Die Sky-Saisonvorschau: SK Rapid
Ab Freitag rollt in der ADMIRAL Bundesliga endlich wieder der Ball – alle Spiele seht ihr live auf Sky Sport Austria oder im Stream mit Sky X! Vor dem Saisonstart haben unsere Vereinsredakteure wie gewohnt eine Vorschau zu ihrem Verein auf die Beine gestellt. Hier findet ihr die wichtigsten Infos über den SK Rapid, zusammengestellt von Vereinsredakteur Eric Niederseer.
Transfers
Zugänge
Claudy Mbuyi (SKN St. Pölten)
Der amtierende Torschützenkönig der LigaZwa (21 Liga-Tore in 23 Spielen) vom SKN St. Pölten wurde Mitte Juni als erster Neuzugang nach Hütteldorf gelotst und mit einem Dreijahresvertrag ausgestattet. Mbuyi gilt als athletischer und dynamischer Stürmer, der das Offensivspiel des SCR um eine zusätzliche Facette erweitern soll. Zudem ist der Franzose ein uneigennütziger Arbeiter auf dem Feld, der sich in den Dienst der Mannschaft stellt. Der 26-Jährige bringt einen guten Tiefgang mit und hat seinen Torriecher in der vergangenen Saison unter Beweis gestellt – eine Kaltschnäuzigkeit, die dem SK Rapid in der Saison 24/25 definitiv gefehlt hat. Es bleibt jedoch abzuwarten, ob Mbuyi den Qualitätsunterschied zur 2. Liga wettmachen und den Verlust der Scorer von Beljo und Burgstaller (31 Pflichtspieltore in der vergangenen Saison) abfedern wird können. Meine Vermutung ist es, dass sich beim SK Rapid kein klarer Knipser herauskristallisiert, sondern die Scorer auf verschiedenen Schultern aufgeteilt werden.
Jannes Horn (1. FC Nürnberg/Deutschland)
Jannes Horn wechselte Mitte Juni trotz laufenden Vertrags beim „Club“ aus Nürnberg ablösefrei nach Hütteldorf und unterschrieb bis 2027 mit Option auf ein weiteres Jahr. Der ehemalige, deutsche U-Nationalspieler bringt die Erfahrung von 67 Spielen in der deutschen Bundesliga für den 1. FC Köln, den VfL Wolfsburg sowie den VfL Bochum mit. Horn war zuletzt an St. Louis CITY SC in die MLS verliehen. Der 28-Jährige kann durch seine Vielseitigkeit verschiedenste Positionen in der Viererkette einnehmen, verfügt über einen starken Spielaufbau, Passsicherheit und geht in puncto Mentalität auf dem Platz bereits voran. Der Niedersachse soll der linken Abwehrseite des SCR, aufgrund seiner internationalen Erfahrung, Stabilität verleihen und vor allem die defensive Fehlerquote senken.
Ercan Kara (Samsunspor/Türkei)
Der 29-jährige Wiener war bereits in der abgelaufenen Frühjahrssaison auf Leihbasis vom Süper Lig-Klub Samsunspor nach Hütteldorf verliehen und unterschrieb bis 2027. Kara konnte seine Stärken, auch aufgrund von mangelnder Spielpraxis in der Türkei nur bedingt andeuten, stellte aber in zwei, aus grün-weißer Sicht, hochemotionalen Momenten seinen Torriecher und seine Wucht gekonnt zur Schau. Der bullige Stoßstürmer könnte vom neuen Coach Stöger, der seine Stärke im Umgang mit „Neunern“ (wie z.B. Philipp Hosiner beim FAK oder Anthony Ujah und Anthony Modeste beim 1. FC Köln) bereits in der Vergangenheit bewiesen hat, sowie der gänzlich absolvierten Sommervorbereitung profitieren. Zumindest hat der SCR in Person von Kara seinen Angriff um eine robuste Facette ergänzt. Und einen routinierten Stürmer mit Torriecher für eine geringe Ablöse verpflichtet, der das Teamgefüge ankurbelt, Mentalität und Einsatzwillen beweist und aufgrund seiner Leidenschaftlichkeit einen sehr hohen Beliebtheitsfaktor in der Mannschaft genießt.
