6:0-Kantersieg für Spanien gegen Türkei – Deutschland rehabilitiert sich nach Auftaktpleite
Für Fußball-Europameister Spanien scheint die WM-Qualifikation nicht mehr als eine lockere Pflichtübung zu sein.
Das Team von Nationaltrainer Luis de la Fuente gewann sein zweites Qualifikationsspiel überaus deutlich, beim nominell stärksten Kontrahenten Türkei siegten die Spanier am Sonntag in Konya 6:0 (3:0) und führen die Gruppe E mit perfekten sechs Punkten an.
Mittelfeldstratege Pedri vom FC Barcelona sorgte in der sechsten Minute mit einem Fernschuss für die frühe Führung. Mikel Merino, der die deutsche Mannschaft im EM-Viertelfinale mit seinem 2:1-Siegtor in der Verlängerung aus dem Heimturnier befördert hatte, erhöhte noch vor der Pause per Doppelschlag (22., 45.+1). Ferran Torres (53.), erneut Mittelfeldspieler Merino mit seinem dritten Treffer (57.) und abermals Pedri (62.) schraubten das Ergebnis in fast surreale Höhen.
Die Spanier waren am Donnerstag mit einem souveränen 3:0 in Bulgarien in die Quali gestartet. Die Türkei hatte sich zu einem 3:2 gegen Georgien gemüht. Der Sieger der Vierergruppe löst das Direktticket für die WM 2026 in den USA, Kanada und Mexiko.
Deutschland mit glanzlosem Sieg über Nordirland
Behäbig, ideenlos, aber letztlich erfolgreich: Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft hat sich in der Qualifikation für die Weltmeisterschaft 2026 den ersten Sieg erkämpft, ist aber erneut vieles schuldig geblieben. Das auf fünf Positionen veränderte Team von DFB-Bundestrainer Julian Nagelsmann gewann das zweite Quali-Spiel in Köln gegen Nordirland nach einer über weite Strecken schwachen Vorstellung mit 3:1 (1:1).
Serge Gnabry (7.) brachte die Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) früh in Führung, der Treffer half dem verunsicherten viermaligen Weltmeister drei Tage nach dem blamablen 0:2 zum Auftakt in der Slowakei aber nur bedingt. Isaac Price (34.) bestrafte Deutschland für einen lange uninspirierten und fehleranfälligen Auftritt, erst in der letzten halben Stunde wurden die Deutschen ihrer Favoritenrolle gerecht: Joker Nadiem Amiri (69.) und Florian Wirtz (72.) trafen zum dringend benötigten Sieg.
Mit dem ersten Erfolg nach zuletzt drei Pflichtspielniederlagen in Folge beruhigte die DFB-Elf vorerst die Gemüter, die schwache Vorstellung bis zur 60. Minute dürfte aber Warnung genug sein. Immerhin: Das direkte Ticket für das Turnier in den USA, Kanada und Mexiko bleibt in der eigenen Hand. In der Gruppe A geht es am 10. Oktober in Sinsheim gegen den dritten Gegner Luxemburg weiter, drei Tage später folgt das Rückspiel gegen Nordirland in Belfast.
Nach der peinlichen Slowakei-Partie brauche es Spieler, „die auf die Situation passen“, hatte Nagelsmann vor der Partie erklärt. Den Fokus legte er auf Emotionen, jeder müsse „den Nebenmann anzünden“.
Dafür baute der Bundestrainer radikal um und tauschte fast die Hälfte der Mannschaft aus: Jonathan Tah, Leon Goretzka, Maximilian Mittelstädt, Angelo Stiller und der überforderte Debütant Nnamdi Collins mussten auf die Bank. Dafür starteten Waldemar Anton, Robin Koch, David Raum sowie Pascal Groß und Jamie Leweling. Taktisch setzte Nagelsmann auf eine Dreier- statt auf eine Viererkette.
Seine Entscheidung begründete er vor dem Anpfiff mit der „Aktualität“ und ergänzte: „Wir haben überlegt, wer eine gewisse Druckresistenz hat, denn Druck liegt auf dem Spiel“, sagte der Coach.
