„Auf dem Weg in die Bedeutungslosigkeit“: Insignia-Boss teilt gegen Austria-Management aus

via Sky Sport Austria

Sky-Reporter Johannes Brandl hat sich am Freitag mit Insignia-Boss Michael Surguladze getroffen. Themen des Gesprächs waren u.a. die ehemalige Partnerschaft zwischen dem FK Austria Wien und der Insignia Group sowie das Management der „Veilchen“.

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Sky: Wie geht es Ihnen nach Ihrer Erkrankung?

Michael Surguladze: Danke, es geht mir heute viel besser. Wie Sie wissen, erkrankte ich zwischen Januar und März 2021 sehr schwer an COVID-19. Ich lag 45 Tage im künstlichen Koma und war an eine ECMO-Maschine angeschlossen. Meine Chancen, wieder gesund zu werden, waren gleich null. Ich verdanke mein Leben einem bemerkenswerten und außergewöhnlich professionellen Ärzteteam des Wiener AKH:

  • Professor Schellongowski
  • Professor Staudinger
  • Professor Herbert Watzke
  • den Ärzten M. Marhold und E. Lobmeyer.

In meinem Leben habe ich viele Spitzenkliniken auf der ganzen Welt gesehen. Ich kenne auch das Management und die Arbeitsabläufe in führenden Unternehmen. Die Professionalität, die ich auf der Intensivstation des AKH gesehen habe, hat mich tief beeindruckt. Die Art und Weise, wie das junge Personal und das fantastische Team dort arbeiten, ist großartig. Ich danke auch meinen Freunden Robert Zadrazil, Andreas Rudas und Frank Hensel für ihre Unterstützung in dieser sehr schwierigen Zeit. Ich stehe in der Schuld dieser Menschen und werde mein Bestes tun, um sie nicht zu enttäuschen.

Sky: Inwieweit waren Sie aufgrund Ihrer Krankheit nicht eng genug in den Partnerschaftsprozess mit dem FK Austria Wien eingebunden?

Anmerkung: Diese Frage wurde an dieser Stelle nicht beantwortet, die Antwort ist an die Frage „Warum war es nicht möglich, einen Sponsor für den FK Austria Wien zu finden?“ gekoppelt.

Sky: Wie sehen Sie den aktuellen Status quo der Partnerschaft?

MS: Mit dem heutigen Tag gibt es keine Partnerschaft zwischen Insignia und dem FK Austria Wien. Es gab einen Vertrag zwischen Insignia und der FK Austria International Marketing GmbH. Dieser Vertrag wurde von Insignia bereits am 22.09.2021 wegen Vertragsbruchs, der vom Verein ausging, gekündigt. Nur auf Wunsch des Vereins haben wir den Kündigungstermin zweimal verlängert.

Die von Gerhard Krisch in der österreichischen Presse am 27.10.2021 initiierte PR-Show, dass der FK Austria den Sponsoring-Vertrag mit Insignia „mit sofortiger Wirkung“ gekündigt hat, ist schlichtweg nicht wahr. Das Kündigungsschreiben wurde von Insignia bereits einen Monat vorher überstellt.

Sky: Sind Sie persönlich enttäuscht, wie die Partnerschaft und damit auch die Marke Insignia in Österreich gesehen wird?

MS: Ich bin in erster Linie enttäuscht von der momentanen Situation im Verein. Wir haben Erfahrung in der Zusammenarbeit mit anderen Sportvereinen, aber ein derartiges Chaos und eine derart intransparente Vorgehensweise haben wir noch nicht erlebt.

Auf der einen Seite gibt es im Vorstand respektable und professionelle Leute, aber die wirkliche Macht hat das Management des Vereins. Deren Vision und Strategie ist für uns nicht akzeptabel. Meiner Meinung nach führt dieser Weg in die sportliche Bedeutungslosigkeit, da mit dieser Art von Management kein sportlicher Erfolg erzielt werden kann.

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Sky: Wie könnte Ihrer Meinung nach, die Partnerschaft noch zu einem Erfolgsmodell ausgebaut werden?

MS: Ich sage es in aller Deutlichkeit: Für den FK Austria Wien kann ich mir eine erfolgreiche Zukunft vorstellen. Mit dem derzeitigen Management allerdings nicht.

Sky: Warum war es nicht möglich, einen Sponsor für den FK Austria Wien zu finden?

MS: Wir haben von Beginn an kommuniziert, dass wir uns auf Investoren aus dem Nahen Osten konzentrieren. Nachdem ich lange zwischen Leben und Tod schwankte, wollten mich potenzielle Investoren natürlich treffen und prüfen, ob ich zur weiteren Führung der Geschäfte fähig bin. Da ich mich in den drei bis vier Monaten nach meiner Entlassung aus dem Wiener AKH aber vorwiegend in Reha-Kliniken aufhielt und keine langen Flüge machen durfte, war das schwierig. Das gebe ich zu.