Andrija Radulovic (FK Vojvodina/Serbien)
Auch der zweite Leihspieler der vergangenen Saison wurde fix verpflichtet und mit einem Vertrag bis 2029 ausgestattet. Radulovic brachte es seit seinem Winterwechsel 2024 auf 21 Pflichtspieleinsätze, in denen er drei Treffer erzielen und sein großes Potenzial punktuell aufblitzen lassen konnte. Der technisch versierte Montenegriner, der seine erste volle Vorbereitung in Hütteldorf absolvierte und dem Spiel Rapids eine gewisse Unberechenbarkeit gibt, könnte mit seinen Stärken im Eins-Gegen-Eins und seiner Beidbeinigkeit zu einem echten Unterschiedsspieler in Hütteldorf reifen. Zudem könnte er durch sein feines Füßchen die bekannte Standardschwäche in Hütteldorf lösen.
Jean Harrison Marcelin (Beitar Jerusalem/Israel)
Die Innenverteidigung des SCR wurde um einen weiteren Hünen ergänzt: Der 25-jährige, 1,98 m große Innenverteidiger stieß während des Trainingslagers des SK Rapid in Freistadt von Beitar Jerusalem aus der höchsten israelischen Spielklasse zur Mannschaft. „Ari“, wie Marcelin kurz genannt wird, unterschrieb bis 2028. Die politisch-prekäre Situation in Israel machte den Transfer für die geringe Ablösesumme von € 100.000 erst möglich. Der Rechtsfuß erweitert die Innenverteidigung des SCR um einen weiteren pass- und zweikampfstarken Innenverteidiger, der den Konkurrenzkampf zusätzlich ankurbeln wird.
Petter Nosa Dahl (KV Mechelen/Belgien)
Der SK Rapid hat mit dem 22-jährigen Flügelspieler Petter Nosa Dahl eine neue Nummer 10 verpflichtet und reagierte somit binnen kürzester Zeit auf den Abgang von Isak Jansson. Der Norweger unterschrieb einen Vertrag bis 2029. Petter Nosa Dahl, der übrigens schlicht und einfach „Nosa“ Dahl genannt wird, bringt ähnliche Attribute wie Jansson in puncto Schnelligkeit, Tiefgang und Technik mit, hat jedoch noch einige Unsauberkeiten im Spiel nach vorne. Was das norwegische Offensivtalent betrifft, ruhen die Hoffnungen darauf, dass er sein Potenzial nun gänzlich zur Entfaltung bringen und seinem Ruf als „Rohdiamant“ nach einiger Anpassungszeit in Hütteldorf nachkommen kann.
Janis Antiste (US Sassuolo/Italien)
Mit Janis Antiste kommt, vorerst für die Saison 2025/26, ein vielversprechender französischer Stürmer leihweise von der US Sassuolo zum SK Rapid. Zudem beinhaltet der Deal eine Kaufpflicht mit Vertrag bis 2029, die an eine gewisse Anzahl an Einsätzen gekoppelt ist. Der 22-jährige Angreifer kann bereits auf die Erfahrung von mehr als 100 Ligaspielen in der Serie A sowie den zweithöchsten Spielklassen Frankreichs, Italiens und zuletzt Deutschlands (fünf Tore und zwei Assists in zwölf Spielen für den 1. FC Nürnberg) zurückgreifen. Antiste ist im Gegensatz zu Sprintrakete Mbuyi und Brecher Kara ein spielerischer Stürmer und kein klassischer Strafraumstürmer, der sich oft fallen lässt, in Zwischenräumen agiert und durch Kombinationsfreudigkeit und technische Beschlagenheit besticht.
Abgänge
- Isak Jansson (OGC Nizza/Frankreich) – 10 Mio. €
- Thierry Gale (Bolton Wanderers/England) – 860.000 €
- Dennis Kaygin (FC Ingoldstadt 09/ Deutschland) – 100.000€
- Benjamin Böckle (WSG Tirol/Leihe)
- Dominic Vincze (TSV Hartberg/Leihe)
- Guido Burgstaller (Karriereende)
- Roman Kerschbaum (unbekannt)
- Jovan Zivkovic (ETO FC Györ/Ungarn) – Ablöse nicht bekannt
Während sportliche Erfolge in Form von Titeln in den vergangenen Jahren ausblieben, stieß Rapid diesen Sommer zumindest wirtschaftlich in neue Sphären vor. Das Geschäftsjahr 2024/25 wird in Hütteldorf erstmals mit einem Umsatz von mehr als 60 Millionen Euro abgeschlossen werden.
