Deschamps verabschieder sich mit Stolz: „Wunderschönes Erlebnis“
Didier Deschamps verabschiedete sich trotz der Niederlage in seinem letzten Spiel als gefühlter Sieger. „Es war ein wunderschönes Erlebnis, ein Abenteuer mit dieser Mannschaft, mit der wir acht Wochen zusammen verbracht haben“, sagte der französische Nationaltrainer nach dem spektakulären 4:6 (0:4) im kleinen WM-Finale gegen England: „Das ist die WM. Es ist wunderschön, es gibt nichts Schöneres.“
Dass es im letzten Spiel nach 14 Jahren unter seiner Leitung nicht zu einem Sieg und WM-Bronze reichte, nahm der 57-Jährige sogar auf seine Kappe. „Das wir es nicht geschafft haben, ist natürlich meine Schuld, wir hätten in der ersten Halbzeit mehr tun müssen“, sagte Deschamps. Die Enttäuschung, das Endspiel verpasst zu haben, sei natürlich da, aber: „Wir haben den Franzosen positive Emotionen bereitet.“
Tränen vergoss Deschamps nicht. Zumindest nicht nach dem Spiel, wo er sich allerdings zusammenreißen musste. „Ich möchte nicht vor euch weinen, aber ich könnte, weil ich so viele tolle Nachrichten bekommen habe“, sagte der 57-Jährige bei der Pressekonferenz. „Es ist das Ende einer Reise.“
Zeit für Zidane
Und was das für eine letzte Etappe war. Nicht nur aufgrund des letzten Spiels, bei dem Deschamps am liebsten acht statt nur vier Spieler in der Halbzeit ausgewechselt hätte. Die WM wurde auch vom Tod seiner Mutter überschattet. „Meine persönliche Situation, die ich niemandem wünsche, hat mich viel Energie gekostet“, erklärte Deschamps.
Der „Auswähler der Mannschaft Frankreichs“, wie der Nationaltrainer in Frankreich wörtlich übersetzt heißt, verabschiedete sich in den Urlaub mit seiner Familie. Sein Nachfolger ist offiziell bisher nicht verkündet worden. Doch es ist ein offenes Geheimnis, dass nun die Zeit von Zinédine Zidane gekommen ist.
Seit fünf Jahren ist der neben Michel Platini begabteste Spieler der französischen Fußball-Geschichte inzwischen ohne Job. Damals hatte Zidane bei Real Madrid aufgehört, die er zu drei Triumphen in der Champions League geführt hatte. Seitdem ist er im Wartestand, schlug lukrative Angebote aus – und hatte dabei offenbar stets die Nachfolge von Deschamps im Sinn.
VIDEO-Highlights: Zehn-Tore-Spektakel zwischen Frankreich und England
Mbappe enttäuscht über letztes Deschamps-Spiel
Sein Kapitän Kylian Mbappé fand die Niederlage „für den Trainer sehr schade“. Denn: „Wir wollten für ihn das Spiel gewinnen, ihm ein Geschenk machen“, sagte der 27-Jährige: „Aber leider hatte man in der ersten Halbzeit das Gefühl, dass wir ihn enttäuscht haben. Wir wollten ihm danke sagen, für alles, was er gemacht hat, aber dieses Spiel wird die Legende von Didier Deschamps nicht beschädigen.“
Dass er mit seinem Doppelpack (48. und 66.) seine WM-Ausbeute auf insgesamt 22 Tore schraubte und damit dem argentinischen Superstar Lionel Messi den Rekord abnahm, sieht Mbappé nur als vorübergehend an. „Leo trifft immer. Er wird morgen auf jeden Fall treffen“, sagte er über den Kapitän des Weltmeisters, der am Sonntag (21.00 Uhr MESZ) gegen Spanien den Titel erfolgreich verteidigen will.
