersiedeln. Vor allem das Spiel gegen die Norwegerinnen könnte ein Gradmesser werden. „Im Sport ist nichts unmöglich, aber es wird schwierig. Wir treffen auf einen Titelanwärter, da wird sich zeigen, wie lange wir mithalten können“, erklärte Blazek. Im Unterschied zu den individuell herausragenden Skandinavierinnen setzt ihr Team auf den Gemeinschaftsfaktor. „Wir müssen immer über die Mannschaft kommen, haben nicht den großen Star.“
Turnier-Debüt 2004 als Teenager
16 Jahre alt war Blazek bei ihrem Team-Debüt im Mai 2004, einige Monate später fuhr sie zu ihrer ersten EM. Zum Handball war sie über das Engagement ihrer Brüder bei der Admira gekommen. Hypo war fortan die sportliche Heimat. Mit dem Serienmeister stand die Torfrau 2008 im Finale der Champions League, als Legionärin spielte sie wie zahlreiche andere ÖHB-Spielerinnen in Deutschland (Thüringer HC), stand auch in Frankreich (Biganos-Bègles), Ungarn (MTK Budapest), Norwegen (Molde HK) und Rumänien (Valcea, Gloria Buzau) unter Vertrag.
Fünf Weltmeisterschaften und drei Europameisterschaften hat Blazek bisher bestritten. Die vierte EM soll ein Highlight werden. Ihr Team sieht die Spielführerin gut vorbereitet. Die im Februar als Nachfolgerin von Langzeitcoach Herbert Müller als Teamchefin geholte Monique Tijsterman brachte neuen Schwung. „Wir sind von Lehrgang zu Lehrgang als Mannschaft zusammengewachsen. Jeder Trainer bringt eigene Konzepte mit. Am Anfang war es nicht einfach, aber auch von den Ergebnissen sieht man, dass wir von Spiel zu Spiel wachsen“, meinte Blazek.
Team richtete Fokus auf Athletik
Unter der Niederländerin Tijsterman wurde vor allem im athletischen Bereich nachgeschärft. Zu Beginn ihrer Amtszeit gingen zwei Spiele gegen Norwegen deutlich verloren, auch gegen die Schweiz und Ungarn setzte es Niederlagen. Blazek erinnert sich an „niederschmetternde“ Ergebnisse. „Von ihr hat es aber immer geheißen: ‚Trust the process‘.“ Die Spielerinnen bekamen ein individuell angefertigtes Programm mit auf den Weg. Eine Steigerung war im Herbst erkennbar. Physisch präsentierte man sich nun deutlich verbessert. Eines sei laut Blazek klar: „Eine EM ist lange, du spielst jeden zweiten Tag. Da musst du physisch gut sein.“
Ortet Blazek auf Verbandsebene Schritte nach vorne, sieht sie im Nachwuchs- und Vereinsbereich der Handballerinnen noch viel Luft nach oben. Es fehle weiter an Trainingsstätten. Hypo sticht mit dem Leistungssportzentrum hervor, anderorts fehle es aber im Vergleich zu anderen Ländern am nötigen Budget. „In Österreich hat man irgendwann die Qual der Wahl. Wenn du Profi sein willst, bleibt nichts anderes als ins Ausland zu wechseln.“
Blazek kehrte nach neun Jahren im Ausland vor zwei Jahren zu Hypo zurück. Ans Karriereende denkt sie noch nicht, im Tor ist die Altersfrage im Handball keine wirkliche. „So lange ich motiviert bin, der Mannschaft helfen und 100 Prozent geben kann, spiele ich.“ Den Länderspiel-Rekord hält bei den ÖHB-Frauen Barbara Strass mit 272 Auftritten für Rot-Weiß-Rot, Blazek liegt noch hinter Natascha Rusnachenko (255) auf Platz drei.
(APA)
Beitragsbild: GEPA