Auch auf dem Transfermarkt begann sich das, von Katzer zu Amtsantritt angestrebte, Rad zu drehen. Als Stein des Anstoßes ist der Redkordabgang von Isak Jansson zu verstehen. Die Ablösesumme für den schwedischen Linksaußen, den Rapid vor 1 ½ Jahren um € 125.000 holte und der für rund € 10 Mio. ging, konnte in junge Entwicklungsspieler wie Janis Antiste oder Nosa Dahl reinvestiert werden, die dem Vorbild des Schweden folgen sollen. Aufbauend darauf wurde das Gesicht des SCR somit weiter verändert.
Auf Abgangsseiten blieb der befürchtete, große Umbruch noch aus. Durch das Überangebot in der Innenverteidigung könnte Serge-Philippe Raux-Yao oder Ange Ahoussou bei einem passenden Angebot den Verein noch verlassen. Dazu gesellt sich mit Mamadou Sangaré eine weitere potenzielle Transferaktie, die in den kommenden Wochen wohl noch für Gesprächsstoff sorgen wird. „Wettbewerbsfähigkeit sticht Identifikation“: Während Rapid in der abgelaufenen Saison mit 52,36 % den viertniedrigsten Österreicher-Anteil auf dem Feld pro Minute aufwies, wird dieser Prozentsatz in der Saison 25/26 weiter sinken. Mit u.a. den Franzosen Antiste, Mbuyi und Marcelin, dem Norweger Dahl und dem Deutschen Horn verpflichtete der SCR fast ausschließlich Legionäre. Zudem werden mit dem Kameruner Martin Ndzie und dem Australier Marco Tilio wohl zwei weitere Legionäre zur Mannschaft stoßen. Diesbezüglich wird spannend zu sehen sein, wie schnell Peter Stöger eine homogene Einheit formen kann.
Der neue Trainerstab
Wer hätte zu Beginn der Saison 2024/25 gedacht, dass der eloquente Robert Klauß, der die Anhängerschaft durch seine gelebte Fannähe emotional so packen konnte, zu Beginn der Saison 2025/26 bereits Geschichte ist? Und durch den ehemaligen FAK-Meistertrainer, SCR-Europacupfinalisten und unseren ehemaligen Sky-Experten Peter Stöger ersetzt wird? Eine 180 Grad-Drehung auf der Trainerposition möchte man meinen. Liest man zwischen den Zeilen der Aussagen der Verantwortlichen wird jedoch klar, dass der eingeschlagene Weg nicht abhandenkommen soll. Sondern lediglich mit erfahreneren Aspekten und einer enormen Stärke im taktischen und zwischenmenschlichen Bereich ergänzt werden soll. Peter Stöger hat durch seine Zeit beim 1. FC Köln und bei Borussia Dortmund viel Erfahrung im Umgang mit Traditionsvereinen gesammelt, weiß mit Unruhen in einem Verein umzugehen, ist national einer der renommiertesten Trainer und – dieser Aspekt scheint über allem zu stehen – wird als „Menschenfänger“ bezeichnet. Mit Stögers Stärken als Kommunikator soll in Hütteldorf Ruhe einkehren und sich der langersehnte, konstante Erfolg einstellen. Zudem sieht sich Peter Stöger als Entwickler, dessen Fokus es ist, jeden Einzelnen sowie die ganze Mannschaft sukzessive zu verbessern.
Ganz bewusst hat sich der 59-Jährige mit Thomas Sageder und Stefan Kulovits zudem zwei „starke“ Co-Trainer, die beide bereits als Cheftrainer tätig waren, an seine Seite gestellt. Wer meint, dass es im Trainerstab eine klare Rollenverteilung gibt, der irrt sich. Die Tugenden, die Stöger im Umgang mit seiner Mannschaft pflegt, pflegt er auch intern im Trainerstab. „Ich versuche es als Team zu machen. Egal wer Anweisungen gibt, die Anweisung ist genauso wichtig und wertvoll. Manchmal führt ‚Sagi‘ das Training, manchmal ‚Kulo‘, manchmal grätsche ich rein“. Das zeigt, dass das Wir-Gefühl für den neuen Chefcoach einen großen Stellenwert haben soll.
