„Chaos“ und kein Ende: City-Skandal versetzt England in Aufruhr
Der rechtliche Tauziehen um vermeintliche massive Finanzverstöße von Manchester City erschüttert die Premier League – und könnte Englands Fußball noch lange belasten.
Die Schockwellen sind massiv, beinahe stündlich gibt es neue Meldungen: Der Skandal um Manchester City versetzt ganz England in Aufruhr – und droht das Mutterland des Fußballs noch lange zu belasten. Selbst die Auftritte von Thomas Tuchels „Three Lions“ in der Nations League geraten in den Hintergrund.
„Das Chaos wird wohl weitergehen“, schrieb die BBC am Dienstag angesichts der vielen offenen Fragen rund um den Prozess gegen den stark in die Bedrängnis geratenen Branchenriesen. Die Rufe nach einem schnellen Urteil der eigens eingesetzten Kommission werden immer lauter, doch die Citizens wehren sich vehement.
City-CEO Soriano wehrt sich
Den jüngsten Beleg dafür lieferte Klub-CEO Ferran Soriano laut britischer Medien beim Treffen der European Football Clubs (EFC) in Kopenhagen am Montag. Der Spanier zeigte sich laut des Guardian in einem Statement überzeugt, dass die rechtliche Auseinandersetzung mit der Premier League um vermeintliche Finanzverstöße noch lange andauern – und City letztlich als Gewinner dastehen wird.
Die Welt rund um das liebste Hobby der Briten ist eine andere, seit vergangene Woche Medien von einer vermeintlichen Schuld des Triple-Gewinners von 2023 und Klubs von Superstar Erling Haaland berichtet hatten – in 114 von 115 Anklagepunkten im „Prozess des Jahrhunderts“. Der Klub unter Führung seiner milliardenschweren Klubbesitzer aus Abu Dhabi weißt den Vorwurf massiver Verstöße gegen die geltenden Regularien zurück. Noch immer fehlt eine offizielle Bestätigung der Berichte – schon längst wagt sich aber die Konkurrenz aus der Deckung.
Kritik von der Konkurrenz
Tony Pulis, 2011 Trainer von Stoke City bei der Finalniederlage gegen Manchester im FA Cup (0:1), betonte, dass er sich um den Titel „betrogen“ fühle. Roy Keane, Ikone des Stadtrivalen Manchester United, schlug in die gleiche Kerbe. Es sei die Entscheidung des Vereins gewesen, „sie haben sich für Betrug entschieden, und was auch immer sie in den letzten Jahren gewonnen haben, sie verdienen die Strafe“, sagte Keane bei ITV. Von einer „Zeit der Täuschung“ sprach am Dienstag zudem der US-Nationaltrainer Mauricio Pochettino, der lange in der Premier League tätig war.
„Haben betrogen“: United-Legende Keane teilt gegen ManCity aus
Was City konkret droht, ist dabei noch nicht ersichtlich. Grundsätzlich werden immer wieder Vergleiche zum FC Everton und Nottingham Forest herangezogen, die in der Saison 2023/24 wegen einzelner Verstöße gegen das Financial Fair Play mit Punktabzügen belegt wurden. Die Manchester-Saga mit ihren 115 Anklagepunkten scheint eine ganz andere Dimension zu haben – auch die Möglichkeit eines Zwangsabstiegs sehen die Statuten vor.
Ära von Mancini und Guardiola überschattet
Noch zögert die Liga mit der Verkündung zum Fall, der sich auf den Zeitraum zwischen 2009 bis 2018 bezieht. Es war der Beginn der hoch erfolgreichen Ära Pep Guardiola (ab 2016), zuvor arbeitete Italiens heutiger Nationaltrainer Roberto Mancini von 2009 bis 2013 für City. Dem Nachrichtenmagazin Spiegel zufolge, das die Ermittlungen der Premier League ins Rollen gebracht hatte, soll er einen Großteil seiner Vergütung über einen „fiktiven Beratervertrag“ erhalten haben.
Mancini ist mit sich im Reinen, wie er nun im Rahmen der Nations-League-Auftritte Italiens zu Protokoll gab. „Das ist deren Problem, nicht meins“, sagte der 61-Jährige, der den Skyblues 2012 den ersten Meistertitel nach 44 Jahren beschert hatte. Über diesem und vielen weiteren Titeln liegt nun ein deutlicher Schatten.
Ex-Trainer Mancini über City-Vorwürfe: „Deren Problem, nicht meins“
