Best of Talk und Tore mit Hütter, Bjelica und Werner und Michael Gregoritsch

Wien, 14. Dezember 2015. Zu Gast bei „Talk und Tore“, der tipico-Fußballdebatte am Sonntag, 13. Dezember 2015 waren Young Boys Bern-Trainer Adi Hütter, HSV-Legionär Michael Gregoritsch, U21-Nationalteamtrainer Werner Gregoritsch und Ex-Austria und Ex-WAC-Trainer Nenad Bjelica. Hier einige Aussagen des von Martin Konrad moderierten Live-Talks. Zitate nur mit Nennung Sky Sport Austria.

Adi Hütter:
…über die ersten Monate mit Young Boys Bern: „FC Basel ist ganz klar vorne mit zehn Punkten. Der Erste spielt direkt Champions-League, der Zweite kann Qualifikation spielen. Deswegen ist für uns der zweite Platz enorm wichtig. Ich habe die Mannschaft dort an fünfter Position übernommen mit neun Punkten aus sieben Spielen. Wir haben jetzt nach achtzehn Spielen 28 Punkte. Wenn wir das letzte Spiel gegen Luzern gewonnen hätten, hätten wir in elf Spielen 22 Punkte, das wären zwei Punkte pro Spiel. Ich bin nicht unglücklich, bin aber auch nicht ganz zufrieden. Wir haben noch viel vor uns. Wir haben eine gute Mannschaft, die Ansprüche sind sehr hoch. Die Erwartungshaltung ist bei YB auch sehr hoch. Ein spannender Verein, guter Verein, großer Verein.“

…stellt das Niveau der Schweiz ein wenig über jenes von Österreich: „In der Schweiz liegt Basel zehn Punkte vor Grasshoppers Zürich. Grundsätzlich ist es ähnlich, zehn Mannschaften spielen viermal gegeneinander. Unterschiedlich ist sicher die Infrastruktur. In Summe gesehen ist es strukturierter und professioneller. Was in Österreich der Fall ist, dass bei den Vereinen mehr jungen Spieler spielen. In der Schweiz sind mehr Ausländer engagiert. Es ist ähnlich, wobei ich den Schweizer Fußball in den drei Monaten, in denen ich dort bin, doch besser bewerte als die österreichische Liga. Aber wir müssen uns nicht verstecken.“

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…warnt vor übertriebener Erwartungshaltung: „Es ist sicherlich eine Gruppe wo wir etwas bewegen können. Auch in jeder anderen Gruppe könnten wir etwas bewegen. Ich habe nur heute gelesen, wir müssen weiterkommen. Das Unter-Druck-setzen hat für mich keinen Platz. Wir sollten uns einfach einmal freuen, dass wir in den letzten drei Jahren eine Entwicklung gemacht haben. Bescheidenheit ist eine Tugend. Ich glaube, dass wir weiterkommen können, aber müssen ist nicht der richtige Ansatz. Island hat auch eine gute Qualifikation gespielt, Ungarn ist dabei, jeder, der bei dieser Europameisterschaft dabei ist, versucht eine Runde weiterzukommen. Ich bin überzeugt, dass unsere Nationalmannschaft eine gute Figur macht.“

…hätte sich von Salzburg in der Bundesliga mehr erwartet: „Ich war in den ersten drei Monaten noch hier, dann bin ich in die Schweiz gewechselt. Bis dahin habe ich noch alles genau mitverfolgt. Ich habe auch gesehen, dass es leider international nicht für die Champions-League gereicht hat. Bitter war das Aus gegen Dinamo Minsk. Ich habe auch das Aus von Peter Zeidler mitbekommen und jetzt nach 20 Runden steht Salzburg mit 37 Punkten an der Tabellenspitze. Das ist nicht bedeutend viel. Rapid hat bedingt durch die Europa-League auch geschwächelt. Es war die achte Niederlage. Das ist sehr, sehr viel für 20 Spiele.“
…äußert sich zur Ablöse von Salzburg-Trainer Peter Zeidler: „Dass es mit Peter Zeidler schlussendlich nur über fünf Monate gegangen ist, hat mich auch gewundert, weil er ein Trainer ist, der die Philosophie des Vereines lebt. Was der Grund gewesen sein kann, warum er nicht mehr Trainer ist, das wissen die Beteiligten am besten. Jetzt hat Tomas Letsch in zwei Spielen vier Punkte gemacht, zweimal zu Null gespielt. Ob er für die Zukunft eine Lösung ist, das weiß ich nicht. Man hört Niko Kovac ist ein Thema. Die Frage wird für mich grundsätzlich sein, ob die Philosophie weiterhin Stand behält, ob man weiterhin stur an diese Art und Weise Fußball zu spielen denkt. Ich finde sie grundsätzlich absolut okay aber man muss auch irgendwann einmal wieder beginnen umzudenken, vielleicht nicht nur Plan A zu haben“