Verbesserung nach Slowakei-Pleite gefordert
Spielerisch lief zunächst aber nur wenig zusammen. Nachdem vor dem Anpfiff Rio-Weltmeister Mats Hummels verabschiedet und des Anfang August verstorbenen Ex-Nationalspielers Frank Mill mit Applaus gedacht worden war, suchte die DFB-Auswahl zunächst die Kontrolle, um dann mit langen Bällen die überraschend früh pressenden Nordiren zu überspielen.
Das von DFB-Sportdirektor Rudi Völler geforderte „Feuerwerk“ blieb aus, die Führung war eher ein Zufallsprodukt: Die Gäste gaben den Ball im Zentrum zu einfach her, Nick Woltemade schickte Gnabry in die Tiefe, der frei vor Schlussmann Bailey Peacock-Farrell gefühlvoll traf. Selbstvertrauen spendete der Treffer aber kaum, vielmehr fehlten Tempo und die geforderte Emotionalität. Antonio Rüdiger handelte sich nach einem taktischen Foul die Gelbe Karte ein, der Abwehrchef ist damit gegen Luxemburg gesperrt.
Die limitierten Nordiren kämpften sich in die Partie, weil Deutschland sie ließ. Der Ausgleich fiel folgerichtig. Price schoss nach einer Ecke ungedeckt am zweiten Pfosten per Volley ein. Nagelsmann schimpfte wild gestikulierend an der Seitenlinie, zur Pause stürmte er in die Kabine. Das Kölner Publikum quittierte den Auftritt in den ersten 45 Minuten mit einem Pfeifkonzert.
Besserung war auch zu Beginn der zweiten Hälfte nicht zu sehen. Der 71. der Weltrangliste ließ wenig zu, vorne stellten die Nordiren die Deutschen immer wieder vor Probleme. Nagelsmann reagierte. Maximilian Beier kam für Gnabry, Amiri für Woltemade (61.). Über Standards kam Deutschland besser in die Partie. Anton (64.) köpfte wuchtig über das Tor. Kurz danach bediente Kapitän Joshua Kimmich dann Wirtz, doch Peacock-Farrell reagierte stark.
Dann schob Amiri freistehend ein, nachdem der Ball im Strafraum an allen Nordiren vorbei gerollt war. Drei Minuten später sorgte Wirtz per direktem Freistoß für das 3:1.
Slowakei vermeidet Blamage gegen Luxemburg
Die Slowakei hat drei Tage nach ihrem sensationellen Sieg gegen die deutsche Fußball-Nationalmannschaft in der WM-Qualifikation selbst eine Blamage gerade noch vermieden. Das Team von Trainer Francesco Calzona kam in Luxemburg am Sonntag durch ein spätes Tor von Tomas Rigo (90.+1) zu einem 1:0 (0:0) und war dabei nicht mal die bessere Mannschaft.
Luxemburg verzeichnete überraschend lange Zeit mehr Ballbesitz, mehr Torschüsse und die besten Chancen: Danel Sinani traf mit einem Fernschuss den Pfosten (34.) und später noch einmal (49.). Das vermeintliche Führungstor der Gastgeber von Tomas de Sousa (58.) wurde zudem nach Videobeweis wegen einer Abseitsposition zurückgenommen. Rigo gelang dann mit einem Abstauber der enorm wichtige slowakische Siegtreffer.
Für die Slowaken wäre ein 0:0 nach dem stürmisch gefeierten 2:0-Triumph über den viermaligen Weltmeister Deutschland eine riesige Ernüchterung gewesen, so jedoch haben sie sechs Punkte Punkte aus zwei Spielen auf dem Konto. Luxemburg hatte in der Gruppe A zum Auftakt 1:3 gegen Nordirland verloren.
In Pool J siegte auch Belgien mit 6:0 (2:0), gegen Kasachstan traten in Brüssel Kevin De Bruyne und Jeremy Doku als Doppelpacker in Erscheinung. Polen siegte auch dank eines Tores von Robert Lewandowski 3:1 (2:0) gegen Finnland, sie haben in fünf Spielen zehn Punkte gesammelt. Für Litauen wird die WM-Teilnahme hingegen ein Traum bleiben.
(SID/Red.)
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