Blau-Weiß Linz schickt Brief an Schiedsrichter – Schösswendter: „Geht nicht um eine Strafe“
Nach einer umstrittenen Szene um einen Elfmeterpfiff beim Bundesliga-Spiel zwischen dem TSV Hartberg und Blau-Weiß Linz (1:1 – VIDEO-Highlights) haben sich die Linzer mit einem Brief an die Fußball-Bundesliga und die Schiedsrichter des ÖFB gewandt. Der Sportdirektor der Linzer Christoph Schösswendter spricht auf Sky-Nachfrage über die Vorkommnisse und warum sich der Verein mit einer Mitteilung an die Offiziellen gewendet hat.
Was ist passiert? Im Mittelpunkt stand eine Szene am Spielfeld in der 28. Minute: Hartberg-Mittelfeldspieler Youba Diarra stieg Blau-Weiß Akteur Christopher Cvetko bei einem Zweikampf auf den Fuß. Die Pfeife von Schiedsrichter Julian Weinberger blieb stumm, der VAR griff nicht mehr ein. „Für uns ist das ein klarer Elfmeter“, so Schösswendter. „Aber es geht mir gar nicht nur um diese Fehlentscheidung an sich. Was mich stört, ist, dass der Schiedsrichter nicht einmal rausgeschickt wurde, um sich die Szene selbst anzuschauen. Wenn er sich die Bilder ansieht und dann sagt, es ist ihm zu wenig, dann werden wir auch nicht glücklich sein. Aber dann hat er es zumindest überprüft. Dieser fehlende On-Field-Review ist für mich der zentrale Punkt.“
Die strittige Strafraum-Szene im Video
Nach dem Pausenpfiff suchte der 37-Jährige das Gespräch mit dem Schiedsrichter-Team. „Der Schiedsrichter hat mir erklärt, dass es für ihn zu wenig war. Auf die Frage, warum es keinen On-Field-Review gegeben hat, habe ich aber keine Antwort bekommen„, so der BWL-Sportdirektor. „Es ist dann emotional geworden. Da bin ich auch selbstkritisch, aber ich habe dann gesagt, dass es ein Skandal ist, dass diese Entscheidung nicht nochmal überprüft wurde. Daraufhin habe ich vom Schiedsrichterassistenten die Antwort bekommen, dass der einzige Skandal das Eigentor war, das wir uns selbst in der ersten Minute geschossen haben. Da wurde für mich eine Grenze überschritten.“
„Emotionen gehören dazu“
„Es soll auf keinen Fall der Eindruck entstehen, dass wir als Klub Ausreden suchen oder die Schuld für irgendetwas beim Schiedsrichter abladen wollen. Wir wissen, dass es in erster Linie an uns liegt. Wir müssen performen, wir müssen unsere beste Leistung abrufen. Das haben wir in dieser Saison zu selten geschafft„, so Schösswendter weiter. „Ich bin auch emotional, Emotionen gehören zum Sport dazu. Aber in der Situation wollte ich nur eine Antwort haben. Diese Aussage konnte ich dann aber nicht so stehen lassen. Das hat nichts mit Respekt zu tun.“
Nach dem Vorfall hat sich der Verein mit einem Brief an die Schiedsrichter der Bundesliga gewendet. „Meiner Meinung nach haben Schiedsrichter viel zu wenig Verständnis für gewisse Emotionen von Spielern oder Betreuern draußen. Natürlich ist die Handhabe schwer. Aber wenn es um so eine Aussage geht, frage ich mich, was es für einen Interpretationsspielraum gibt. Wie sieht diese Person uns und unser Spiel? Uns geht es nicht um eine Strafe. Uns geht es um die respektlose Kommunikation. Und da müssen wir weiter nach oben gehen, weil das kann nicht einfach so abgetan werden“, so der 37-Jährige.
Schösswendter: VAR in Österreich ist „schon zu überdenken“
Den Video Assistant Referee sieht Schösswendter kritisch: „Es ist ein großer Diskussionspunkt in Österreich. Ich weiß, dass es nicht leicht ist und ich weiß auch dass kein Schiedsrichter eine Situation absichtlich falsch einschätzt. Dass Schiedsrichter eine Situation anders einschätzen als die eigene oder die gegnerische Mannschaft ist auch ganz klar. Aber der VAR, so wie er bei uns eingesetzt wird, ist schon zu überdenken.“
Der Linzer Sportdirektor würde sich Veränderungen wünschen: „Wir reden davon, dass der Videoassistent die Spiele fairer machen soll. Aber dass Entscheidungen klarer und offensichtlicher getroffen werden, ist einfach nicht der Fall. Nicht nur für uns, sondern für die gesamte Liga. Es passieren zu viele Fehlinterpretationen. Es ist nicht mein Job, Lösungen parat zu haben. Fakt ist aber, dass man schon überdenken muss, wie setzt man ein und wie geht man damit um?“
„Geht um unfassbar viel“
„Oben wie unten ist es unfassbar eng, Es geht um unfassbar viel. Wir wissen, dass wir eine schlechte Saison haben und besser werden müssen. Aber wir wollen hier nochmal einen klaren Hinweis geben, welche wichtige Rolle die Schiedsrichter in den kommenden zehn Spielen haben werden“, so Schösswendter weiter.
„Sie haben Hilfsmittel, wie den VAR, die sie nutzen können, um die Spiele fairer zu gestalten. Es geht uns darum, dass in den kommenden Runden nicht nur die Mannschaften am Platz, sondern auch die Schiedsrichter die bestmögliche Leistung abrufen sollen.“
VAR bestätigt strittige Entscheidung
Der VAR Österreich hat die diskussionswürdige Szene aus dem Spiel gegen Hartberg bereits im VAR-Rückblick der 22. Runde adressiert. Laut dem Bericht war die Entscheidung korrekt und ein Eingreifen des VAR nicht notwendig. Zum Brief der Linzer liegt seitens der Liga aktuell keine Stellungnahme vor.
Blau-Weiß Linz startet am Samstag in die Qualifikationsgruppe der ADMIRAL Bundesliga. Das Tabellenschlusslicht gastiert beim SCR Altach (ab 16:30 Uhr live auf Sky Sport Austria – streame das Spiel mit Sky X live).
Bilder: GEPA