…über Gründe, die zur Trennung mit Red Bull Salzburg geführt haben: „Es gab bei mir nicht nur Auffassungsunterschiede, was den Kader betroffen hat, sondern auch was die Spielphilosophie betrifft. Ich wollte die Mannschaft auch im Spiel mit dem Ball verbessern, das wurde nicht gern gesehen. Deswegen war für mich auch klar, dass ich meiner Linie treu bleiben wollte. Ich habe Fußball durch Ralf Rangnick und Helmut Groß anders kennengelernt, dafür bin ich auch dankbar. Aber ich glaube, wenn dann schon alle anderen Mannschaften draufkommen, dass es ein Gegenmittel gibt, dann muss man sich auch weiterentwickeln. Da hatten wir ganz klare Auffassungsunterschiede. Wenn ich heute den Fußball von RB Leipzig sehe, dann sehe ich nicht mehr das bedingungslose Attackieren nach vorne, das ständige Ball jagen, weil es auch im Endeffekt um Ergebnisse geht.“

…appeliert an Teamspieler Martin Hinteregger: „Ich habe ihn ein Jahr lang genossen. Er ist ein absolut toller Spieler mit riesigem Potential. Er ist ein eigener Typ und das braucht man auch, wenn man Weltklasse sein möchte. Aber was ich nicht verstehe und was sich nicht gehört ist, wie er sich teilweise geäußert hat. Er ist ein Vorbild, er ist Nationalspieler. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es der einzige Grund war, dass er sein Regenerationstraining nicht ordentlich absolviert hat. Da muss mehr im Busch sein. Martin wird das selber am besten wissen und die Verantwortlichen auch. Er war eigen, aber ich konnte mit ihm gut. Ich möchte auch an Martin appellieren, dass er mit seinem Alter für den österreichischen Fußball ein Vorbild ist. Das sollte ihm eine Lehre sein, dass man sich professionell verhält, auch wenn man mit dem Trainer vielleicht nicht kann.“

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Nenad Bjelica:
…über seine persönliche Zukunft: „Österreich ist für mich absolut ein Thema. Ich bin offen für jedes Gespräch. Jetzt habe ich Erholungszeit, aber auch viele Anrufe bekommen, nicht nur aus Österreich.“

…über die Chancen Österreichs bei der Europameisterschaft: „Die Gruppe ist sehr ausgeglichen. Ich glaube, dass Portugal der erste Favorit sein könnte, der letztens nicht so überragend gespielt hat. Ich glaube, dass Österreich gegen jeden Gegner Chancen haben wird um zu gewinnen. Auch, weil die Mannschaft in letzter Zeit sich gut entwickelt hat, schönen Fußball gezeigt hat und erfolgreich gespielt hat. Es sind alle Chancen da, um weiterzukommen und ich bin sicher, dass Österreich eine sehr gute Europameisterschaft spielen wird.“

Michael Gregoritsch:
…möchte noch rechtzeitig auf den EM-Zug aufspringen: „Ich glaube, ich darf mittlerweile als Ziel bezeichnen, A-Nationalspieler zu werden und dann vielleicht im Sommer schon dort dabei zu sein. Ich werde natürlich alles geben. Im Endeffekt entscheidet natürlich der Trainer. Aber bis dahin werde ich es ihm so schwer wie möglich machen, auf mich zu verzichten.“

…lobt die Hilfsbereitschaft seiner Kollegen beim HSV: „Das muss ich bestätigen. Das ist noch eine meiner größten Schwächen, wenn es gut läuft, dass dann ein Schritt weniger gemacht wird, was meine schlechteste Eigenschaft am Fußballplatz ist. Ich muss aber Rene Adler und alle Spieler in Hamburg loben, auch in Bochum, St. Pauli und Hoffenheim. Sie haben mir immer in den Arsch getreten. Wenn man sieht wie sie mich aufgenommen haben, wie sie mir das Gefühl geben, dass ich etwas wert bin, dass ich ihnen helfen kann. Das ist nicht selbstverständlich bei so einem Riesen-Klub. Ich bin sehr dankbar und hoffe, dass ich ihnen so viel wie möglich zurückgeben kann.“

Werner Gregoritsch:
… zieht Bilanz über die Herbstmeisterschaft in der österreichischen Bundesliga: „Zum einen ist es die Ausgeglichenheit der Liga, die sich zeigt, zum anderen beurteile ich es aus der Sicht des U21-Trainers und muss sagen, dass in jeder Mannschaft bei mir spielberechtigte Spieler zum Einsatz kommen. In der letzten Woche waren 17 Spieler in den Vereinen tätig. Diese Entwicklung ist sehr positiv für uns. Dann muss man sagen, dass es für das Publikum und den gesamten österreichischen Fußball sehr spannend ist. Und bei der Qualität der Liga muss man auch ein bisschen zurück denken. Ich glaube, dass es in den großen Ligen schon sehr langweilig ist, weil es nur eine Topmannschaft gibt. Siehe in Deutschland Bayern München oder in Spanien Barcelona oder Real Madrid. Da ist es schwierig, die Spannung aufrecht zu erhalten. Ich glaube, dass es bei uns sehr positiv ist. Die ersten vier Mannschaften sind erwartungsgemäß vorne.“

Eine Wiederholung der aktuellen „Talk und Tore“-Sendung ist heute, Montag, 14. Dezember 2015 um 23.45 Uhr, morgen Dienstag, 15. Dezember 2015 um 08.45 Uhr und am Mittwoch, 16. Dezember 2015 um 07.30 Uhr und um 18.45 Uhr auf Sky Sport Austria HD zu sehen.