„Am anderen Ende der Werte-Skala“: Rangnick begründet Nicht-Nominierung von Grüll, Hedl & Burgstaller
Der Kader der österreichischen Fußball-Nationalmannschaft steht fest. Nicht mit dabei sind Marco Grüll, Niklas Hedl und Guido Burgstaller. ÖFB-Teamchef Ralf Rangnick begründet die Nicht-Nominierung des Rapid-Trios.
Bei der Kaderbekanntgabe für die beiden Länderspiele gegen die Slowakei und die Türkei Ende März bestätigte der 65-Jährige, dass die Vorfälle rund um das 342. Wiener Derby Mitgrund für die Nicht-Berücksichtigung der drei Spieler war: „Klar haben wir die Spieler unter anderem auch deswegen nicht berücksichtigt. Ich habe alle, bis zum jetzigen Zeitpunkt im Umlauf befindlichen Videos mir auch selbst angesehen, auch mit meinem Trainerstab“, so Rangnick.
Derby-Videos könnten Rapid-Trio EM-Teilnahme kosten
Der Teamchef stand danach persönlich im Kontakt mit den betroffenen Spielern: „Die Jungs haben sich dann auch bei mir selbst gemeldet und sich entschuldigt. Aber in dem Fall erwarte ich natürlich auch, dass die Jungs sich auch ernsthaft mit diesem Thema auseinandersetzen. Und auch verstehen, was es für Menschen bedeutet, wenn sie auf so eine Art und Weise öffentlich beleidigt und diskriminiert werden. Das ist etwas, was ich in meiner Mannschaft, wo ich Trainer bin, nicht tolerieren werde. Egal ob jetzt im Verein oder in der Nationalmannschaft. Alles wofür wir mit der Nationalmannschaft stehen und in der Vergangenheit auch standen, ist diametral am anderen Ende der Werte-Skala. Das habe ich den Jungs auch am Telefon gesagt.“
Die Nicht-Nominierung zum vorletzten Testspiel-Lehrgang vor der EM 2024 könnte dem Rapid-Trio nun auch eine Endrunden-Teilnahme kosten. Rapid-Kapitän Burgstaller hatte nach einem 2019 erfolgten Team-Rücktritt im Vorjahr ein Kurz-Comeback im ÖFB-Dress gegeben. Hedl ist derzeit der vierte oder fünfte Torhüter. Grüll hätte wohl am ehesten Chancen auf einen Kaderplatz gehabt.
Rangnick lässt Türe für Rückkehr offen
Für immer wollte Rangnick die Tür auch nicht zuschlagen. „Für immer ist erstmals nichts“, sagte der 65-Jährige. Die Maßnahme gelte vorerst für diesen einen Lehrgang. Rangnick forderte: „Eine Entschuldigung als Lippenbekenntnis, weil sie jetzt mitbekommen haben, was das für ein Echo ausgelöst hat, ist keine Entschuldigung. Da geht es schon darum, dass die Jungs auch zeigen, was sie wirklich denken, wo sie wirklich stehen auch von der Gesinnung her. Mir geht es nicht darum, sagen kann man viel. Entscheidend ist, wie das Verhalten aussieht.“
Die Bundesliga sperrte Burgstaller nach den Vorfällen für drei Spiele unbedingt. Grülls Sanktion wurde nach einem Rapid-Einspruch auf zwei Partien unbedingt, jene von Hedl in eine bedingte Strafe abgemildert. Die interne Aufarbeitung der Hütteldorfer wollte Rangnick nicht bewerten. Er habe sich mit seinem Betreuerstab aber alle Videos angesehen. Zudem würde derzeit im Zwei-Tages-Rhyhtmus weiteres Videomaterial auftauchen. Rangnick: „Das, was ich bisher gesehen habe, reicht mir aber für meine Entscheidung.“
Rapid-Trio dabei: Das ist der ÖFB-Kader für die Testspiele gegen Slowakei & Türkei
(APA/Red.) / Bild: GEPA
