Djokovic – Richter beraten über Entscheidung
In der Gerichtssitzung in Australien im Fall des serbischen Tennisprofis Novak Djokovic haben sich die Richter am frühen Sonntagnachmittag (Ortszeit) zur Entscheidungsfindung zurückgezogen. Drei Richter des Bundesgerichts entscheiden, ob der Weltranglisten-Erste im Land bleiben und an den am Montag in Melbourne beginnenden Australian Open teilnehmen darf oder ob er ausreisen muss. Der Titelverteidiger Djokovic hatte nach dem erneuten Entzug seines Visums Einspruch eingelegt.
Wann das Urteil fällt, war zunächst nicht bekannt. Man wolle den Nachmittag mit Beratungen zu dem Fall verbringen und hoffe, noch am Sonntag zu einer Entscheidung zu kommen, sagte der Vorsitzende Richter James Allsop.
Sollten die Richter gegen Djokovic entscheiden, dann bliebe ihm die Teilnahme an den Australian Open, die er bereits neun Mal gewonnen hat, lange verwehrt. Sollte seinem Einspruch gegen die Ausweisung stattgegeben werden, könnte er bei dem Turnier sein Ziel verfolgen, als erster Tennisspieler überhaupt 21 Grand-Slam-Titel zu holen. Für die australische Regierung, die im Mai bei der Parlamentswahl um den Erhalt ihrer Mehrheit kämpft, wäre es eine erniedrigende Niederlage.
Djokovic war am Samstag erneut in Gewahrsam genommen worden, nachdem die australische Regierung sein Visum ein zweites Mal für ungültig erklärt hatte. Eine erste Gerichtsanhörung am selben Tag durfte der Sportler unter Bewachung durch australische Grenzpolizisten vom Büro seiner Anwälte in Melbourne aus verfolgen. Später wurde er in das Abschiebehotel gebracht.
Der australische Einwanderungsminister Alex Hawke räumte laut Gerichtsunterlagen zwar ein, dass das von Djokovic ausgehende Infektionsrisiko „geringfügig“ sei. Die Einreise des Tennisspielers könne aber zur Missachtung von Corona-Regeln im Land führen, eine „Anti-Impf-Stimmung fördern“ und sogar zu „Unruhen“ beitragen. Djokovics Anwälte warfen der Regierung vor, ihre Argumentation sei „unlogisch“ und „irrational“. Djokovic gehöre nicht der Bewegung der Corona-Impfgegner an.
Regierungs-Anwalt Stephen Lloyd argumentierte, Djokovic habe seine Haltung durch die fehlende Impfung und wiederholte Missachtung von Corona-Sicherheitsmaßnahmen deutlich gemacht. Außerdem habe es seinetwegen in Australien bereits Proteste gegeben.
Bereits bei der Einreise am 5. Jänner hatten die Behörden Djokovics Visum für ungültig erklärt und ihn in das Abschiebehotel gebracht. Anfang der Woche gab dann ein Richter einem Einspruch seiner Anwälte wegen eines Verfahrensfehlers statt. Djokovic durfte das Abschiebehotel vorübergehend verlassen und trainieren. Bei der erneuten Aufhebung von Djokovics Visum berief sich die australische Regierung auf ihre exekutiven Vollmachten.
Die Angelegenheit hat sich längst zu einem Politikum entwickelt. Der serbische Präsident Aleksandar Vucic richtete schwere Vorwürfe gegen die australischen Behörden. Die australische Regierung ist wiederum besorgt wegen des Unmuts, den Djokovics Einreise bei vielen Bürgern auslöste, nachdem sie in den vergangenen Monaten unter langen Corona-Lockdowns und strikten Einreisebeschränkungen zu leiden hatten.
Die Rechtsexpertin Sanzhuan Guo von der australischen Flinders University sagte, der Ausgang des Falles werde wahrscheinlich „bestimmen, wie Touristen, ausländische Besucher und sogar australische Bürger auf Jahre hinaus die Einwanderungspolitik des Landes und die ‚Gleichheit vor dem Gesetz‘ sehen“.
Trotz der Corona-Impfpflicht für einreisende Ausländer war Djokovic nach Australien geflogen. Er verwies auf eine Ausnahmegenehmigung, die auf seinem Status als Genesener nach einem positiven Corona-Test vom 16. Dezember basiert. Es wurden aber Zweifel an dem positiven Testergebnis laut, zumal sich Djokovic in der Folge nicht konsequent isolierte.
Der spanische Tennisspieler Rafael Nadal sagte in Melbourne, die Australian Open seien „wichtiger als jeder Spieler“. Sie würden „mit oder ohne“ Djokovic ein großartiges Turnier. Die Spielerin Naomi Osaka sagte, Djokovic sein ein „großartiger Spieler“ und an dem Einreisestreit sei „traurig, dass manche Leute ihn so in Erinnerung behalten werden“.
(APA) / Bild: Imago