Vorbereitung
Nach einer langen Saison 24/25 mit insgesamt 53 Pflichtspielen gab es für den SCR rund drei Wochen Urlaub, ehe am 21. und 22. Juni die Sommervorbereitung mit den sportwissenschaftlichen Testungen eingeleitet wurde. Von 5. bis 12. Juli ging es für Stöger & Co. ins Trainingslager nach Freistadt. Die Vorbereitung gestaltete sich als Mix aus körperlichen Inhalten, hochintensiv aufgrund des gewünschten Gegenpressings, und inhaltlichen Aspekten. Im Spiel mit dem Ball befasste man sich mit dem Spielaufbau, der Überbrückung des Mitteldrittels bis hin zum raschen Abschluss. Zudem wurde ein Großteil der Vorbereitung verwendet, um im Spiel gegen den Ball nachzuschärfen, im Anlaufverhalten konsequenter zu werden und wiederum schnelle Lösungen in der Offensive zu finden. Kommende Pflichtspiele sollen diese Entwicklung vorantreiben.
Viel Zeit in Standards
Der SK Rapid investierte viel Zeit in Standardsituationen, um ein altbekanntes Problem bestmöglich zu beseitigen. In der kommenden Saison müssen zur Erreichung der Ziele auch die Werte hinsichtlich Bodenzweikämpfen, wo man in der vergangenen Saison unter allen Bundesligisten die schlechtesten Werte aufwies, sowie Aggressivität verbessert werden.
Zu den sportlichen Aspekten brachte Stöger auch einen, für viele Akteure neuen Aspekt in die Mannschaft, indem er seinen Kader mit seinem langjährigen Betreuer und Teamentwickler Werner Zöchling im Bereich des Persönlichkeits- und Teambildung arbeiten ließ. Stöger führte ergänzend dazu an: „Bei dem Coaching ging es darum, die Jungs auf eine Reise mitzunehmen, dass sie sich Gedanken machen, was den Verein betrifft, was eine Gruppe betrifft und was jeder Einzelne für seine Entwicklung machen kann. Wir wollen, dass sich die Jungs mit ihrer eigenen Entwicklung beschäftigen. In Wahrheit sollten wir in unserer Mannschaft 30 Führungskräfte haben, wo sich jeder bewusst ist, was zu tun ist. Das Wichtigste ist, dass sich die Jungs mit ihrer Persönlichkeit auseinandersetzen und auch mit den Persönlichkeiten im Trainerteam. Im Normalfall sind die ganzen Kleinigkeiten, die funktionieren, dann der Ausschlag dafür, dass du etwas Großes erreichst“.
Testspiele
- SK Rapid 5:0 (2:0) USV Scheiblingkirchen-Warth, Tore: Mbuyi, Stehrer, Strunz, Bajlicz, Oswald
- SK Rapid 1:0 (1:0) Artis Brno (CZE), Tor: Schaub
- SK Rapid 5:2 (3:0) MSK Zilina (SVK), Tore: 2 x Schaub, Kara, Seydi, Weixelbraun
- SK Rapid 1:1 (0:1) Union Berlin, Tor: Mbuyi
Top
Das große Upgrade im Vergleich zur Vorsaison ist definitiv die Breite und Qualität im diesjährigen Kader. Die vergangene Saison hat zwar bewiesen, dass die erste Elf qualitativ gut aufgestellt war, das Gefälle auf den restlichen Kaderplätzen jedoch zu stark abfiel, um der Mehrfachbelastung und etwaigen Verletzungen qualitativ standzuhalten. Zudem gesellte sich eine mangelnde Konstanz und Motivationsprobleme während des Drei-Tages-Rhythmus. Hier hat der SK Rapid vorgesorgt, sodass sich nun in sämtlichen Mannschaftsteilen ein fast ebenbürtiger Konkurrenzkampf um die Startelf bzw. Kaderplätze ergibt. Durch viele verschiedene Spielertypen ergibt sich außerdem eine Vielzahl verschiedener Variationsmöglichkeiten, die den Fußball des SK Rapid unberechenbarer machen könnte.
