Bitteres Debakel für Kraft und disqualifizierten Tschofenig
Der Großschanzenbewerb ist für die zwei hoch dekorierten Skispringer Stefan Kraft und Daniel Tschofenig zum Debakel geraten. Der dreimalige Einzelweltmeister Kraft kam am Samstag in Predazzo als 36. nicht einmal ins Finale. Tschofenig wurde als Achter des ersten Durchgangs wegen regelwidriger Schuhe disqualifiziert. Für Kraft gingen damit die nächsten Winterspiele ohne Einzelmedaille zu Ende, auch Tschofenig hat wenig Aussicht auf eine Nominierung für den Super-Team-Bewerb.
Tschofenig verwendete ausgerechnet im Olympia-Wettkampf neue Schuhe, deren exakte Größe nicht wie üblich zuvor von ihm selbst nachgemessen wurde. „Das ist extrem bitter, weil es wäre ein guter Sprungtag gewesen. Aber Regeln sind Regeln, deswegen kann ich auf keinen anderen angefressen sein, als auf mich selber. Ich war leider so naiv und habe nicht nachgemessen“, sagte der Weltcup-Gesamtsieger der Vorsaison. Er habe nach einem Test in einem der freien Trainings zum neuen Modell gegriffen, um seine Probleme in der Anfahrt in den Griff zu bekommen. „Ich habe mir erwartet, dass ich mit dem Schuh einen besseren Stand in der Anfahrt habe. Ich habe gedacht, ich probier es mit was anderem“, sagte der Kärntner und betonte, dass ein um wenige Millimeter größerer Schuh keinerlei Vorteil bringen würde.
Tschofenig mit schlechten Karten für Teambewerb
Die Disqualifikation kostete Tschofenig wohl auch die Teilnahme am neuen Zweier-Teambewerb am Montag. Dafür ist der fünftplatzierte Jan Hörl Fixstarter, und der auf Rang sieben gekommene Stephan Embacher hat bessere Karten als Tschofenig. „Ich wäre ihnen nicht böse, wenn ich nicht aufgestellt bin“, sagte Tschofenig, der sich nach dem Rückschlag neu sammeln will und im Weltcup wieder aufzeigen möchte. „Ich kann, so blöd es klingt, aus dem Wettkampf auch positiv rausgehen, weil ich einen Schritt gemacht habe und auf was draufgekommen bin. Ich hoffe, dass das in den nächsten Bewerben so weitergeht, und der Schuh passt.“
Schlechte Leistungen wurmen Kraft
Der auch schon auf der Normalschanze als 27. enttäuschende Kraft fand auch auf der großen Anlage kein Rezept, die Anlaufspur bereitete dem Salzburger große Probleme. „Es hat nicht hingehaut. Ich bin hier nie in einen Flow reingekommen. Ich fühle mich in der Spur einfach unwohl und bin damit nicht zurechtgekommen. Ich habe kein Konzept gefunden“, bedauerte Kraft. Trotz des unguten Gefühls habe er seinen Sprung voll durchgezogen, das sei leider nach hinten losgegangen. „Einen Rückzieher oder einen braven Sprung, das kann ich nicht und will ich nicht. Es war dann ein bisschen zu viel.“
Der Sieger von 46 Weltcupbewerben will bis zum Heimweltcupfliegen am Kulm in zwei Wochen wieder in die Spur finden. Sein Wille sei ungebrochen. „Das wurmt mich schon brutal, ich möchte unbedingt wieder zurückschlagen und hart trainieren, viel auf der Schanze sein, dass das Selbstvertrauen wieder wächst“, kündigte Kraft an, bevor er sich von seiner Familie trösten ließ.
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(APA)/Beitragsbild: GEPA
