Austria-Frauen gegen Juve um ersten Champions-League-Sieg
Das Frauenteam der Wiener Austria will in Zeiten, in denen die Männer von Niederlage zu Niederlage eilen, für Positiv-Schlagzeilen rund um den Club sorgen. Am Mittwoch (18.45) bietet sich im Champions-League-Heimspiel gegen Juventus Turin dafür eine gute Bühne.
Will Österreichs Meister ein Wörtchen um den Aufstieg mitreden, sollte im dritten von sechs Spielen der Ligaphase der erste Sieg eingefahren werden. Juve hat mit drei Zählern zwei mehr gesammelt als die Wienerinnen.
Austria-Trainer Stefan Kenesei fand es „cool“, dass man überhaupt mit dem Thema Aufstieg konfrontiert werde. Durch starke Auftritte beim 0:1 bei Chelsea und 1:1 gegen Inter Mailand habe man sich das erarbeitet. „Wir wollen an die Leistungen anknüpfen“, betonte der 41-Jährige. Die Selbstverständlichkeit, zu sagen, in der Champions League müssten drei Punkte her, habe man als Außenseiter nicht. Seiner Rechnung nach sollten sechs oder sieben Punkte für das Weiterkommen reichen. „Wenn wir das auch noch erreichen würden, wäre es der nächste Eintrag in den Geschichtsbüchern. Wir geben Gas und schauen, dass wir unsere bestmögliche Leistung bringen.“
Schiechtl und wohl auch Schöffel fehlen
Die Vorzeichen sind aber nicht die besten. Die in der Abwehr gesetzte Katharina Schiechtl fehlt wegen einer Oberschenkelverletzung, wegen der mit ziemlicher Sicherheit auch mit Louise Schöffel eine weitere ÖFB-Teamakteurin ausfallen wird. Vor allem Letztere ist für das Spiel der Wienerinnen von enormer Bedeutung. „Auch bei uns macht sich die Saison spürbar, die intensiven Spiele. Wir haben Spielerinnen mit ein paar Wehwehchen“, sagte Kenesei. Dazu zählt auch Tatjana Weiss, die aber wohl die Zähne zusammenbeißen wird. „Ich glaube, dass wir jedenfalls stark genug sein werden, um Juve Paroli bieten zu können“, meinte Kenesei.
Voller Tatendrang ist Elisa Pfattner, wartet doch ein familiäres Duell. Ihre 21-jährige Cousine Eva Schatzer ist bei Juventus tätig und besitzt mit 400.000 Euro den höchsten Marktwert der Mannschaft, wo Pfattner viele Jahre im Nachwuchs und am Schluss auch im A-Team verbracht hat. Im Sommer 2023 ging es für die italienische U23-Teamspielerin zu Neulengbach, zwei Jahre später folgte der „Aufstieg“ zur Austria. „Es ist das erste Mal, dass ich gegen sie spiele, das ist schon sehr besonders“, betonte die 22-Jährige. Zu erwarten sei ein sehr spannendes Duell, der Ausgang sei schwierig zu prophezeien. „Juventus hat eine richtig gute Mannschaft, ist spielerisch extrem stark, aber wir haben genau die Mittel, um sie zu ärgern, wir müssen unsere Stärken ausspielen“, analysierte Pfattner.
Bei Juve „passen nur die Ergebnisse nicht“
Beim 1:1 gegen Inter war das über weite Strecken gelungen, gab es den bitteren Ausgleich erst in der Nachspielzeit. Juve ist am Papier ein wenig schwächer einzuschätzen, zumal die Turinerinnen mit nur drei Punkten aus vier Ligaspielen und Rang neun schwach in die italienische Liga gestartet sind. Zuletzt gab es ein Heim-2:5 gegen Leader AS Roma. „Man möchte glauben, dass sie unter Inter zu stellen sind, wenn man es aber tiefer betrachtet, sich die Spiele im Detail anschaut, sieht man, dass bei Juventus aktuell nur die Ergebnisse nicht passen“, sagte Kenesei. Auch gegen die Römerinnen hätten die Gastgeberinnen, wo Larissa Rusek Ersatztorfrau ist, mehr Chancen vorgefunden. „Das Spiel war alles andere als eindeutig.“
Juve-Aushängeschild ist die 30-jährige Spanierin Alba Redondo, die 2023 mit Spanien die WM gewann. „Auf uns wartet wieder eine große Herausforderung. Wenn man eine Weltmeisterin in den Reihen hat, sagt das viel über den Kader aus“, schilderte Kenesei. Trotzdem gelte es, mutig aufzutreten und selber die Initiative zu ergreifen. Im Vergleich zu den zwei Auftritten in der „Königsklasse“ und auch dem jüngsten Liga-1:1 gegen Altach müsse sein Team im Abschluss „effizienter“ werden. „Wenn wir einmal ein oder zwei Tore mehr schießen, fällt vieles leichter.“
Zumindest 4.000 Zuschauer bringen Rekord
Für Juve ist es der zweite Saisonauftritt in Österreich, in der Quali hatten sie im Hinspiel in der NV Arena gegen den SKN St. Pölten 3:0 gewonnen, in Italien hatten sich die Teams 1:1 getrennt. „Wir werden eine andere Herangehensweise als St. Pölten wählen“, betonte Kenesei. Deutlich besser wird auch die Unterstützung von den Rängen sein, zumindest 4.000 Besucher werden für einen neuen Zuschauerrekord sorgen. Die Anhänger wolle man begeistern und damit eine positive Energie versprühen. Die Vorgänge beim Männerteam hat Kenesei natürlich mitbekommen. „Das hat für mich als Trainer, für meine Arbeit, überhaupt keinen Einfluss. Der volle Fokus liegt auf meinem Team.“