Flop
Mit Guido Burgstaller verlor man auf dem Platz sowie in der Kabine eine Führungspersönlichkeit. Zudem auch eine Identifikationsfigur und einen Stürmer mit Torinstinkt, dessen Profil logischerweise nicht adäquat ersetzt werden konnte. Die große Bürde des Burgstaller-Karriereendes muss nun auf mehreren Schultern verteilt werden. Entgegen den Aussagen der Verantwortlichen zu Beginn der Saisonvorbereitung, dass man älter werden wolle, wurden dem Kader jedoch fast ausschließlich junge Entwicklungsspieler hinzugeführt. Erschwerend kommt hinzu, dass ein Mangel an Führungsspielern bereits in der vergangenen Saison ein großer Kritikpunkt des Umfelds war. Die große Challenge wird es sein, eine Achse aus den bestehenden Führungsspielern zu formen, die auf dem Platz durch Leistung, Lautstärke und Mentalität vorangehen. Außerdem wird es die große Aufgabe für das neue „Dreigestirn“ im Sturm rund um Mbuyi, Antiste und Kara, die Torquote von Burgstaller aus den Vorjahren aufzufangen.
Kader
Der derzeitige Kader des SK Rapid umfasst 30 Akteure inklusive 13 Legionären. Während die Hütteldorfer sukzessive vom österreichischen Weg abkommen, zeigt sich beim Blick auf den derzeitigen Kader ein bunter Mix aus neun verschiedenen Nationalitäten. Peter Stöger hat in vielen Mannschaftsteilen die Qual der Wahl, vor allem in der Innenverteidigung und im Mittelfeld teilweise ein Überangebot ebenbürtiger Spieler, die um einen Stammplatz kämpfen.
In der Defensive sind Pass- und Zweikampfstärke wohl die größten Attribute. Im Offensivbereich kann Stöger zwischen Technik, Speed, Tiefgang und Körperlichkeit beliebig variieren oder kombinieren. Konkurrenzkampf belebt zwar bekanntlich das Geschäft, kann aber auch zu internen Unruhen führen. Speziell hier ist Peter Stögers Rolle und Stärke als Kommunikator gefragt. Das Handling mit dem gut bestückten Kader wird spannend werden, vor allem da Peter Stöger ein Verfechter des Leistungsprinzips ist. Stöger meint hierzu: „Ich bin kein Freund der Elf-Spieler-Rotation von Donnerstag auf Sonntag, das ist nicht mein Zugang. Ich denke, man muss sich für solche Partien qualifizieren. Diejenigen, die mehr Arbeit investieren, werden am Ende öfter spielen.
Es soll keiner glauben, dass er irgendwann zum Einsatz kommt, nur weil es viele Spiele gibt. Es werden bei mir die Besten spielen“. Die Kehrseite der Medaille ist, dass der SCR viele neue Spieler, speziell in der Offensive, integrieren muss und die Implementierung der neuen Abläufe natürlich Zeit in Anspruch nehmen wird. Hier wird Geduld gefragt sein. Der Fußball des SCR könnte, aufbauend auf dieser These, in der Anfangsphase der Saison ergebnisorientiert ausfallen. Die große Challenge für Peter Stöger wird sein, aus vielen jungen, hungrigen Spielern verschiedenster Nationalitäten ein homogenes Kollektiv zu formen.
„Rising Stars“
Martin Ndzie
Viele Fans des SK Rapid werden sich nun wohl fragen „habe ich etwas verpasst?“. Nein, noch nicht! Der 22-Jährige wurde zwar noch nicht offiziell präsentiert, wird aber am Wochenende nach Wien reisen und für den Medizincheck sowie Vertragsunterschrift erwartet. Abhängig vom Erhalt der Rot-Weiss-Rot-Karte wird Ndzie vermutlich Mitte August einsatzfähig sein.
Der athletische Kameruner steht aktuell beim israelischen Erstligisten FC Ashdod unter Vertrag (demselben Team, von dem auch Nenad Cvetkovic zum SCR stieß) und wird zum neuen Rekordzugang des SK Rapid (Ablöse bei € 2,5 Mio.) avancieren. Ndzie bringt einen hervorragenden Mix aus physischen und technischen Komponenten mit, besitzt zudem ein starkes Passspiel und eine hohe Aktionsrate. Der 1,88 m große Sechser könnte das fehlende Puzzlestück im Stöger-System werden.
