Austria historisch schwach: „Es wartet sehr viel Arbeit“
Verpatzt war mit einem Punkt aus den ersten vier Runden schon der Start in die Vorsaison. Vier Niederlagen in den ersten fünf Ligapartien sind der Wiener Austria in ihrer Geschichte in der Bundesliga aber noch nie passiert.
Dennoch war man beim Tabellenschlusslicht nach der 0:1-Heimpleite am Mittwoch gegen die WSG Tirol um Ruhe bemüht. „Jetzt geht es nur über Zusammenhalt“, sagte Trainer Stephan Helm. Das Wort „Krise“ nahm er nicht in den Mund.
„Es wartet sehr viel Arbeit auf uns, das ist uns bewusst“, betonte Helm. Man schaue sehr kritisch auf die eigenen Leistungen. „Umgekehrt ist es aber extrem wichtig in der Phase, dass man dem Ganzen im Fußball mit dem nächsten Spiel schon die Wende geben kann.“
Alles andere als der Aufstieg im ÖFB-Cup am Samstag (17.30 Uhr) beim Regionalligisten FC Traiskirchen könnte Helm ernsthaft in Bedrängnis bringen. In der Liga sollten danach gegen Aufsteiger Austria Lustenau die ersten Heimpunkte her.
„Wir werden die Unterstützung von allen drumherum brauchen. Darauf haben wir in der Vergangenheit immer zählen können“, sagte Helm, der am Verteilerkreis seit zwei Jahren das Zepter schwingt. „Unsere Verantwortung ist, dass wir die Energie auf den Platz bringen.“ Gegen die WSG fehlte es vor allem im spielerischen Bereich. Helm: „Man muss den Rhythmus eines Spiels bestimmen, das ist uns nicht gelungen.“
Zu wenig Trainingszeit wegen Europacup-Playoff?
Als möglichen Grund für die neuerlichen Probleme zum Saisonstart nannte der Burgenländer die sechs zusätzlichen Europacup-Quali-Spiele. „Wenn man sieben Wochen nicht trainiert, sondern nur spielt, ist das zwar für die Entwicklung der Spieler sehr positiv, trotzdem kann man in gewissen anderen Bereichen nicht so arbeiten. Vielleicht sind wir dem in dem Ausmaß nicht so gewachsen.“
Auch Kapitän Manfred Fischer („Es ist gefühlt leider jährlich das gleiche Theater bei uns“) vermisste Trainingszeit im taktischen Bereich. „Das ist keine Ausrede, aber ich weiß, dass der Trainer da wirklich einen Impact hat auf die Mannschaft. Je mehr Trainingseinheiten, desto positiver bin ich gestimmt, dass wir aus der schwierigen Phase wieder herauskommen.“
In den Playoff-Spielen gegen Sporting Braga (0:2 und 0:0) oder auch beim 0:2 zu Hause gegen Meister LASK habe man laut Helm bewiesen, dass man es besser könne. „Das hat gezeigt: Wenn wir die richtige Balance auf den Platz bringen, sind wir eine sehr kompetitive Mannschaft.“
Für personelle Nachbesserungen vor Transferschluss am (heutigen) Donnerstag fehlen ohnehin die finanziellen Mittel. „Ich bin überzeugt, wenn alle da sind, wenn alle fit sind, dann werden wir schnell wieder Spiele gewinnen und das Ganze in eine richtige Richtung bringen“, sagte der Austria-Coach. „Punktemäßig sind wir sehr nahe an der Region, wo wir hinwollen.“ Drei Zähler fehlen auf die obere Tabellenhälfte.
WSG bleibt im Osten
In diese ist die WSG mit ihrem zweiten Sieg in Folge vorgestoßen. Die Leistungen seien laut Trainer Philipp Semlic schon vor dem 4:0 am Samstag in Lustenau in die richtige Richtung gegangen. „Wir haben eine neue, eine sehr junge, aber auch eine sehr talentierte Mannschaft“, meinte der Steirer. „Siege geben natürlich Vertrauen. Wir wissen aber schon, dass wir noch einen weiten Weg vor uns haben.“
Kurzfristig führt er zur zweiten Cup-Runde am Samstag (17.00 Uhr) beim Viertligisten SV Leithaprodersdorf ins Burgenland. Um sich weitere Reisestrapazen zu ersparen, blieben die Tiroler nach dem Coup in Wien im Osten. Ihr Quartier bezogen sie in Rust. Semlic: „Die Gefahr ist oft, wenn du so ein gutes Spiel wie hier abgeliefert hast, dass du dann einen unterklassigen Verein unterschätzt. Das werden wir nicht. Wir wollen von der ersten Minute an unsere DNA sehen.“
Diese DNA hat auch Valentino Müller in sich. Der Ex-Kapitän ist nach seinem Vertragsende weiter vereinslos. Ihn so wie Matthäus Taferner zurückzuholen, steht vorerst nicht auf Semlics Agenda. Müllers klarer Wunsch sei ein Wechsel ins Ausland gewesen. „Wenn ein Mensch klar ist, unterstütze ich das. Ich hoffe, dass er einen Verein findet, wo er für sich als Person den nächsten Schritt gehen kann.“ Den strebt auch Ademola Ola-Adebomi an. Wegen des englischen Stürmers befindet sich die WSG laut Semlic „in Ablösegesprächen mit einem anderen Verein“.
HIGHLIGHTS | Austria Wien – WSG Tirol | 4. Runde
