Belgien wartet: Der WM-Traum der USA lebt weiter
Das Nationalteam der USA hat sich bei der Fußball-Heim-WM auch in Unterzahl nicht irritieren lassen und den Einzug ins Achtelfinale geschafft . Nach dem 2:0-Erfolg über Bosnien-Herzegowina in Santa Clara feierten Coach Mauricio Pochettino und seine Truppe zu John Denvers Klassiker „Take Me Home, Country Roads“. „Als dieses Lied im Stadion erklang, war es unmöglich, nicht mitzusingen“, sagte der Argentinier, der nun bereits den nächsten Gegner Belgien im Fokus hat.
Die US-Amerikaner waren gegen Bosnien das spielbestimmende Team und führten 1:0, als Torschütze Folarin Balogun vom Platz flog. Der Stürmer hatte seinen Gegenspieler Tarik Muharemovic in einem Zweikampf hart, aber offensichtlich unabsichtlich getroffen. Schiedsrichter Raphael Claus aus Brasilien schaute sich die Szene noch einmal an und entschied auf Rot. „Für mich ist das niemals eine rote Karte. Das war niemals Absicht“, sagte Pochettino.
USA auch in Unterzahl stark
Der WM-Co-Gastgeber überstand mehr als eine halbe Stunde in Unterzahl unbeschadet und legte durch einen Freistoßtreffer von Malik Tillman noch nach. „Dieses Spiel hat unseren Charakter gezeigt. Wir werden immer weiterkämpfen“, sagte Tillman. „Das war der Moment, allen zu beweisen – und auch uns selbst -, dass es nicht nur leere Worte sind, wenn wir sagen, dass wir eine Familie sind“, meinte Pochettino. „Ich finde, die Mannschaft hat genau das gezeigt: ihre Qualität, ihre Fähigkeit, auf höchstem Niveau zu bestehen und füreinander zu kämpfen.“
Den USA fehlt nun Balogun – mit drei Toren bester Torschütze seines Teams – im Achtelfinale. Pochettino muss sich überlegen, wie er seinen zentralen Angreifer gegen Belgien ersetzt. „Für uns geht es jetzt darum, weiter zu träumen“, sagte Pochettino. „Im Fußball ist vieles möglich, wenn man daran glaubt. Und wir werden daran glauben – mit allem Respekt vor Belgien.“
Bosnien-Coach Barbarez: „Können stolz sein“
Das WM-Aus hat indes Bosniens Teamchef Sergej Barbarez sichtlich mitgenommen. Der 54-Jährige lief nach dem 0:2 tief bewegt mit Tränen in den Augen über den Rasen in Santa Clara. „Wir müssen zugeben, dass wir es nicht geschafft haben. Aber ich habe den Jungs direkt nach dem Spiel gesagt, wie stolz ich auf sie bin“, sagte Barbarez. „Dass unsere Mannschaft zum ersten Mal – und hoffentlich nicht zum letzten Mal – so weit gekommen ist, darauf können wir wirklich stolz sein. Darauf müssen wir aufbauen.“
Für das Land war es erst die zweite WM-Teilnahme bzw. das erste WM-K.o.-Spiel überhaupt. Nach dem Aus erhielt der Trainer eine Nachricht von seiner Mutter. „Ich dachte, sie würde schon schlafen. Und ich weiß: Wenn sie noch wach ist, dann sind wahrscheinlich alle anderen auch noch wach. Das freut mich sehr.“ Das gebe „Hoffnung, dass das, was wir tun, etwas Gutes ist“, sagte Barbarez. „Dass diese Verbundenheit zwischen uns und all unseren Landsleuten – egal, ob sie hier sind oder irgendwo auf der Welt, besonders in Bosnien-Herzegowina – wirklich funktioniert. Ich glaube, die Menschen vertrauen uns. Sie wollen Teil unserer Geschichte sein.“ Deshalb hoffe er, „dass wir unseren Weg weitergehen werden“.