Dominik Weixelbraun
„Unverhofft kommt oft“ – Eigentlich sollte der Neuzugang vom SKU Amstetten den Angriff der zweiten Mannschaft verstärken. Durch seine Unbekümmertheit und eine vielversprechende Sommervorbereitung, wird Weixelbraun dem Kader und Trainingsbetrieb der Profis aber auch weiterhin erhalten bleiben. Bereits in der Conference League sowie im Cup erhielt der 21-Jährige das Vertrauen des neuen Cheftrainers und zahlte es auf Anhieb mit sehenswerten Joker-Leistungen zurück. „Er ist ein richtig guter Zocker. Mir gefällt der Bua. Es macht mir Spaß, ihm zuzusehen“, fasst Stöger das Profil von Weixelbraun zusammen. Weixelbraun könnte im Fortlauf der Saison zu einer echten Offensiv-Alternative auf der Außenbahn reifen.
Ankick-Tipps
Der quirlige Andrija Radulovic sammelte bei seinen Joker-Einsätzen vergangene Saison bereits massig Punkte und konnte seine Torgefährlichkeit punktuell andeuten. In dieser Saison wird Montenegriner im Stöger-System eine tragende Rolle auf dem rechten Flügel einnehmen und könnte aufgrund seines Potenzials seine Minuten und Scorerpunkte vervielfachen. Sollte der technisch beschlagene Flügelspieler an seine Leistungen der Vorbereitung anknüpfen und verletzungsfrei bleiben können, hat Radulovic definitiv das Potenzial zu einem Unterschiedsspieler in eurem Ankick-Team.
Ebenfalls interessant für jedes Ankick-Team, ist Romeo Amane. Der ivorische Mittelfeldmotor ist ein klassischer Verbindungsspieler zwischen Defensive und Offensive, der einen hohen Aktionsradius aufweist, das Spielfeld abgrast sowie Bälle erobert und verteilt. Und somit die Ankick-Metriken mit verlässlichen und stabilen Werten füttert. Amane könnte eine solide Punkte-Bank zur Erfüllung eures Saisonziels vom Ankick-Titel werden.
Spielanlage
Um seine Spielphilosophie anders zu erklären, wählte Stöger folgende Worte: „Ich wünsche mir, dass wir so Fußball spielen, dass es – so wie es in Köln oder in Dortmund war – keine Möglichkeit gibt, zwei Minuten vor Spielbeginn ein Ticket zu kaufen, weil es voll ist“. Abgesehen davon soll die Idealvorstellung des „Stöger-Balls“ sein, weiterhin aktiv, dominant und kontrolliert zu agieren – auf Basis einer stabilen Defensivarbeit.
Die ersten Pflichtspiele haben in taktischer Hinsicht gezeigt, dass die Positionierung, im Vergleich zu Vorgänger Klauß, fluider und variabler ist. Variabler im Spielaufbau, im Anlaufverhalten sowie den Pressingzonen. Durch die unterschiedlichen Spielertypen in sämtlichen Mannschaftsteilen ergeben sich viele verschiedene Varianten der Grundformation. Vor allem im Sturmzentrum bringen die drei potenziellen Angreifer Mbuyi, Antiste und Kara verschiedene Tugenden mit, sodass Stöger zwischen Solo- und Doppelspitze switchen kann. Anpassungsfähigkeit ist somit eines der Schlagwörter der neuen Philosophie.
Der SCR will mehrere Systeme spielen können, um zwar primär sein eigenes Spiel bestmöglich auf das Parkett zu bringen, aber auch laufend gegner- und situationsabhängig umstellen zu können. Laufintensität und Aggressivität gegen den Ball sind die grundsätzlichen Zugpferde. „Kilometerfresser“ und Balljäger wie Grgic, Seidl, Amane und Sangare sind essenziell für die praktizierte Spielphilosophie und die derzeitige Grundformation im 4-3-3 (bzw. 4-1-2-3) sowie im 4-4-2.
Im Laufe der Saison sollen dann, je nach Entwicklungsfortschritt, auch andere Formationen, z.B. in der Dreier- bzw. Fünferkette möglich sein. „Ich kann Sie beruhigen, es wird Spiele geben, in die wir mit einer defensiveren Grundordnung reingehen. Aber genauso solche mit vollkommen offenem Visier“, meinte Stöger bei seiner offiziellen Präsentation. Sein Grundzugang sei, „dass ich versuche, das aus meinen Jungs herauszuholen, was sie imstande sind, abzuliefern. Danach richte ich aus, was umsetzbar ist“.
