Die Sky Basketball Kolumne #6: Stark auch ohne Stazic

Der BC Hallmann Vienna hat zu Beginn dieser Saison für Staunen gesorgt. Der traditionell international ausgerichtete Klub hat plötzlich den österreichischen Weg eingeschlagen. Heimische ABL-Spieler aus Traiskirchen, Gmunden, Fürstenfeld und Wels wurden geholt und zu einem völlig neuen Team zusammengestellt. Dieser überraschende Schachzug kann jetzt – ein halbes Jahr und 30 Runden später – als durchaus gelungen bezeichnet werden. Und das obwohl der große Star des BC Vienna, Stjepan Stazic, weiterhin fehlt und in dieser Saison auch nicht mehr spielen wird.

Im September ist er 40 Jahre alt geworden. Vier Monate davor wurde Stjepan Stazic zum MVP der vergangenen ABL-Saison gewählt – gleichzeitig logischerweise auch zum wertvollsten österreichischen Spieler der Liga. Und das völlig zurecht. Der frühere Ego-Zocker ist im reiferen Alter zum Teamplayer geworden, hat seine Extra-Klasse nicht nur als Werfer, sondern auch als Vorbereiter aufs Parkett gebracht. Und ist als Kapitän des BC Vienna mit gutem Beispiel vorangegangen. Im Sommer dann die Hiobsbotschaft: Stjepan muss unters Messer. Ein Knorpelschaden im Knie. 23 Jahre als Basketball-Profi haben ihre Spuren hinterlassen.

Spätestens im November hätte Stazic wieder spielen wollen. Und an der Fitness wäre es auch nicht gescheitert. Stjepan absolviert regelmäßig sein heiß geliebtes Box-Training und sitzt stundenlang am Ergometer. Aber er kann nicht richtig laufen. Das Knie will (noch) nicht. Sein Bruder, General-Manager Petar Stazic, nimmt’s mit Humor: „In dieser Saison spielt er nicht mehr, aber dann sicher noch fünf Jahre!“ Der ABL würde ein Comeback des früheren Basketball-Weltenbummlers jedenfalls sehr gut tun. Stjepan hat jede Menge Charisma, immer einen starken Spruch auf den Lippen, ist ein Liebling der weiblichen Fans – und wohl der talentierteste österreichische Basketballer aller Zeiten.

Umso bemerkenswerter sind die Leistungen, die der BC Vienna ohne Stazic in dieser Saison bringt. Die Qualifikation für die Playoffs ist geschafft, Siege gegen alle drei Topklubs der Liga stehen zu Buche. Was auffällt: Die Hallmänner entscheiden knappe Spiele oft für sich, zeigen große Moral. Das Geheimnis des Erfolges ist aus meiner Sicht ein italienischer Vulkan. Nicht der Vesuv oder der Ätna, sondern Luigi Gresta. Der Headcoach ist ein Meister der Motivation – und freut sich schon auf das Viertelfinale. Wer weiß, wozu seine Schützlinge da noch fähig sind.

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Beitragsbild: GEPA