Bundesliga-Trainer begrüßen Reform – Skepsis bei Videobeweis

Wien (APA) – Im Sommer betritt die Fußball-Bundesliga Neuland. Die höchste Spielklasse wird auf zwölf Teams aufgestockt, die Liga nach dem Grunddurchgang geteilt. Die Trainer der zehn aktuellen Clubs stehen der Ligareform laut einer Umfrage der APA – Austria Presse Agentur überwiegend positiv gegenüber. Größer ist die Skepsis bei technischen Hilfsmitteln, die in anderen Ländern bereits zum Einsatz kommen.

Der Abschaffung der seit 1993 praktizierten Zehnerliga blicken mehr als die Hälfte der befragten Cheftrainer zuversichtlich entgegen. „Es wird eine spannende, neue Situation für alle Vereine, die letzten Endes für eine Qualitätsverbesserung für die gesamte Liga sorgt“, meinte etwa Rapid-Coach Goran Djuricin. „Wir wünschen uns, dass die Liga damit auf Dauer aufgewertet wird“, ergänzte Salzburgs Marco Rose.

„Ich glaube, dass es an der Zeit war, etwas zu verändern“, erklärte LASK-Trainer Oliver Glasner. „Es ist ein guter Ansatz in der höchsten Spielklasse.“ Die 2. Liga wird von zehn auf 16 Mannschaften erweitert. Von der Wirtschaftlichkeit der Vereine in Österreich sei das dort zwar nötig, meinte Mattersburgs Gerald Baumgartner. „Jedoch bin ich von der sportlichen Seite her nicht hundertprozentig überzeugt.“

Uneingeschränkt positiv sieht Heimo Pfeifenberger den neuen Bundesliga-Modus mit mehr Duellen direkter Konkurrenten. „Ich erwarte, dass noch mehr Pfeffer reinkommt“, sagte der WAC-Coach. Der Ex-Internationale kann sich längerfristig sogar eine weitere Aufstockung vorstellen. Abwartend äußerte sich Heiko Vogel von Tabellenführer Sturm Graz: „Das neue Format ist interessant, aber die Zeit wird zeigen, ob die Entscheidung richtig ist.“

Bedenken zur Reform kamen vor allem von Altach-Trainer Klaus Schmidt. „Ich glaube, das Meister-Play-off wird sehr attraktiv sein.“ Allerdings werde es neben Salzburg, Rapid, Austria und Sturm fast immer nur um zwei Startplätze für ebendieses gehen. „Die Mannschaften, die um die Plätze sieben bis zwölf spielen, werden darunter leiden“, meinte Schmidt.

Noch differenzierter fielen die Meinungen zu technischen Hilfsmitteln für die Schiedsrichter aus. Mit dem Videobeweis könnten sich fünf Trainer derzeit noch nicht anfreunden, bei der Torlinientechnologie ist die Zustimmung um zwei Mann – Admiras Ernst Baumeister und Rose – größer.

Rose würde zwar die Entscheidungshilfe für Tor oder nicht Tor begrüßen. „Der Videobeweis ist für mich in der Form, wie er aktuell in Deutschland umgesetzt wird, nicht tragbar.“ In der deutschen Bundesliga steht seit Saisonbeginn ein Videoreferee zur Verfügung. Die Entscheidungen sorgten mitunter aber für Verwirrung. Klarheit gab es nicht in allen Fällen.

Vogel, Schmidt und Djuricin sind grundsätzlich gegen den Einsatz der Technik-Hilfen. „Sie können den Spielfluss und das gesamte Erlebnis Fußball mit allem, was dazugehört, wie Emotionen und schnelle Entscheidungen, stark beeinflussen“, erinnerte der Rapid-Coach. „Fußball lebt von Tatsachenentscheidungen“, ergänzte sein neuer Kollege bei Sturm. Und Schmidt meinte: „Ich bin noch von der alten Schule. Mir passt es so, wie es ist.“

Für mögliche Neuerungen sprachen sich Glasner, Baumgartner, Pfeifenberger und Austrias Thorsten Fink aus. Bisher habe es dank der Hilfsmittel mehr richtige als falsche Entscheidungen gegeben, erklärte Fink. „Das macht es am Ende auch gerechter für alle.“ Nach einer gewissen Eingewöhnungsphase werde sich laut Glasners Einschätzung auch der Videobeweis etablieren.

„Die Tendenz geht auch international dorthin“, betonte Pfeifenberger. „Ich glaube, dass wir bei der Infrastruktur und der Technologie nachziehen müssen. Das darf man nicht übersehen, sonst bleiben wir in Österreich wieder stehen.“ Man dürfe die Augen vor technischen Hilfsmitteln nicht verschließen, meinte auch Oliver Lederer von Schlusslicht St. Pölten. „Prinzipiell denke ich, dass sie früher oder später sowieso kommen werden.“

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