Dominanz & Heimvorteil: Wer bei Winterspielen die Medaillen holt

In einer Woche beginnt die Jagd nach den Medaillen bei den Olympischen Winterspielen 2026 in Mailand und Cortina. Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass in vielen Disziplinen jeweils bestimmte Nationen besonders erfolgreich sind. Auch Österreich zählt in einer Sportart traditionell zu den größten Siegesanwärtern.

Die Olympischen Spiele stehen für Spannung, Emotionen und immer wieder für Überraschungen. Der Gewinn einer olympischen Medaille gilt für viele Athletinnen und Athleten als Höhepunkt ihrer Karriere. Auch in diesem Jahr gehen Sportlerinnen und Sportler aus aller Welt für ihre Nationen auf Medaillenjagd.

Erfolgreiche Nationen

In der Geschichte der Olympischen Winterspiele konnten bislang 47 Nationen mindestens eine Medaille gewinnen. In absoluten Zahlen ist Deutschland die erfolgreichste Nation. Deutsche Athletinnen und Athleten holten insgesamt 435 Medaillen. Auf Platz zwei folgt Norwegen mit 406 Medaillen. Rang drei belegt Russland mit 384 Medaillen, wobei hier auch die Medaillen der Sowjetunion mitgezählt werden. Österreich gewann bisher 251 Medaillen und liegt damit im ewigen Medaillenspiegel auf Rang fünf.

Demgegenüber gibt es zahlreiche Nationen, die trotz mehrfacher Teilnahme an den Winterspielen noch keine einzige Medaille gewinnen konnten. Am längsten warten Griechenland und Argentinien. Beide Länder entsandten bereits zwanzigmal Athletinnen und Athleten zu Olympischen Winterspielen, kehrten jedoch bislang ohne Medaille zurück.

Dominante Disziplinen

Dass nicht jedes Land in jeder Disziplin gleich erfolgreich ist, hängt unter anderem mit geografischen und strukturellen Unterschieden zusammen. Dennoch überrascht, wie stark einzelne Sportarten historisch von bestimmten Nationen dominiert werden.

So gewann Deutschland mehr als siebzig Prozent aller Goldmedaillen im Rennrodeln. Auch Kanada im Eishockey mit rund vierzig Prozent der Goldmedaillen sowie Südkorea im Shorttrack liegen im historischen Vergleich deutlich vor der Konkurrenz.

Ausgeglichener sind die Wettbewerbe hingegen im Skeleton und im Ski Freestyle. In diesen Disziplinen teilen sich jeweils zwei Nationen den Spitzenrang im Medaillenspiegel.

Die Gründe für diese Dominanz sind vielfältig. Eine zentrale Rolle spielen Infrastruktur, gezielte Investitionen und langfristige Talentförderung. Deutschlands Vormachtstellung im Rennrodeln lässt sich unter anderem dadurch erklären, dass sich vier der weltweit sechzehn Kunsteisbahnen im Land befinden. Das ermöglicht optimale Trainingsbedingungen und einen kontinuierlichen Nachwuchsaufbau.

Zudem wird der Sport finanziell stark gefördert. Der deutsche Bob und Schlittenverband erhielt 2024 staatliche Zuwendungen in Höhe von 7,1 Millionen Euro. Zum Vergleich bekam der Deutsche Skiverband im selben Jahr 4,3 Millionen Euro an Bundesmitteln und damit deutlich weniger.

Medaillengarantie für Österreich

Auch Österreich führt eine Disziplin klar an, nämlich den alpinen Skisport. Das Land ist dort nicht nur historisch die erfolgreichste Nation, sondern zeigte auch bei den letzten drei Olympischen Winterspielen eine bemerkenswerte Konstanz. Medaillen im Ski Alpin gelten für Österreich nahezu als gesetzt. Bei den vergangenen drei Austragungen stand in jeweils sieben von elf Bewerben mindestens eine österreichische Athletin oder ein Athlet auf dem Podest.

Am längsten wartet das österreichische Team derzeit in der Frauenabfahrt auf eine Medaille. Zuletzt gewann Elisabeth Görgl 2010 in Vancouver Bronze. Besonders erfolgreich verliefen die Spiele 2014 in Sotschi, als das österreichische Ski Team neun Medaillen holte. Der bisherige Höchstwert gelang allerdings auf italienischem Boden bei den Spielen 2006 in Turin. Damals gewann das österreichische Team im alpinen Skisport sensationelle vierzehn Medaillen.

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Heimvorteil für Italien

Auch Italien darf sich als Gastgeber der diesjährigen Spiele berechtigte Hoffnungen auf eine überdurchschnittliche Medaillenausbeute machen. Historische Daten zeigen, dass Gastgeberländer bei Olympischen Spielen in der Regel erfolgreicher abschneiden als bei der vorherigen Austragung. Im Durchschnitt gewinnen sie mehr Medaillen als vier Jahre zuvor.

Besonders deutlich wird dieser Effekt bei einem Blick auf frühere Gastgeber. Russische Athletinnen und Athleten holten in Vancouver vergleichsweise wenige Medaillen, steigerten ihre Ausbeute bei den Heimspielen in Sotschi jedoch erheblich. In Pyeongchang fiel sie erneut geringer aus. Ähnliche Muster zeigen sich bei Südkorea und China. Beide Nationen gewannen auf heimischem Boden neun beziehungsweise sechs Medaillen mehr als bei der vorherigen Austragung.

Der Heimvorteil lässt sich nicht allein durch die Unterstützung des Publikums erklären. Zusätzliche Trainingsmöglichkeiten auf den Wettkampfstätten, Vertrautheit mit den lokalen Bedingungen und geringere Reisestrapazen gelten ebenfalls als entscheidende Erfolgsfaktoren.

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Bilder: IMAGO