Der Fall Partey: Schatten über Ghanas WM-Mission
Rhythmische Trommelklänge und fröhlicher Dauergesang hallten durch die Lobby des Delta Hotels, eine tanzende Fan-Armada sorgte für einen stimmungsvollen Empfang der Black Stars. „Hello, Toronto“, schrieb das Team Ghanas nach der Ankunft in Kanadas Metropole und stürzte sich mitten rein in den rot-golden-grünen Trubel aus Fahnen, Rasseln und Emotionen. Die inszenierte Leichtigkeit steht im krassen Kontrast zu den schwerwiegenden Vorwürfen gegen Thomas Partey, dem die Einreise zum WM-Auftaktspiel nach Kanada verweigert wurde.
Vor dem Auftaktspiel in der Nacht zu Donnerstag (01.00 Uhr) gegen Panama sitzt Partey fast 1000 Kilometer östlich im Teamquartier der Afrikaner auf US-Boden in Rhode Island fest. Die Regierung Ghanas hat gegen die Entscheidung Einspruch vor dem kanadischen Bundesgericht eingelegt und will eine einstweilige Verfügung erzielen. Die Anhörung war nach einem Bericht des Senders CBC für Dienstagmorgen (Ortszeit) angesetzt.
Partey war trotz des ausgestellten US-Visums von Kanadas Behörden abgewiesen worden, weil er sich seit geraumer Zeit vor einem Gericht in London wegen mutmaßlicher Vergewaltigung und sexueller Nötigung verantworten muss. Dies sorgt nun für ein Politikum. Und einen dunklen Schatten über Ghanas WM-Mission.
Ghana-Coach Queiroz: „Aktive diplomatische Bemühungen“
Was der Weltverband mit dem Hinweis bestätigte, keinen Einfluss auf Visa-Angelegenheiten der WM-Gastgeberländer zu haben, zog in Ghana größte Kreise. „Die Entscheidung beruht offenbar auf einem im Vereinigten Königreich anhängigen Strafverfahren, das bislang weder zu einer Verurteilung noch zu einer gerichtlichen Feststellung der Schuld geführt hat“, hieß es in einer Erklärung der ghanaischen Regierung. Man betreibe „aktive diplomatische Bemühungen“ gegenüber kanadischen Vertretern und hoffe, die Entscheidung rückgängig machen zu können. Der ghanaische Verband, der den Spieler trotz der im Raum stehenden Anschuldigungen in den WM-Kader berief, schwieg sich zu dem Thema lange aus.
Ghanas Nationaltrainer Carlos Queiroz gab sich am Dienstag bei der Pressekonferenz in Toronto zurückhaltend. „Wir rechnen im Moment mit allen 26 Spielern, die wir im Kader haben. Morgen treffen wir eine Entscheidung über die Startaufstellung. Kein Kommentar dazu. Ich glaube nicht, dass es notwendig ist, das zu kommentieren. Die Geschichte ist öffentlich“, sagte der Portugiese. Er müsse, „mit den Karten spielen, die vor mir liegen. Wir warten auf eine Entscheidung. Wenn die kommt, sind wir bereit.“
Partey in fünf Fällen angeklagt
Partey, der für die Vorrunden-Duelle mit England in Foxborough (23. Juni) und Kroatien in Philadelphia (27. Juni) wieder zur Verfügung stehen wird, war vor einem Jahr von der britischen Staatsanwaltschaft wegen mutmaßlicher Vergewaltigung in fünf Fällen und eines sexuellen Übergriffs angeklagt worden, die mutmaßlichen Straftaten sollen sich 2021 und 2022 ereignet haben. Der Villareal-Profi bestreitet die Vorwürfe. Im Februar war er erneut wegen zweifacher Vergewaltigung angeklagt worden, woraufhin er wieder auf nicht schuldig plädierte.
Ghana hat bei der fünften WM-Teilnahme auch sportliche Probleme. In vier Testspielen gelang der Mannschaft um Manchester-City-Star Antoine Semenyo kein Sieg. Auch unter Trainerfuchs Quieroz, der im April als Nachfolger von Otto Addo sein zwölftes Traineramt bei einer Nationalmannschaft übernahm und in seine fünfte WM startet, gelang die Kehrtwende bislang nicht.
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