Jetzt befinde ich mich aber im Nahen Osten und es ist alles geregelt. Die Investoren und Gelder sind bereit und ich habe bereits Vorstandsmitglieder des FK Austria eingeladen, um sie persönlich mit den Investoren bekannt zu machen und um die Kapitalquellen und Dokumente zu prüfen. In Anbetracht unserer Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit der Austria muss ich allerdings hinzufügen, dass wir die Investitionsbedingungen ändern müssen.

Sky: Welche Forderungen stellen Sie an den Verein?

MS: Das gesamte Management muss gehen und wir möchten Entscheidungsbefugnis im Clubmanagement erhalten. Das derzeitige Management von FK Austria argumentiert, dass dies einen Verstoß gegen die TPO-TPI (Third-Party-Ownership/Third-Party-Investment) Auflagen der FIFA darstellt. Wir haben dazu ein offizielles und positives Schreiben der FIFA vorgelegt, welches jedoch vom jetzigen Management nicht beachtet wird.

Wir haben das Gefühl, dass den führenden Personen des Vereins die echte Gewinnermentalität fehlt. Das Management kümmert sich um kleine und unbedeutende persönliche Interessen. Meiner Meinung nach hilft das weder dem Verein noch den Fans dabei, ihre Ziele zu erreichen.

Sky: Derzeit stehen 49 % des Clubs zum Verkauf. Ist es eine Option für die Insignia-Gruppe, sich am FK Austria Wien zu beteiligen?

MS: Ja, wir sind bereit, ein Angebot über 49,9 % des FK Austria Wien vorzulegen.

Sky: Wenn ja, zu welchem Preis und zu welchen Bedingungen?

MS: Die Bewertung des Clubs ist bekannt und liegt derzeit bei rund 25 Millionen. Aber die finanzielle Situation des Clubs muss sorgfältig in einem Due Diligence Verfahren geprüft werden, denn wenn wir kaufen, übernehmen wir natürlich auch die entsprechenden Verbindlichkeiten. Weitere Bedingungen sind eine Neuwahl des Vorstands und die Entbindung des derzeitigen Managements von ihren Aufgaben.

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Sky: Wie sehen Sie die sportliche Entwicklung von FK Austria?

MS: FK Austria ist ein traditionsreicher und bedeutender Club mit einer großartigen Infrastruktur und toller Unterstützung durch seine Fans. Wir glauben, dass FK Austria die europäische Fußball-Elite erreichen kann. Wenn das Leicester, Salzburg, Lille, Atalanta oder die Young Boys geschafft haben, warum nicht auch Austria Wien?

Sky: Wurden die Ziele der Champions League und der europäischen Königsklasse zu früh kommuniziert?

MS: Der Gedanke, die Champions League zu gewinnen, ist aus heutiger Sicht natürlich zu früh (lacht). Auch über das Halbfinale der Champions League müssen wir uns heute keine Gedanken machen. Um dem Verein zurück zum Erfolg zu führen, brauchen wir in erster Linie Zeit, Geduld, das richtige Management, die Unterstützung der Fans und natürlich Geld.

Sky: Hat sich die Insignia-Gruppe in dieser Partnerschaft immer vorbildlich verhalten?

MS: Abgesehen von meiner Krankheit und den daraus entstehenden Verzögerungen hat Insignia alle Verpflichtungen aus dem Sponsoringvertrag erfüllt. Trotzdem behauptete Gerhard Krisch, dass die „georgische Firma” nur 290.000 Euro überwiesen hat. Das ist nicht wahr, Insignia hat alle Rechnungen vertragsgemäß bezahlt.

Ich möchte noch etwas über meine georgische Herkunft sagen: Ja, ich komme ursprünglich aus Georgien, habe mein Heimatland aber bereits vor 30 Jahren verlassen. Als Unternehmen hat Insignia keine Registrierung oder auch nur ein Büro in Georgien oder Russland. Wir sind ein internationales Unternehmen mit Hauptsitz in Hongkong. Wir haben weltweit 12 Niederlassungen und 1.800 Mitarbeiter. Uns durchweg als „georgisches Unternehmen” zu bezeichnen ist einfach zu kurz gegriffen.

Sky: Halten Sie es für realistisch, dass Insignia und der FK Austria Wien im Februar 2022 noch zusammenarbeiten werden?

MS: Das ist schwierig vorherzusehen und kommt vor allem auch auf das weitere Vorgehen des Clubs an. Wir hoffen auf eine positive Entwicklung und arbeiten darauf hin. Wie es am Ende aussehen wird, steht in den Sternen.

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Interview geführt von: Johannes Brandl am 19.11.2021