Mögliche Startelf

Saisonziele
„Ich sehe ein Projekt, das durch die Decke gehen kann“, waren die Worte von Neo-Coach Peter Stöger zu Amtsantritt. Der 59-Jährige will mit dem SK Rapid sukzessive um Titel mitspielen. Jedoch sei es noch viel wichtiger, dass man nachhaltig etwas entstehen lasse und am bisherigen, eingeschlagenen Weg anknüpfe. Was das Drumherum betrefft, ist die Basis gelegt. Peter Stögers Zielformulierung, die übrigens gemeinsam mit der Mannschaft definiert wurde, ist konkreter als die seiner Vorgänger, jedoch auch (noch) keine Kampfansage: „Der Anspruch muss schon sein, dass wir vorne dabei sind. Das Ziel muss sein, dass wir uns in den Top Drei festsetzen. Wir müssen dem, was rundherum möglich ist, in irgendeiner Form gerecht werden. Du kannst mit dieser Unterstützung und dem qualitativ guten Kader sehr viel erreichen. Aber wichtig ist, dass diese Symbiose zwischen Umfeld und Verein funktioniert“. Explizit meint Stöger damit die realistische Einordnung von Spielverläufen, Leistungen und Ergebnissen des Vereins und des Umfeldes. Zudem wolle man international so aufzeigen, dass das Herzschlagfinale gegen den LASK Sinn ergebe und man es erneut schaffe, in die Ligaphase der Conference League zu kommen.
Auswärtsschwäche soll abgestellt werden
Zur Erreichung aller dieser Ziele ist die Erfüllung von Teilzielen erforderlich. Eines dieser Teilziele soll sein, dass die erschreckende Auswärtsschwäche abgestellt werden muss: „Man hat es vergangenes Jahr nicht geschafft, das Potenzial über eine ganze Saison abzurufen. Man kann auf keiner Spitzenposition landen, wenn man auswärts nur zwei von 17 Spielen gewinnt. Es kann nicht unser Ansatz sein, dass wir nur im Allianz Stadion, nur mit dieser Fanbase und Unterstützung, erfolgreich Fußball spielen. Das kann nichts mit Fußball zu tun haben. Das sind dann wichtige Bereiche, die man analysieren und Hilfestellung geben muss“.
Zu den weiteren Zielen gesellt sich auch die individuelle Entwicklung eines jeden einzelnen Individuums in der Gruppe. Diese menschliche und sportliche Weiterentwicklung ist eine der wichtigsten Ansätze von Stöger: „Die Entwicklung des einzelnen Spielers steht für mich immer im Vordergrund. Wir müssen mit dem Verein, mit dem ganzen Team erfolgreich sein, aber die ureigenste Aufgabe eines Trainers ist, Spieler zu begleiten, besser zu machen und an ihr Leistungsmaximum heranzubringen“.
Prognose
Elementar für eine erfolgreiche Saison beim SK Rapid wird sein, wie gut man aus den Startlöchern kommt und konstante Resultate erzielt. Um einerseits Ruhe zu schaffen, andererseits Euphorie entstehen zu lassen. Durch die vielen Neuzugänge ergeben sich vor allem, was das Offensivspiel betrifft, viele Variablen des (Miss)Erfolgs. Immerhin gilt es die Torquote von drei Stützen (Jansson, Burgstaller und Beljo), die den Verein verließen, auf mehreren Schultern zu verteilen.
Die große Aufgabe für den Verein wird es sein, ein Verständnis für mögliche, anfängliche Ergebnisorientiertheit und Geduld zu schaffen, um parallel an der ganzheitlichen und individuellen Entwicklung des Teams und deren Charaktere arbeiten zu können. Zudem wird es auch auf Stögers Rolle als Kommunikator im Verein ankommen, dass aufkommende Störfaktoren und bekannte Nebengeräusche in und um Hütteldorf ausgeblendet werden können. Managet man die Zweigleisigkeit zwischen nationalem und internationalem Geschäft besser als in der Vorsaison und findet eine wöchentliche Konstanz, in Form von Ergebnissen, ist mit dem qualitativ stärkeren und breiteren Kader diese Saison einiges möglich.
Tipp Endplatzierung
Auch wenn viele Faktoren in der eigenen Systematik der Bundesliga samt Punkteteilung zusammenspielen müssen, lege ich mich fest: Der SK Rapid wird in diesem Jahr Vizemeister.
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